Hin­weis: Diese Inter­view wurde anläss­lich unseres 11FREUNDE Bun­des­liga-Son­der­heftes bereits im Juli geführt.

Mike Büs­kens, wir wollen den Trainer der SpVgg Greu­ther Fürth inter­viewen und er schlägt das alte Park­sta­dion als Treff­punkt vor. Wie kommt’s?

Mike Büs­kens: Meine Familie wohnt noch in Gel­sen­kir­chen, und der FC Schalke 04 und das Park­sta­dion sind nun mal ein prä­gender Teil meiner Geschichte.

Und die Familie will auch nicht weg?

Mike Büs­kens: Ein Trainer hat eine begrenzte Halt­bar­keits­dauer, und da ist es meines Erach­tens nicht för­der­lich, die Kinder ständig umzu­sie­deln. Ich möchte sie nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen und erst einmal her­aus­finden, ob der Job als Trainer wirk­lich das ist, was ich die nächsten 20, 30 Jahre machen möchte.

Zwei­feln Sie denn daran?

Mike Büs­kens: Eigent­lich nicht, aber ich war zu Beginn auch als Nach­wuchs­trainer glück­lich und der Ein­stieg in den Pro­fi­be­reich ist ein neuer Abschnitt. Schon am Anfang meiner aktiven Kar­riere wollte ich nach der Spiel­erlauf­bahn E‑Ju­nioren-Trainer beim FC Bayern werden.

So wie andere Jungs Loko­mo­tiv­führer werden wollen.

Mike Büs­kens: Nein, nur wollte ich eigent­lich nie auf den Trai­nerzug im bezahlten Fuß­ball auf­springen, son­dern meine Erfah­rung an Kinder wei­ter­geben. Weil Bayern so gut orga­ni­siert ist, dachte ich, es sei clever, in Mün­chen Jugend­trainer zu werden.
Statt­dessen sind Sie aber erst mal Ama­teur­trainer auf Schalke geworden. Rudi Assauer wollte mich immer nach meiner aktiven Lauf­bahn in die Ver­eins­ar­beit inte­grieren. So wurde ich spie­lender Co-Trainer der Schalker U 23 und konnte wäh­rend­dessen meine Trai­ner­scheine machen.

Bis Sie im April 2008 das erste Mal an der Seite von Youri Mulder als Inte­rims­trainer bei den Profis ein­sprangen. Die Ver­ant­wort­li­chen sind ein hohes Risiko ein­ge­gangen.

Mike Büs­kens: Ich war eigent­lich gar nicht so wild darauf, den Job zu über­nehmen, da ich mich als Trainer der zweiten Mann­schaft wohl gefühlt habe. Schalke stand auf Platz drei, man trennte sich von Mirko Slomka und setzte Trainer ein, die vorher als Nach­wuchs­coach oder als TV-Kom­men­tator gear­beitet hatten.

Sie haben es aber trotzdem gemacht.

Mike Büs­kens: Für sechs Spiele, weil mich die Lei­den­schaft, mit der die Leute diesen Verein leben, immer fas­zi­niert hat und ich mich – auch wenn ich damit mein Geld ver­diene – als Fan und Roman­tiker ver­stehe.

Ihr Enga­ge­ment war recht erfolg­reich, doch anschlie­ßend rückten Sie wieder ins zweite Glied hinter dem neuen Coach Fred Rutten. Als auch dieser im Ver­lauf der neuen Saison ent­lassen wurde, kamen Sie erneut in die Ver­ant­wor­tung.

Mike Büs­kens: Wir – Olli Reck, Youri Mulder und ich – haben uns dagegen gesträubt, weil wir die Ent­las­sung für einen Fehler hielten. Rutten hat in Hol­land bewiesen, dass er junge Spieler ent­wi­ckeln kann. Auf­grund einer geplanten wirt­schaft­li­chen Kon­so­li­die­rung war das eigent­lich ein Weg, den man ein­schlagen wollte. Wir haben die ersten vier Spiele gewonnen, sogar bei den Bayern in der Allianz Arena, aber der Verein hatte sich schon im März mit Felix Magath geei­nigt und mit ihm den erfolg­reichsten Trainer der letzten Jahre ver­pflichtet.

