Seite 2: „...hätte ich nicht Thorsten Legat umgegrätscht.“

Mit Thomas von Heesen bil­deten Sie fortan eines der besten Mit­tel­feld-Duos der Liga.
Das musste ich mir hart erkämpfen, in der Mann­schaft war ich immer noch nicht akzep­tiert. Bei einem Spiel in Bremen passte ich von Heesen auf der Kabi­nen­toi­lette ab. Ich legte ihm den Finger auf die Brust und fragte: Spielen wir jetzt end­lich mit­ein­ander oder immer noch gegen­ein­ander?“ Er war völlig ver­dat­tert, aber ab da lief es ganz gut.

Sie unter­treiben. Sie schossen 15 Sai­son­tore in jener Spiel­zeit.
Ich wäre auch Tor­schüt­zen­könig geworden – Roland Wohlfarth hatte letzt­lich nur zwei Tore mehr –, hätte ich nicht Thorsten Legat umge­grätscht und dafür sechs Spiele Sperre bekommen.

Sechs Spiele? Das muss ja eine pas­sable Grät­sche gewesen sein.
Wir lagen zurück, die Bochumer fingen an, uns zu ver­ar­schen, spielten sich den Ball hin und her, da sind mir die Siche­rungen durch­ge­brannt. Ich erwischte Legat mit beiden Beinen voraus, er hatte einen Bän­der­riss. Eine dumme Aktion. Am nächsten Tag rief ich Thorsten an und ent­schul­digte mich.

Mit dem Ham­burger SV wurden Sie Vierter – und gingen zu Ein­tracht Frank­furt, die gerade so die Klasse gehalten hatten. Warum?
Aus Trotz. Ich hatte erfahren, was Thomas von Heesen beim HSV ver­diente. Bei den Ver­trags­ver­hand­lungen sagte ich unserem dama­ligen Manager Erich Rib­beck: Ich unter­schreibe sofort einen neuen Ver­trag. Ich möchte nur das Gleiche ver­dienen wie Thomas von Heesen.“ Rib­beck sagte, das sei kein Pro­blem, nannte aber eine viel nied­ri­gere Zahl. Da bin ich auf­ge­standen und gegangen. Bei der Ein­tracht wollte Bernd Höl­zen­bein damals eine Mann­schaft mit gebür­tigen Hessen zusam­men­stellen. Also saß ich wenig später beim Rele­ga­ti­ons­spiel der Ein­tracht in Saar­brü­cken auf der Tri­büne und drückte die Daumen.

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Frank­furt blieb drin und wurde in wenigen Jahren zur Spit­zen­mann­schaft. Die Ansamm­lung an Stars war damals aber auch die größte Schwäche der Ein­tracht, oder?
Am Wochen­ende spielten wir die Gegner an die Wand, aber unter der Woche saßen wir in der Kabine auf einer Zeit­bombe. Ständig war Theater, der Kader zer­fiel in Grüpp­chen. Hinzu kam die Dop­pel­funk­tion von Klaus Gerster als Berater von Andy Möller und Manager der Ein­tracht. So ging es auch schnell ums Geld, was für Neid sorgte. Vor allem zwi­schen Uli Stein und Andy Möller war die Stim­mung schlecht.

Hätten Sie da als Füh­rungs­spieler nicht mal auf den Tisch hauen müssen?
Ich hatte zu den meisten ein nor­males Ver­hältnis. Nur einmal bin ich laut geworden. Wir spielten im Pokal gegen Wies­baden und führten zur Halb­zeit 2:0. Uli Stein tobte trotzdem, da habe ich ihm Paroli geboten: Stein, jetzt halt mal die Schnauze.“ Abends traf ich ihn in der Disko, da sagte er: Find ich gut, dass du heute mal was gesagt hast.“