Seite 4: Eine Story, die ihn letztlich nur in die Bundesliga führen kann

Fürth ver­pflich­tete Keita aber nicht nur als Goal­getter oder Lauf­wunder. Unsere Hoff­nung war es, dass er die Bereit­schaft, an sich zu arbeiten, in die Mann­schaft hin­ein­trägt“, sagt Manager Rachid Azz­ouzi. Viele Spieler sind noch jung und teil­weise unbe­darft, für sie ist gerade der Ex-Knacki das Vor­bild.

Im Trai­ning muss ihn Trainer Damir Buric oft bremsen; und wenn es um pro­fes­sio­nelles Ver­halten bei Ernäh­rung, Pflege oder aus­rei­chend Schlaf geht, setzt Keita in Fürth sowieso die Stan­dards. Wenn ein junger Spieler sich nach dem Trai­ning eilig ver­drückt, ruft er ihm nach: Warum geht Cris­tiano Ronaldo trai­nieren und du nicht?“

Keita will ein Star sein

Doch ein bie­derer Mus­ter­schüler ist Keita nicht. Viele, die im Knast waren, machen sich danach klein, um nicht auf­zu­fallen. Keita nicht. Er will ein Star sein. Man merkt das beim Foto­gra­fieren. Nach jedem Bild bietet er der Kamera einen anderen Gesichts­aus­druck an, wie ein pro­fes­sio­nelles Model. Für das Street­wear­label des Rap­pers Farid Bang, mit dem er befreundet ist, hat er schon mehr­fach Modes­hoo­tings gemacht. Doch diese Extro­ver­tiert­heit ist nicht mehr unge­bremst. 

Den ehe­ma­ligen Straf­ge­fan­genen in Nürn­berg begegnet er aus­ge­spro­chen freund­lich, geduldig und auf­merksam. Aber Keita wahrt auch eine kaum merk­liche Distanz, selbst als er mit ihnen das Gemüse und die Zwie­beln fürs Mit­tag­essen klein­schneidet. Ich musste lernen, wen ich an mich ran­lasse und wen nicht“, sagt er auf dem Weg nach draußen.

Die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung kam aus mir selber.“

Das Gefängnis als Schule der Men­schen­kenntnis hat ihn vor allem gelehrt, erst mal auf Distanz zu bleiben. Oder auch für immer: Die Mit­glieder der Bande von damals hat er nie mehr gesehen und alle Kon­takt­auf­nahmen abge­wehrt.

Der Typ moti­viert wirk­lich“, sagt einer der Straf­ent­las­senen, der bei Keitas Besuch sogar ein Fürth-Trikot trägt. Aber was kann man aus der Geschichte dieses Come­backs lernen, die fast wie ein Mär­chen klingt? Viel­leicht auch das: Keita hatte das Glück, dass seine Familie weiter zu ihm hielt. Men­schen wie sein alter Coach unter­stützten ihn. Oder Colin Quaner, der heute bei Hud­ders­field Town in der Pre­mier League spielt und als ein­ziger Fuß­ball­spieler die ganze Zeit den Kon­takt hielt. Doch letzt­lich ist Keita davon über­zeugt, dass er es war, der sein Leben in einen Hol­ly­wood­film ver­wan­delt hat: Die Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung kam aus mir selber.“

Um träumen zu können muss man wach sein

Keita liebt Musik, vor allem Hiphop. Der Song, der ihm am meisten über sein Leben sagt, ist Hype“ von Jigzaw. Ich hab’ meinen Traum fest­ge­halten und gehofft, ich werde fliegen“, heißt es da. Keita fliegt jetzt, und nichts soll den Flug unter­bre­chen. Die Story wird jedes Jahr inter­es­santer“, schreibt er noch per WhatsApp.

Seine Story, letzt­lich kann sie nur in die Bun­des­liga führen. Es gibt nur eine Angst: die vor der Ver­let­zung. Keita ist 29 Jahre alt, die Zeit läuft uner­bitt­lich, und die ver­lo­renen Jahre kommen nicht zurück. Aber jetzt weiß er zumin­dest, dass man wach sein muss, um träumen zu können.