Und für Mulder, Reck und Büs­kens war bald kein Platz mehr.

Mike Büs­kens: Es kam ein neuer Coach und mit ihm ein neuer Trai­ner­stab. Der Verein tätigte zwar Aus­sagen, dass es für uns drei immer einen Platz auf Schalke gäbe, aber zwei Tage vor Sai­son­start wurde uns mit­ge­teilt, dass man ohne uns plant.

Ein herber Schlag.

Mike Büs­kens: Irgendwie schon, aber es ist doch legitim und normal, dass ein neuer Trainer Mit­ar­beiter seines Ver­trauens mit­bringt. Den­noch hört man nicht auf, diesen Verein zu leben, das wäre nach so vielen Jahren auch schlimm. Solche Ent­schei­dungen gibt es halt.

Kommen Sie, so locker haben Sie es aber nicht genommen.

Mike Büs­kens: Ich hatte dem Klub gegen­über eine klare Vor­stel­lung for­mu­liert: Ich wollte gar nicht in der ersten Reihe zum System Magath dazu­ge­hören, son­dern in einer Art Hos­pi­ta­tion erfahren, was dieses System so erfolg­reich macht. Ich hatte noch ein Jahr Ver­trag und hätte dies gern als Fort­bil­dungs­zeit“ genutzt.

Als Rand­figur, die ab und an bei den Profis rein­schnup­pert?

Mike Büs­kens: Es ging mir gar nicht darum, einen Trai­nings­anzug zu tragen oder mit aufs Mann­schafts­foto zu kommen. Ich dachte, es wäre ein per­fekter Abschluss meiner Aus­bil­dung, bevor ich anfange, alleine zu fliegen.

Letzt­lich hatte der Klub keine Ver­wen­dung mehr für Sie. Das muss Sie doch getroffen haben.

Mike Büs­kens: Ich finde es voll­kommen zulässig, wenn jemand eigene Leute mit­bringt. Trotzdem war es natür­lich ein Ein­schnitt in mein Leben. Ich habe mich immer als Teil der Schalker Familie gefühlt. Diesem Emp­finden war nun plötz­lich die Grund­lage ent­zogen. Das soll jetzt nicht ankla­gend oder jam­mernd rüber­kommen, aber viel­leicht bin ich doch zu sehr Fuß­ball­ro­man­tiker.

Hat Schalke 04 sich ver­än­dert? Lebt der Klub mit einem Stan­des­dünkel?

Mike Büs­kens: Natür­lich wächst und ver­än­dert sich ein Verein im Laufe der Jahre. Man sollte aber jetzt wieder schauen, dass man für Werte steht, eine lang­fris­tige Phi­lo­so­phie hat und nicht mit aller Gewalt den nächsten Meis­ter­titel erringen will. Manchmal müssen sich Dinge auch ent­wi­ckeln dürfen.

Bei Face­book gibt es zwei Pro­file von Mike Büs­kens. Wel­ches ist Ihres?

Mike Büs­kens: Keins von beiden. Ich war noch nie auf Face­book oder in Face­book oder wie man auch immer sagt. Aber ich ahne, worauf Sie hinaus wollen, und ich sage Ihnen gleich, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Im Internet schlug ein Clip von Ihnen Wellen, der auf­fäl­lige Ähn­lich­keit mit dem You­tube-Film von Felix Magath hatte, in dem er sich kurz vor seiner Ent­las­sung auf Schalke ein Face­book-Profil anlegt. Sie tragen darin anfäng­lich einen Anzug, rühren in einer Tee­tasse und reden dar­über, dass man authen­tisch bleiben muss.

