Seite 3: „Meine Freunde nennen mich übrigens nur „Weltmeister“.“

1992 ver­geigten Sie mit der Ein­tracht am letzten Spieltag die Meis­ter­schaft. Wie oft denken Sie noch an das Trauma von Ros­tock?
Oft. Aber die Meis­ter­schaft haben wir an den Spiel­tagen davor ver­loren. Am vor­letzten Spieltag kam Bremen zu uns, die waren noch betrunken von ihrem Sieg im Pokal­sieger-Cup unter der Woche und wollten im Anschluss mit uns feiern. Aber dann erlaubten wir uns einige Fouls, die Bremer hielten plötz­lich dagegen und wir spielten nur 2:2. In der letzten Minute trat mich Dieter Eilts im Straf­raum um, das war ein noch kla­rerer Elf­meter als eine Woche später in Ros­tock.

In Ros­tock kann man aber trotzdem mal gewinnen.
Ein großer Fehler war, dass wir uns schon drei Tage vor dem Spiel in einem Hotel nahe Ros­tock ein­quar­tierten. Das sollte den Team­geist stärken, aber wir gingen uns nur auf die Nerven. Und das Spiel ver­lief unglück­lich. Wir hatten zwei Pfos­ten­schüsse und den nicht gege­benen Elfer an Ralf Weber. Par­allel bekam Stutt­gart in Lever­kusen einen Elf­meter nach einem Foul außer­halb des Straf­raums. Es kam viel Pech zusammen. Aber im End­ef­fekt hatten wir es in der Hand. Und haben es los­ge­lassen.

Damit bleibt die Welt­meis­ter­schaft der ein­zige Titel in Ihrer Vita.
Das ist ja nicht der schlech­teste, oder? Meine Freunde nennen mich übri­gens nur Welt­meister“, gar nicht mehr Uwe.

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Stimmt es, dass Sie Andy Möller davon abhalten mussten, vor­zeitig von der WM nach Hause zu fahren?
Über­spitzt gesagt schon. Vor der WM wurde Andy als Top­star der Natio­nalelf gehan­delt. Beim Tur­nier war er dann aber nicht mal Stamm­spieler, was ihn sehr ent­täuschte. Wir teilten uns das Zimmer, da bekam ich das eine oder andere Tele­fonat in die Heimat mit, in dem er sagte, er würde sich ein­fach in den Flieger setzen und wieder nach Hause kommen. Das hat er natür­lich nicht so ernst gemeint, aber ich musste ihm trotzdem gut zureden.

Sind Sie mit dem Ver­lauf Ihrer WM zufrieden?
Ja, auch wenn es zwi­schen­drin einen Dämpfer gab. Ich hatte mich in den letzten Vor­be­rei­tungs­spielen in die Startelf gespielt und bestritt alle drei Grup­pen­spiele. Vor dem Ach­tel­fi­nale gegen die Nie­der­lande sagte Franz Becken­bauer zu mir, dass er einen kopf­ball­stär­keren Spieler im Mit­tel­feld auf­bieten wolle. Ich hoffte noch auf eine Ein­wechs­lung, aber als ich in die Kabine kam, lag mein Trikot nicht auf dem Platz. Ich musste auf die Tri­büne.

Wie reagierten Sie?
Ich war erst einmal sauer. Aber es war auch kein Drama, weil ich im Vier­tel­fi­nale wieder spielte. Leider zog ich mir gegen die Tsche­chen eine Ober­schen­kel­ver­här­tung zu. Franz fragte mich vor dem Halb­fi­nale, ob ich bei 100 Pro­zent sei, was ich ver­neinte. Damit verlor ich auch meinen Platz für das Finale. Das ist das Ein­zige, was mich im Nach­hinein ärgert. Denn im End­spiel, mit einem Mann mehr und schön viel Platz für meine Pässe, da hätte ich schon gerne noch ein paar Minuten gespielt.