Mario Gomez, in der Traumelf, die Sie auf Ihrer Home­page benennen, steht außer Jay-Jay Okocha kein Spieler aus der Bun­des­liga.

Das liegt wohl daran, dass ich mir bei der Zusam­men­stel­lung keine Gedanken gemacht habe, wer wo gespielt hat, son­dern ver­sucht habe, die Besten zu benennen.

Und die spielen offen­sicht­lich nicht in der Bun­des­liga.

Andere Ligen haben eben mehr Geld, des­halb spielen die besten Spieler fast zwangs­läufig woan­ders.

Aller­dings gehören auch Romario oder Mara­dona zu Ihrer Traumelf, die in Zeiten aktiv waren, als die Bedeu­tung der Bun­des­liga noch größer war.

Es sind die Helden meiner Kind­heit. Damals habe ich nur sehr wenig Fuß­ball im Fern­sehen gesehen, weil ich die meiste Zeit auf dem Bolz­platz ver­brachte. So wurde ich als Schwabe auch Fan von Ein­tracht Frank­furt.

Sie waren Ein­tracht-Fan?

Es hatte keine ratio­nalen Gründe. Mit sieben sah ich durch Zufall in der »Sport­schau« ein Spiel der großen Frank­furter Mann­schaft mit Bein, Yeboah und Binz. Jay-Jay Okocha spielte darin seinen Gegen­spieler aus, indem er den Ball mit der Hacke über seinen Kopf lupfte. Das wollte ich auch können.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie den Trick drauf hatten?

Ein paar Wochen bei uns im Garten, so schwer ist der auch wieder nicht. Aber um den Trick bei einem Bun­des­li­ga­spiel anzu­wenden, muss man schon ver­dammt gute Nerven haben. Des­halb gehört Okocha in meine Traumelf. 

Uwe Bin­de­wald hat es zumin­dest als Ersatz­spieler geschafft.

Wer Fan des Ein­tracht-Teams Anfang der Neun­ziger war, war zwangs­läufig Anhänger von Uwe Bin­de­wald. Wenn die anderen nach vorne rannten, um Tore zu machen, blieb er hinten und kloppte halt die Dinger raus. Das hat mir impo­niert.

Romario spielt in dieser Fan­tasie-Elf die Posi­tion, die Sie heute spielen. Ihr Idol?


Meine erste WM erlebte ich bewusst 1994 wäh­rend eines Urlaubs. Romario traf im Finale im Elf­me­ter­schießen und alle Kinder waren auf Seiten der Bra­si­lianer. In RoMario steckt mein Name mit drin, er war Stürmer, hat lau­fend Tore gemacht. Logisch, dass er mein Idol wurde.
Obwohl er eine gänz­lich andere Spiel­weise als Sie hatte. Auf so etwas achtet man als Kind nicht. Es gab auch andere Stürmer, die ich in dieser Zeit sehr ver­ehrt habe: Raúl, Rivaldo, Ronaldo.

Waren Sie damals schon wesent­lich talen­tierter als die anderen Kinder?

Keine Ahnung, aber seit ich denken kann, habe ich mehr Tore gemacht als andere. Wer die meisten Tore macht, steht zwangs­läufig im Mit­tel­punkt.

Sie spielen mit viel Kör­per­ein­satz. Kein Wunder, bei 1,89 Meter Größe.

Ich war schon immer recht groß. Des­halb hatte ich auch am Anfang meiner Pro­fi­zeit Pro­bleme mit dem Kopf­ball­spiel.

Klingt paradox.

Natür­lich habe ich auch als Jugend­spieler Kopf­ball­tore erzielt. Wie gesagt, ich war viel größer als die meisten Abwehr­spieler und brauchte nur ein­zu­ni­cken, wenn der Ball kam. So kam es, dass es mir in den ersten drei Jahren als Profi gehörig an Sprung­timing fehlte, weil ich nie gezwungen war, beim Kopf­ball richtig hoch­zu­springen.

Haben gute Stürmer das Voll­stre­cken in den Genen?

Zumin­dest war ich schon immer sehr ziel­strebig. Auch in der Schule wollte ich stets der Beste sein.

Aber Talent allein hilft einem in der Schule nicht weiter.

Mag sein, aber es fiel mir relativ leicht zu lernen. Wenn sich andere die Dinge dreimal durch­lesen mussten, um sie zu begreifen, reichte bei mir oft einmal. Obwohl ich die meiste Zeit auf dem Bolz­platz ver­bracht habe, war ich ver­hält­nis­mäßig gut in der Schule.

Jay-Jay Okocha ist es gelungen, Fuß­ball stets wie ein Spiel aus­sehen zu lassen. Inwie­weit begreifen Sie das Kicken noch als Spiel?

Ohne dieses Gefühl geht es nicht. Natür­lich weiß ich, dass es um viel geht. Aber ich sehe zu, dass nega­tive Impulse, die von Miss­erfolgen aus­gehen, nie auf mein Pri­vat­leben über­greifen.

Heißt das, Sie sind anders als andere Stürmer immun gegen Lade­hem­mung?


Natür­lich war die EM eine schwie­rige Zeit für mich, auch die Zeit im Anschluss. Ich kannte das Gefühl noch nicht, nach drei Vor­run­den­spielen plötz­lich nur noch zweite Wahl zu sein. Trotz einiger Frust­mo­mente bin ich mir aber sicher, dass sich das nicht auf mein Pri­vat­leben aus­ge­wirkt hat.

Wie kom­pen­siert ein Stürmer den Miss­erfolg bei seinem ersten großen Tur­nier?

Indem man die Situa­tion sach­lich ana­ly­siert. Ich habe vor der EM 22 Jahre lang fast immer alles getroffen, und nun habe ich in Öster­reich und der Schweiz in vier Spielen mal nicht getroffen. So was kommt vor – und pas­siert bestimmt auch noch mal.

Haben Sie sich bei der EM zu sehr unter Druck gesetzt?


Wahr­schein­lich. Auch ich habe mich mehr­fach gefragt, warum der Ball von Miro Klose im Spiel gegen Polen nicht einen Mil­li­meter näher bei mir war. Aber solche Gedanken ziehen einen nur runter, also habe ich auf­ge­hört, dar­über nach­zu­denken.

Sehen Sie sich ver­ge­bene Groß­chancen wie die im EM-Spiel gegen Öster­reich im Nach­hinein noch mal an?

Damit habe ich kein Pro­blem – und ich kann Ihnen schon jetzt pro­phe­zeien: Dass ich vier Spiele in Folge nicht treffe oder große Chancen ver­gebe, wird mir in meiner Kar­riere bestimmt noch öfter pas­sieren. Aber da kann ich nur einen berühmten Tor­hüter zitieren: »Es muss immer weiter gehen.« Und es geht immer weiter im Fuß­ball.

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