Mike Büs­kens: Ich muss und kann damit leben, dass man Ähn­lich­keiten erkennt, wenn man dies fest­stellen will. Dafür gab es von der einen oder anderen Seite auch Kritik, aber man sollte dieses Thema jetzt end­lich auch beenden.

Mal unter uns, Sie haben sich doch schlapp gelacht, als Sie gesehen haben, wie ver­krampft Magath da ver­sucht, Nähe zu den Fans vor­zu­täu­schen. Ich habe es nicht gesehen, wirk­lich nicht.

Mike Büs­kens: Und wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich in den Anzug rein­zu­quälen? So schlimm war das auch nicht. Wir hatten wenige Tage zuvor bei Erz­ge­birge Aue gespielt und ein Sky-Reporter sagte, dass Rico Schmitt und ich mit die letzten Trainer aus der Trai­nings­an­zug­frak­tion wären. Des­halb wollte ich dieses Denken im Fuß­ball­busi­ness auf die Schippe nehmen – und zeigen, dass man sich stets treu bleiben muss.

So eine Form von Ironie gibt es im Fuß­ball selten.

Mike Büs­kens: Die meisten können nicht mehr über sich selbst lachen. Das Geschäft ist so was von schnell­lebig, aber viele sind nur darauf bedacht, in der Außen­wahr­neh­mung positiv dazu­stehen. Da ist es zwangs­läufig so, dass einige ihre Per­sön­lich­keit ein­schränken.

Wie groß ist die Gefahr, dass es Ihnen ähn­lich geht?

Mike Büs­kens: Ich mache diesen Job sehr gerne, aber es darf nie­mals so sein, dass ich mit mir selbst nicht mehr im Reinen bin. Wenn ich das Gefühl habe, nur noch eine Rolle spielen zu müssen, höre ich auf. Denn das ist es nicht wert.

Inwie­weit machen Sie sich Gedanken über Ihr Auf­treten? Jürgen Klopp wurde vom HSV-Prä­si­dium angeb­lich abge­lehnt, weil er einen Drei­ta­ge­bart trägt. Pele Wol­litz ist über­zeugt, dass er nie ein Angebot von einem Spit­zen­klub bekommt, weil er seinen Mund nicht halten kann.

Mike Büs­kens: Andersrum. Ich kann für mich bestimmte Jobs aus­schließen, weil ich nie einen Verein über­nehmen würde, zu dem ich keine emo­tio­nale Bin­dung auf­bauen kann. Mein Auf­treten kann für bestimmte Jobs hin­der­lich sein, aber für manche auch för­der­lich. Ich muss so sein, wie ich bin. Wenn ich mich ver­stelle, ver­liere ich von meiner Qua­lität und kann keinen guten Job machen. Ich werde mich nie ver­än­dern, um Leuten zu ent­spre­chen.

Was heißt das kon­kret? Bei­spiel: FC Bayern. Ein Verein, der einer­seits eine sehr fami­liäre Seite hat, ande­rer­seits aber auch einen Trainer braucht, der das Welt­män­ni­sche aus­strahlt.

Mike Büs­kens: Ich denke, vom FC Bayern bin ich genauso weit ent­fernt wie vom Mond. Aber es wird auch einmal der Tag kommen, an dem ich im Anzug am Spiel­feld­rand stehe, was aber nichts mit einer Per­sön­lich­keits­ver­än­de­rung zu tun hat. Im Moment sehe ich mich aber dort noch nicht.

Sie hatten von meh­reren Pro­fi­klubs Ange­bote. Warum haben Sie sich für die SpVgg Greu­ther Fürth ent­schieden?

