Mit sieben Jahren haben Sie bei Helios Mün­chen ange­fangen, Fuß­ball zu spielen. Wer ist über­haupt auf die Idee gekommen, Sie in einen Fuß­ball­verein zu ste­cken?

Ich stand schon damals immer unter Strom, war nie ruhig zu kriegen daheim. Mein Vater hat gemeint, irgend­etwas müssen wir mit dem Kleinen machen. Er hat sich sehr für Fuß­ball inter­es­siert und mich dann bei Helios Mün­chen ange­meldet. Dort habe ich ange­fangen Sport zu treiben, ohne Hin­ter­ge­danken.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie besser sind als die Anderen?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich ein gutes Gefühl habe mit dem Ball. Es hat mir immer mehr Spaß gemacht, und schon mit neun Jahren habe ich mich nur noch auf Fuß­ball fixiert.

Wie kam es dann, dass Sie in die Jugend von Bayern Mün­chen gewech­selt sind?

Die Scouts haben mich damals bei Helios in der E‑Jugend gesichtet und mich zum Trai­ning ein­ge­laden. Und nach diesem Trai­ning haben sie gesagt, sie würden sich freuen, wenn ich für Bayern spielen würde. Ab acht Jahren habe ich dann bei Bayern die ganze Jugend durch­ge­spielt.

War es zu Hause Thema, dass der Sohn zum großen FC Bayern geht?

Mit acht, neun Jahren? Nein, über­haupt nicht. Es war damals schon ein Top­verein, aber meine Eltern hatten nie den Hin­ter­ge­danken, dass ihr Sohn jetzt Pro­fi­spieler wird. Das konnte man in dem Alter noch nicht absehen.

Und was hat es Ihnen, als kleinen Jungen, bedeutet, das Trikot der Bayern zu tragen?

Das war ein schönes Gefühl. Wir sind viel gereist und haben gegen andere Jugend­mann­schaften von großen Ver­einen gespielt. Ich hatte Kon­takt zu vielen ver­schie­denen Kul­turen, das hat großen Spaß gemacht. Außerdem habe ich gelernt, mich richtig zu benehmen. Denn bereits als Jugend­spieler hat man bei Bayern den Anderen gegen­über eine Vor­bild­funk­tion.

Stimmt es eigent­lich, dass Sie als Jugend­spieler in einer Saison 430 Tore geschossen haben und bis heute diesen Rekord bei Bayern Mün­chen halten?

Ja, das stimmt. Es waren unge­fähr 400 Stück in einer D‑Ju­gend-Saison. Da habe ich oft 10, 12 Tore in einem Spiel gemacht.

Wie haben Sie den Fuß­ball mit der Schule unter einen Hut bekommen?

Die Schule hat damals sehr unter dem Fuß­ball gelitten. Ich habe schon ziem­lich früh für die Junioren-Natio­nal­mann­schaft gespielt und war sehr viel auf Reisen. Mit 13, 14 Jahren wusste ich dann, dass mein Weg in den Pro­fi­fuß­ball führen wird. Ich wurde immer häu­figer vom Unter­richt befreit, und meine Leis­tungen in der Schule wurden immer schlechter.

Sie hatten Ihren Weg also sehr früh vor Augen?

Mit 13 Jahren habe ich einen Vor­ver­trag bei Bayern Mün­chen unter­schrieben. Mit 16 Jahren durfte ich unter Tra­pat­toni das erste Mal mit den Profis trai­nieren. Wenn man da schon mal schnup­pern darf, dann lässt Du nicht mehr los.

In dieser dama­ligen Tra­pat­toni-Mann­schaft waren noch Spieler wie Lothar Mat­thäus oder Jürgen Klins­mann…

Mat­thäus war immer einer, der mich gemocht und mir sehr geholfen hat. In Glad­bach hat er den Sprung zu den Profis ja ähn­lich schnell geschafft. Er hat mir oft unter die Arme gegriffen und wollte mir immer zeigen, wie ich mich ver­halten muss.

Mit 17 Jahren haben Sie Ihren ersten Profi-Ver­trag unter­schrieben.

Ich saß mit meinem Vater im Büro von Uli Hoeneß. Er hat uns den Ver­trag hin­ge­legt, und ich habe keine Sekunde gezö­gert. In meinem Alter war es für mich eine Ehre von so einem Verein wie Bayern Mün­chen ein Angebot zu bekommen. Das war immer mein Ziel gewesen. Ich habe sofort unter­schrieben.

