Maik Franz, vor Kurzem haben Sie Ihre Kar­riere beendet. Was denken Sie, wie­viele Stürmer bun­des­weit erleich­tert auf­ge­atmet haben?
(lacht) Der ein oder andere wird sich bestimmt gefreut haben, dass der Idiot jetzt weg ist. Ich war 14 Jahre lang Profi, da waren einige harte Fights dabei.

Jetzt können Sie es ja sagen: Wie schlimm waren Sie denn wirk­lich?
Ich war schon grenz­wertig. Auf dem Platz hatte ich immer ein anderes Gesicht als im Pri­vaten. Im Spiel geht es um so viel, da muss man mit allen erlaubten Mit­teln ver­su­chen, seinen Gegner aus dem Kon­zept zu bringen. Und manchmal eben auch mit uner­laubten Mit­teln.

Bereuen Sie das?
Absolut nicht. Es gibt doch nichts Schlim­meres, als wenn sich der Gegner freut, wenn er gegen dich spielt, weil du so ein netter Kerl bist. Ich habe ver­sucht, immer an die Grenze zu gehen. Kör­per­lich, aber eben auch mit allem anderen. Trash Talk zum Bei­spiel.

Wie dürfen wir uns einen Mike-Franz-Trash-Talk vor­stellen?
Das dürften Sie wahr­schein­lich gar nicht abdru­cken. Haben Sie selber Fuß­ball gespielt?

Auf über­schau­barem Niveau.
Na gut, aber dann haben Sie in etwa eine Ahnung. Ob Bun­des­liga oder Bezirks­liga, was Beschimp­fungen und Trash Talk angeht, nimmt sich das nicht viel. Im Spiel machen das alle, und ich halte das auch für ein legi­times Mittel. Auch wenn das natür­lich Dinge sind, die man auf der Straße nie­mals sagen würde.

Sie haben zu Beginn ihrer Pro­fi­lauf­bahn fünf Jahre bei Wolfs­burg gespielt, das Image des Bad Boys kam aber erst beim Karls­ruher SC.
Bei Wolfs­burg hatte ich sogar ein ganz anderes Image. Ich bin 2001 mit 19 Jahren von Mag­de­burg nach Wolfs­burg gekommen und war dort erstmal das Nest­häk­chen. Der kleine Maik, der ab und zu einen Fehler machte und dem nie jemand böse sein konnte. Ich hätte noch fünf Jahre dort wei­ter­spielen können, ich wäre für immer der kleine Maik geblieben.

Aber Sie gingen nach Karls­ruhe. Warum?
Wolfs­burg war der per­fekte Verein, um in der Bun­des­liga Fuß zu fassen. Unter der Woche ist nach 22 Uhr kaum mehr auf der Straße und wenn Betriebs­fe­rien sind, ist die Stadt wie aus­ge­storben. Man kann sich kom­plett auf den Sport kon­zen­trieren. Nur wollte ich irgend­wann aus dieser Kom­fort­zone raus. Ich wollte nicht mehr der kleine Maik sein.

Sie gingen in die Zweite Liga. War das kein Rück­schritt?
Nein. Beim KSC kam ich in eine unglaub­lich gute Truppe. So wie man sich als Fuß­ball­ro­man­tiker eine Fuß­ball­mann­schaft vor­stellt: Wir ver­standen uns alle super, waren oft gemeinsam feiern und haben auf dem Trai­nings­platz und im Spiel für­ein­ander Gas gegeben. Direkt im ersten Jahr legten wir eine Rekord­saison hin und standen vom ersten bis zum letzten Spieltag auf einem Auf­stiegs­platz, obwohl uns vor der Saison nie­mand auf dem Zettel hatte. Außerdem hatte ich mit Ede Becker einen Trainer, der mir von Anfang an ganz deut­lich gesagt hat, dass er mich als Füh­rungs­spieler sieht. Dadurch bin ich als Spieler sehr gereift.