Mike Büs­kens: Rolf Rüss­mann sagte immer zu mir: Mike, der erste Schritt muss passen.“ Des­halb muss man nicht auf jeden fah­renden Zug auf­springen. Bei der SpVgg traf ich auf ein fami­liäres Umfeld mit sehr talen­tierten jungen Spie­lern. Es wird wahn­sinnig pro­fes­sio­nell gear­beitet und dabei solide gewirt­schaftet. Außerdem sind sie ein Risiko ein­ge­gangen, einen Nobody wie mich zu holen, der noch nie über einen län­geren Zeit­raum pro­fes­sio­nell unter Beweis gestellt hat, ob er eine Mann­schaft und ein­zelne Spieler ent­wi­ckeln kann. Fürth stand bei meiner Ver­pflich­tung auf Platz 15 und, es gab viele eta­blierte Trainer auf dem Markt. Hier kann ich mich per­fekt ent­wi­ckeln und die Zusam­men­ar­beit vom Prä­si­denten bis zum Platz­wart ist leis­tungs­ori­en­tiert und voller Ver­trauen und Respekt.

Den Ein­druck hatten Sie bei anderen Klubs nicht?

Mike Büs­kens: Jedes Gespräch hat mich wei­ter­ge­bracht, aber Ver­hand­lungen dieser Art waren für mich Neu­land.

Wie meinen Sie das?

Mike Büs­kens: Einmal wies ich darauf hin, dass ich mir das Angebot durch den Kopf gehen lassen wolle, aber noch Gespräche mit einem anderen Verein anstünden. Da sagte der Manager: Mit wem ver­han­delst du denn? Mit Rot-Weiss Essen oder dem Wup­per­taler SV?“ Da musste ich mir öfter auf die Zunge beißen, um nicht zu ant­worten: Junge, du wärst froh, wenn dein Klub in der Liga spielen würde, wo mein nächster Ver­hand­lungs­partner spielt.“ Ein anderer Manager war sehr offen und ehr­lich zu mir, ein wirk­lich gutes Gespräch. Am Ende sagte er, dass er nicht genau wisse, wie lange er und der amtie­rende Vor­stand noch beim Verein bleiben würden.

Ihre Reak­tion?

Mike Büs­kens: Mein lieber Herr, was soll ich als New­comer bei einem Klub, wenn ich nicht weiß, mit wem ich in vier Wochen zu tun habe?“

Warum haben Sie das Angebot des FC St. Pauli nicht ange­nommen? Sie als Nach­folger von Holger Sta­nis­lawski, das hätte doch gepasst.

Mike Büs­kens: Sie wissen doch gar nicht, ob es da Kon­takt gegeben hat.

Es wurde aber eifrig dar­über berichtet.

Mike Büs­kens: Unab­hängig von Klubs und Namen – ja, es gab Inter­esse von Ver­einen, bei denen Dritte viel­leicht behaupten, ich hätte dort mit meiner emo­tio­nalen Art und Weise Fuß­ball zu leben gut hin­ge­passt.

Aber …!

Mike Büs­kens: Ich habe immer gesagt, dass ich mich in Fürth sehr wohl fühle und ich den Weg, den wir in den letzten 18 Monaten ein­ge­schlagen haben, wei­ter­gehen möchte. Es gab jetzt in den Ver­hand­lungen im Früh­jahr eine Situa­tion, dass ich nach dem Angebot der SpVgg zwei Wochen Bedenk­zeit brauchte, um mich mit meiner Familie aus­zu­tau­schen. Und weil ich es ver­spro­chen hatte, habe ich mich nach zwei Wochen ent­schieden – und nicht rum­ge­eiert.

Das Angebot von St. Pauli kam also zu spät?