Was hat diese Unter­schrift für Ihre schu­li­sche Lauf­bahn bedeutet?

Ich wusste, dass ich nun jeden Tag trai­nieren muss und habe die Schule beendet. Es war natür­lich ein Risiko, irgend­wann einmal ohne Abschluss dazu­stehen, doch bisher ist es ja gut gegangen.

Franz Becken­bauer bezeich­nete Sie damals als das größte Talent seit Jahren“. Uli Hoeneß wollte Sie nie wieder her­geben. Wie haben Sie sich gefühlt als unver­käuf­li­cher FC Bayern-Spieler?

Wenn ein Mann wie Hoeneß so etwas sagt, ist das natür­lich eine große Ehre. Er ist ist einer der Top-Manager in Europa. Leider musste ich die Leute ent­täu­schen, die so große Stücke auf mich gehalten haben. Schade, dass ich das nicht umsetzen konnte, das kann ich nur immer wieder sagen.

Für einen sehr jungen Men­schen hatten Sie eine sehr große Zukunft vor sich. Wer durfte Ihnen denn jetzt noch etwas vor­schreiben?

Leider Gottes habe ich in dieser Zeit auf nie­manden hören wollen. Ich habe mir nichts gefallen lassen. Es ist ein großes Pro­blem gewesen, dass ich zu unge­duldig war, zu impulsiv. Mir ist der Erfolg zu Kopf gestiegen. Hätte mich jemand wirk­lich bei der Hand genommen und mich geschüt­telt, ich solle meinen Lebens­stan­dard ändern und ruhig wei­ter­ar­beiten, dann hätte ich es viel­leicht geschafft. So musste ich den schwie­ri­geren Weg gehen.

Am 30. Sep­tember 1998 haben Sie im Cham­pions-League-Heim­spiel gegen Man­chester United als 17-Jäh­riger dann end­lich Ihr Pro­fi­debüt geben dürfen. Für wen sind Sie damals ins Spiel gekommen?

Das ist eine gute Frage. Ich habe mir das doch letz­tens erst wieder ange­schaut. Bitte sag‚ es mir nicht. (über­legt) Du weißt es wahr­schein­lich.

Nein, tut mir leid, ich weiß es auch nicht.

Du weißt es auch nicht? (über­legt weiter) Ich möchte jetzt nichts Fal­sches sagen. Ich glaube, für Ali Daei oder Sali­ha­midzic.

Wissen Sie denn noch, was Ihnen Hitz­feld kurz vor Ihrer Ein­wechs­lung gesagt hat?

Nein, ich war wie in Trance. Ich wollte nur noch aufs Spiel­feld und dass es end­lich mal los­geht für mich.

Was haben Sie nach dem Spiel gemacht?

Ich bin mit der U‑Bahn nach Hause gefahren.

Schießen Ihnen manchmal noch Erin­ne­rungen aus diesem Spiel in den Kopf?

Dieser Schuss mit links, der knapp rechts am Tor vorbei ging. Manchmal denke ich: Geht der rein, wäre viel­leicht alles anders gekommen. Dann hätte es viel­leicht jemanden gegeben, der mir wirk­lich auf den Kopf gehauen hätte, Junge, jetzt bleib mal auf dem Tep­pich, geh deinen Weg, aber kon­stant, ganz ruhig, einen Schritt nach dem anderen. Aber im Nach­hinein weiß man immer alles besser.

Vier Tage später, am 4. Oktober 1998, haben Sie schließ­lich gegen Borussia Dort­mund auch Ihr erstes Bun­des­li­ga­spiel bestritten. In der Presse wurden damals einige Lobes­hymnen auf Sie gesungen, u.a. von Hitz­feld und Becken­bauer. Was haben die beiden in dieser Zeit zu Ihnen per­sön­lich gesagt?

Was man zu einem jungen Spieler wohl sagt, wenn er plötz­lich Auf­merk­sam­keit erregt. Ich solle auf dem Tep­pich bleiben, nicht so viel auf die Medien geben, einen Schritt nach dem anderen machen. Aber diese Rat­schläge habe ich nicht ernst genug genommen.

