Lutz Pfan­nen­stiel, bei unserem bisher letzten Tele­fonat waren Sie gerade im bra­si­lia­ni­schen Urwald.
Das muss dann 2008 gewesen sein, als ich bei AC Her­mann Aichinger in Ibi­rama spielte. Seitdem hat sich einiges getan.

Damals hatten Sie gerade Ihr großes Ziel erreicht: Sie waren der erste Fuß­ball­profi, der in allen sechs Kon­ti­nen­tal­ver­bänden gespielt hat. Wir sind eini­ger­maßen über­rascht, dass ein Mann mit Ihrer Vita und Ihrem Wel­ten­bummler-Image ins Estab­lish­ment des deut­schen Fuß­balls auf­ge­nommen worden ist.
So über­ra­schend finde ich das gar nicht. Im End­ef­fekt ist es für den Job als Sport­vor­stand oder Manager doch nicht ent­schei­dend, ob man 50 Län­der­spiele und 300 Bun­des­li­ga­spiele in seinem Lebens­lauf stehen hat. Viel wich­tiger ist doch, dass man den inter­na­tio­nalen Trans­fer­markt lesen kann – und vor allem, dass man über gute Kon­takte ver­fügt. Netz­werke sind im Fuß­ball sehr, sehr wichtig, ins­be­son­dere auf inter­na­tio­naler Ebene.

Stich­wort Glo­ba­li­sie­rung…
Genau. Auch im Fuß­ball nimmt die Glo­ba­li­sie­rung immer mehr zu. Die ist hier in den letzten Jahren regel­recht durch die Decke gegangen. Bei meinen vielen Sta­tionen habe ich gelernt, mit den unter­schied­lichsten Men­schen und Men­ta­li­täten umzu­gehen. Das hilft mir, wenn ich mit einem afri­ka­ni­schen Spieler spreche oder mit einem bra­si­lia­ni­schen Berater ver­handle.

Sie haben bei über 20 Ver­einen auf der ganzen Welt gespielt und viel erlebt. Gab es etwas, das Ihr wei­teres Leben ganz beson­ders geprägt hat? Zum Bei­spiel der Gefäng­nis­auf­ent­halt in Sin­gapur? Sie saßen wegen eines angeb­li­chen Wett­be­trugs zu unrecht 101 Tage im Knast.
Ich weiß seitdem, was wirk­lich wichtig ist im Leben: Familie, meine Eltern, Spa­zie­ren­gehen, essen und trinken. Ganz ein­fache Dinge. Aber es gab so viele Ein­drücke und Begeg­nungen, die mich geprägt haben. Vor allem habe ich dabei viel im Umgang mit Men­schen gelernt.

Wie viele Kon­takte haben Sie in ihrem Handy gespei­chert?
Das weiß ich nicht, da müsste ich nach­schauen. Natür­lich sind es sehr viele – man kann gar nicht genug davon haben. Kon­takte muss man aber auch pflegen, das ist sehr wichtig. Es gibt Leute, die melden sich nur, wenn sie was brau­chen. Und sobald das erle­digt ist, tau­chen sie wieder ab. Kon­takt­pflege sieht natür­lich anders aus.

War es schon immer Ihr Lebens­plan, nach der aktiven Zeit Fuß­ball­ma­nager zu werden?
Ich habe anfangs als Trainer gear­beitet, unter anderem in Afrika. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Es gibt da so eine Gruppe von Trai­nern, die in Afrika hängen geblieben sind und die immer wieder neue Jobs annehmen – das ist ein biss­chen wie die Reise nach Jeru­salem“. Das wäre natür­lich eine Mög­lich­keit gewesen. Aber dann habe ich mich doch für einen anderen Weg ent­schieden, näm­lich Mann­schaften zu planen, Spieler zu ver­pflichten. Ich habe gemerkt, dass ich hier meine Fähig­keiten und mein Netz­werk sehr gut ein­setzen kann.

Und warum in Deutsch­land?
Das war eine Grund­satz­ent­schei­dung. 20 Jahre lang bin ich unter­wegs gewesen. Es ist dann der Punkt gekommen, an dem ich mir gesagt habe, jetzt will ich in Deutsch­land, in der Bun­des­liga arbeiten und mich hier eta­blieren. Ich hatte ja fast nie in Deutsch­land gespielt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich in Hof­fen­heim eine Chance bekommen habe. Dort war ich Scout und für die für inter­na­tio­nalen Bezie­hungen zuständig. Als dann die Anfrage von der For­tuna kam, hatte ich bei den Gesprä­chen schnell das Gefühl, dass das der richtig Schritt für mich ist.

Sie sind eine Art Glücks­bringer. Als Sie Mitte Dezember Ihren Ver­trag unter­schrieben, war die For­tuna Tabel­len­letzter. Jetzt liegt Düs­sel­dorf auf Rang zehn – mit 16 Punkten Vor­sprung auf den Rele­ga­ti­ons­platz.
Stimmt – hört sich ein biss­chen nach Talisman an. (Lacht.) Das Timing hat halt gepasst. Ich bin zu einem Zeit­punkt dazu gestoßen, als die Mann­schaft immer sta­biler geworden ist. Als Auf­steiger braucht es ein­fach ein biss­chen Zeit, bis man sich an die Geschwin­dig­keit und die Inten­sität in der Bun­des­liga gewöhnt hat. Man darf auch nicht ver­gessen, dass wir den geringsten Etat in der Liga haben – wir können keine großen Sprünge machen. Von daher ist es sen­sa­tio­nell, was die Mann­schaft in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat. Das Kol­lektiv funk­tio­niert her­vor­ra­gend. Und damit meine ich nicht nur die Mann­schaft, son­dern auch das Trai­ner­team und die Leute, die im Hin­ter­grund arbeiten – ein­fach alle.