Mike Büskens:Dazu werden Sie von mir nichts hören. Wenn ich das bestä­tigen würde, wäre es unfair dem Kol­legen gegen­über, der den Job jetzt über­nommen hat.
Auf Schalke ver­zehrt man sich nach dem Meis­ter­titel. Der letzte wurde vor fünfzig Jahren gewonnen. In Fürth wurde die letzte Meis­ter­schaft 1929 gefeiert. Spüren Sie noch etwas von der großen Geschichte? Tra­di­tion spielt schon eine Rolle, aber es ist etwas anders, weil es sich letzt­lich um einen Fusi­ons­verein han­delt. Damit hat der Verein auch noch ein Stück weit zu kämpfen. Wir haben durch die Ver­ei­ni­gung (der SpVgg Fürth und des TSV Ves­ten­bergs­greuth 1996, d.Red.) die eine oder andere Fan­ge­nera­tion ver­loren. In Fürth ist es viel schwerer, Leute zu mobi­li­sieren. Wenn man auf Schalke irgendwas ankün­digt, lassen die Leute alles stehen und liegen und strömen dahin, ohne zu wissen, ob über­haupt ein Spiel statt­findet. In Fürth müssen wir um jeden ein­zelnen Fan hart kämpfen.

Nach der Inten­sität auf Schalke muss Fürth eine Fuß­ball­dia­spora für Sie sein.

Mike Büs­kens: Vieles erin­nert an meine Anfangs­zeit auf Schalke. An die eben­erdige, old-schoo­lige Geschäfts­stelle. Damals hatte alles noch einen sehr eigenen Charme, Schalke war ein fami­liärer Verein, der sich noch nicht zu einem Unter­nehmen ent­wi­ckelt hatte. Wir werden in Fürth wirt­schaft­lich nie bei den Großen mit­spielen, aber wir stehen für ein paar Werte, für die es zu kämpfen lohnt.

Können Sie das fami­liäre Flair näher beschreiben?

Mike Büs­kens: Vor meinem ersten Spiel Anfang 2010 lagen über 30 Zen­ti­meter Schnee auf den Tri­bünen und den Anfahrts­wegen. Da hat die ganze Geschäfts­stelle mit ange­packt, und wir haben knie­tief im Schnee gestanden und zusammen gefroren.

Und doch haben Sie Ihren Ver­trag nur um ein Jahr ver­län­gert, obwohl Ihnen das Prä­si­dium eine län­ger­fris­tige Beschäf­ti­gung ange­boten hat.

Mike Büs­kens: Ich wollte aber nur ein Jahr. Viel­leicht arbeite ich ja noch die nächsten Jahre hier und knacke am Ende den Rekord von Benno Möhl­mann. Aber viel­leicht kommt auch der Tag, an dem ich das Gefühl habe, zurück ins Revier zu wollen. Ich möchte näm­lich wei­terhin hautnah mit­er­leben, wie meine zwei Mädels groß werden und meiner Frau etwas davon zurück­geben, was sie mir an Unter­stüt­zung gegeben hat.

Sie wären 2005 nach einem Multi-Organ-Schock bei­nahe gestorben. Ist diese Art des Den­kens eine Folge dieser Erfah­rung?

Mike Büs­kens: Glaube ich nicht. Ich war immer ein sozial den­kender Mensch, der nicht nur auf sich schaut. Aber natür­lich hat mir 2005 noch mal die Augen geöffnet.
Was ist damals pas­siert? Wir spielten mit der U 23 von Schalke in der dritten Liga. In einem Vor­be­rei­tungs­spiel in Offen­bach ist mir dann die Patel­la­sehne gerissen und ich wurde auf­grund von Kom­pli­ka­tionen inner­halb eines Jahres sieben Mal ope­riert. Nach einer Ope­ra­tion kam es zu einer Sepsis und einem Multi-Organ-Schock. Man ver­setzte mich für eine Woche in ein künst­li­ches Koma, und ich kämpfte um mein Leben.

Ihrer Frau wurde mit­ge­teilt, dass Sie womög­lich nie mehr auf­wa­chen.

Mike Büs­kens: Es hieß, sie solle sich auf ein Leben als allein­er­zie­hende Mutter ein­stellen, meine Über­le­bens­chancen lagen bei fünf Pro­zent. Das war schon heftig, nicht für mich, ich habe nichts davon mit­be­kommen, aber für meine Familie.