Was hat Sie in dieser Zeit außer Fuß­ball noch inter­es­siert?

Außer Fuß­ball hat mich meine ehe­ma­lige Freundin inter­es­siert. Und das ist auch der Grund gewesen, warum ich mich nicht mehr auf das Wesent­liche, den Fuß­ball, kon­zen­trieren konnte. Ich habe mich mit anderen Pro­blemen beschäf­tigt, auch mit meiner Familie. Das hat sich natür­lich auf meine Leis­tungen aus­ge­wirkt, und ich bin immer schlechter geworden.

In den fol­genden vier Bun­des­li­ga­spielen nach Ihrem Debüt wurden nur noch Ihre Sturm­kon­kur­renten Zickler, Jancker und sogar Bugera ein­ge­wech­selt. Sie spielten in den Über­le­gungen von Ottmar Hitz­feld plötz­lich keine Rolle mehr. Warum nur?

Ich weiss es nicht. Ich habe dafür keine Erklä­rung. Es wäre für mich aber ver­mut­lich besser gewesen, wenn mir die Ver­ant­wort­li­chen aus dem Verein mehr ein­ge­bläut hätten, was nun der nächste rich­tige Schritt für mich sei. Ich wollte alles sofort errei­chen. Ich habe damals gedacht, ich gehe besser nach Glad­bach und schieße dort 10 Tore – und keiner hat mir Steine in den Weg gelegt. Ich würde mir wün­schen, sie hätten gesagt, geh‚ nicht nach Glad­bach, bleib hier, wir bauen dich kon­ti­nu­ier­lich auf. Das ist der Punkt, wo ich sage, der FC Bayern hätte mir helfen können.

Wirk­lich nie­mand von Bayern hat Ihren Wechsel ver­hin­dern wollen?

Nein, nie­mand hat etwas dazu gesagt, sie haben mich gehen lassen. Das finde ich schade. Gewisse Leute haben immer gemeint, ich sei das Rie­sen­ta­lent. Aber dieses Rie­sen­ta­lent lässt man doch nicht ein­fach so ziehen. Das macht mich heute noch traurig.

Wie kam schließ­lich der Kon­takt zu Glad­bach zustande?

Rainer Bonhof wollte mich haben, und kurz vor der Win­ter­pause hat mich der Manager ange­spro­chen, ob ich mir vor­stellen könnte, nach Glad­bach zu kommen. Es wäre gut für meine Ent­wick­lung, einen anderen Verein kennen zu lernen, ich könnte Spiel­praxis sam­meln. Jetzt weiß ich, ich hätte bei Bayern bleiben müssen und mich so wie Har­greaves oder Schwein­s­teiger über die Ama­teure emp­fehlen sollen.

In Ihrem ersten Spiel für Glad­bach wurden Sie gegen Lau­tern ein­ge­wech­selt, im zweiten Spiel gegen Frank­furt aus­ge­wech­selt, haben dann zweimal gar nicht gespielt und hatten gegen Stutt­gart und Nürn­berg zwei Kurz­ein­sätze. Es folgten vier Spiele Pause, dann gegen Ros­tock Ihr letztes Spiel für Glad­bach. Das war‘s…

Die Chancen, die ich in Glad­bach am Anfang bekommen habe, konnte ich nicht nutzen. Ich habe schnell gemerkt, dass Glad­bach genau das Gegen­teil von Bayern ist – von dem Verein her, von dem Niveau, von allem Drum und Dran. Ich kam da hin als 17-jäh­riges Super­ta­lent und wollte spielen. Doch die Anderen haben natür­lich auch mit allen Mit­teln ver­sucht, in die erste Elf zu kommen. Ich habe zu spüren bekommen, wie krass der Kon­kur­renz­kampf ist. Dann war Abstiegs­kampf, Bonhof wurde von den Medien unter Druck gesetzt. So hat natür­lich ein Toni Polster den Vorzug im Sturm erhalten.

Anstatt in dieser Spiel­zeit mit Bayern Mün­chen Erster zu werden, sind Sie mit Borussia Mön­chen­glad­bach Letzter geworden. Wie haben Sie sich am 34. Spieltag gefühlt?

Es hat mir natür­lich sehr leid getan, dass wir abge­stiegen sind. In dem halben Jahr habe ich gemerkt, was wir für super Fans hatten. Das alte Sta­dion am Bökel­berg war zu jedem Spiel voll, auch wenn wir unten drin standen. Das war alles sehr traurig für den Verein und für die Fans.