Wollen Sie des­halb in der Lage sein, jeder­zeit die Segel zu strei­chen?

Mike Büs­kens: Ich habe mein Leben nicht kom­plett umge­stellt, aber glauben Sie mir, ich werde nie ver­gessen, wer mir aus dem Kicker“ vor­ge­lesen hat, als ich im Koma lag.

Ihre Frau hat Ihnen den Kicker“ im Kran­ken­haus vor­ge­lesen?

Mike Büs­kens: Ich glaube, das war das erste und letzte Mal, dass sie den Kicker“ gelesen hat. Es geht im Fuß­ball immer um Gewinnen und Ver­lieren, aber in dieser Zeit habe ich mit meiner Familie den wich­tigsten Sieg errungen. Des­halb würde ich eine beruf­liche Ent­schei­dung nie gegen meine Familie und allein für den Job treffen.

Danach muss Ihnen der gehypte Fuß­bal­lirr­sinn ziem­lich neben­säch­lich vor­ge­kommen sein.

Mike Büs­kens: Ich stehe ja auch für Emo­tion und Lei­den­schaft, wegen meiner Liebe zu diesem Spiel, und ich wünschte mir, wir könnten noch mehr Lei­den­schaft in Fürth wecken. Aber es gibt noch Dinge, die weit über dem Fuß­ball stehen.

Wo es fehlt an Action: bei den Fans, bei den Medien oder im Verein?

Mike Büs­kens: Erst einmal müssen wir ver­su­chen, eine grö­ßere Zahl an Zuschauern an den Verein zu binden. Wir arbeiten wirt­schaft­lich auf her­vor­ra­gendem Niveau und weitaus solider als viele Klubs in unserem unmit­tel­baren Umfeld. Der Prä­si­dent ist stets darauf bedacht, eine schwarze Null zu schreiben. Und wenn Sie sich anschauen, wie viele Spieler für die erste Liga in Fürth aus­ge­bildet wurden, ist das her­aus­ra­gend, zumal der Verein seit Jahren immer wieder oben mit­spielt. Aber manchmal würde ich mir wün­schen, dass der Franke etwas mehr aus sich her­aus­geht.

Wie geht das Enga­ge­ment in Fürth weiter? Wann hätten Sie das Gefühl, hier fertig zu sein?

Mike Büs­kens: Das kann ich nicht sagen. Ich bin ein Mensch, der aus dem Bauch heraus ent­scheidet. Wenn der Tag gekommen ist, erkläre ich Ihnen, warum ich gehe.
Ein Grund könnte sein, dass Schalke 04 Sie als Trainer haben will. Ihr Traumjob, oder? Natür­lich haben mich knapp 18 Jahre auf Schalke geprägt, aber auch For­tuna Düs­sel­dorf habe ich sehr viel zu ver­danken, dort durfte ich 1989 Profi werden. Schalke 04 ist aber mit Ralf Rang­nick sehr gut auf­ge­stellt. Ich denke, er wird den Verein wieder in ruhige Fahr­wasser führen und Erfolge feiern. Sollte er aber irgend­wann keine Lust mehr haben, die Ver­ant­wort­li­chen keinen anderen finden und ich gerade arbeitslos sein, weiß man nie, was pas­siert.

Sie sind sicher, dass Sie nach Schalke zurück­kehren?

Mike Büs­kens: Ich weiß, dass sich dieser Kreis eines Tages schließen wird, dafür hänge ich zu sehr an den Blauen. Aber in wel­cher Funk­tion es sein wird, weiß ich nicht: viel­leicht als Jugend­trainer, als Scout, als Coach der Tra­di­ti­ons­mann­schaft? Aber der Tag, an dem ich nach Hause zurück­kehre, wird kommen.