Nach der Rück­runde in Glad­bach sind Sie gleich weiter nach Bie­le­feld gezogen. Warum kam ein wei­teres Aus­leih­ge­schäft zustande?


Frag mich nicht, im Nach­hinein ist man immer schlauer. Das war auch wieder so ein Fehler in meiner Ver­gan­gen­heit.

In Bie­le­feld kam es wieder nicht zum Durch­bruch. Zur Saison 2000/2001 sind Sie zurück nach Mün­chen gegangen. Was war aus dem unver­käuf­li­chen“ (Hoeneß), größten Talent seit Jahren“ (Becken­bauer) geworden?

Ich kam mir damals bei den Bayern vor wie das fünfte Rad am Wagen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich bei den Profis keine Rolle mehr spiele. Natür­lich auch, weil ich mich bei den zwei Sta­tionen nicht durch­beißen konnte. Ich musste bei den Ama­teuren spielen. Das war schon eine sehr bit­tere Erfah­rung für mich.

Laut Ihrer Bio­grafie sind Sie trotzdem Deut­scher Meister, DFB-Pokal­sieger, Cham­pions League-Sieger und Welt­po­kal­sieger mit den Bayern geworden. Fühlen Sie sich für diese Erfolge mit­ver­ant­wort­lich?


Nein, über­haupt nicht. Ich habe dazu keinen Teil bei­getragen.

In der darauf fol­genden Saison sind Sie in die Türkei zu Gala­ta­saray Istanbul gewech­selt. Ein großer Verein für einen Ama­teur­spieler, oder?

Ich habe zu der Zeit in der tür­ki­schen Natio­nal­mann­schaft gespielt und dort auch meine Leis­tungen gebracht. Dadurch war ich natür­lich immer attraktiv für tür­ki­sche Ver­eine.

Wie wurden Sie in Istanbul emp­fangen?

Das war Wahn­sinn! Bei der Ver­trags­un­ter­schrift waren zwanzig Kameras und etliche Jour­na­listen, das habe ich noch nie erlebt. In der Türkei ist Fuß­ball das High­light Nummer eins. Es gibt nichts Schö­neres für die Men­schen. Wenn Du auf die Straße gehst, erkennen Dich die Leute sofort, laden dich zum Essen ein, zum Tee trinken ein. Das war eine Zeit, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

In Ihrem ersten Jahr in der Süper Lig sind Sie zu vielen Ein­sätzen gekommen und mit Gala­ta­saray tür­ki­scher Meister geworden. In Ihrem zweiten Jahr ging es für Sie schon wieder abwärts.

In meinem zweiten und dritten Jahr habe ich bei Gala­ta­saray nur noch wenig gespielt. Ich bin dann zu Bes­iktas gewech­selt. Dort wurde der Trainer ent­lassen, der mich geholt hatte. In dem zweiten halben Jahr habe ich dort keine große Rolle mehr gespielt. Ich wurde nur noch spo­ra­disch ein­ge­wech­selt. Das hat mich psy­chisch fertig gemacht. Ich dachte, Junge, Du spielst nie wieder, Du bist ein Ein­wech­sel­spieler. Mit jedem Schritt bin ich dem Boden näher gekommen.

2005 sind Sie schließ­lich zurück in die Bun­des­liga gewech­selt. Doch auch in Kai­sers­lau­tern sollten Sie Pech mit einer Trai­ner­ent­las­sung haben.

Michael Henke hatte mich damals zurück nach Deutsch­land geholt. Ich kannte ihn schon als Co-Trainer von Hitz­feld aus meiner Zeit bei den Bayern. Ich habe sehr viel mit ihm geredet, und er hat auf mich gebaut. Dann musste er plötz­lich gehen, und es kam ein neuer Trainer (Wolf­gang Wolf, Anm der Red.). Ich war schon wieder auf dem Abstell­gleis.

Wie fühlt man sich als Spieler, wenn man von einem neuen Trainer nicht berück­sich­tigt wird?

Mein ein­ziger Rück­halt in dieser Zeit war meine Familie. Sie hat mich immer moti­viert und mich auf den Beinen gehalten. Im April habe ich dann meinen Ver­trag auf­ge­löst, meine Sachen gepackt und bin zurück nach Mün­chen.

Und was haben Sie in Mün­chen gemacht?

Ich habe mich fit gehalten. Ich wollte in Deutsch­land bleiben und habe mich ver­schie­denen Ver­einen ange­boten. Doch ich habe schnell gemerkt, Junge, jetzt wird‚s schwierig, keiner will Dich. Kein Verein will Dich, weil Du ein schlechtes Image hast, weil Du die letzten Jahre nicht gespielt hast. Ich habe es richtig zu spüren bekommen.

Wie hält sich ein ver­eins­loser Fuß­ball­spieler fit?

Auf dem Kunst­ra­sen­platz meines ersten Ver­eins habe ich meinen Bruder ins Tor gestellt und trai­niert. Wir haben auch öfters im Eng­li­schen Garten mit anderen Multi-Kultis gekickt. Ich habe alles gemacht in dieser Zeit: Fuß­ball gespielt, Fahrrad gefahren, Schwimmen gegangen, Joggen gegangen. Ich musste mich ja fit halten. Aber natür­lich war es nicht das Gleiche wie Mann­schafts­trai­ning. Irgend­wann wurde ich zu einem Pro­be­trai­ning bei den Ama­teuren von 1860 Mün­chen ein­ge­laden.

Waren Sie nervös vor diesem Trai­ning?

Nein, warum sollte ich noch nervös gewesen sein? Wenn man auf dem Null­punkt ist, kennt man keine Ner­vo­sität mehr, da ist alles egal. Im Gegen­teil, man sieht das Leben und die Situa­tion ganz anders. Ich war glück­lich über die Mög­lich­keit, die ich von 1860 bekommen habe.

Sie waren mitt­ler­weile 25 Jahre alt. 1860 Mün­chen sollte end­lich der erste Verein sein, bei dem Sie sich durch­setzen konnten.

Ich hatte end­lich einmal das Glück im Leben, dass ich in Mün­chen einen Trainer erwischt habe, der auf mich gesetzt hat, der richtig mit mir umzu­gehen wusste und der auch lange mit mir arbeiten konnte. Davor wurden Henke ent­lassen, Lucescu ent­lassen, Terim ent­lassen. Ich habe immer viel Pech gehabt mit meinen Trai­nern. In Mün­chen habe ich dann unter Marco Kurz bei den Ama­teuren spielen dürfen. Ich hatte lange Zeit nicht gespielt und wir beide wussten, dass ich von meiner Top­form noch ein ganzes Stück ent­fernt war, auch vom Kopf her. Er hatte ein Händ­chen für mich und wusste ganz genau, wie er mich zu meiner alten Stärke zurück bringen kann. Und mein ganz großes Glück war, dass Marco schließ­lich Pro­fi­trainer geworden ist.

Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass Sie sich end­lich auf dem rich­tigen Weg befinden?

Anfangs fragst du dich schon, was tust du dir an? Du hast bei so vielen großen Ver­einen gespielt, und jetzt kickst Du mit 18, 19-jäh­rigen, die gerade aus der A‑Jugend kommen und nicht einmal wissen, wer Du bist? Aber die Jungs haben mich sehr gut auf­ge­nommen, das muss ich ehr­lich sagen. Ich habe in dieser Zeit viel Spaß gehabt und viel gelernt. Nach jedem guten Spiel, nach jedem Treffer kam mein altes Selbst­ver­trauen weiter zurück.

Wie viel Angst hatten Sie den­noch, dass Sie es auch bei den Löwen nicht schaffen?

Ich habe meine Fehler von früher nicht wie­der­holt. Ich war wieder erfolg­reich, doch ich bin diesmal auf dem Tep­pich geblieben. Ich habe einen Schritt nach dem anderen gemacht. Ich habe auf die rich­tigen Leute gehört. Ich habe eine tolle Freundin, die mich ergänzt. Ich habe mich wei­ter­ent­wi­ckelt. Das sind alles Sachen, die mich nach vorne pushen und die ich in der Ver­gan­gen­heit nicht hatte.

Nach einem kurzen Gast­spiel bei den Ama­teuren sind Sie sehr schnell bei den Profis gelandet. In 22 Zweit­li­ga­spielen haben Sie für die Löwen aktuell 14 Tore erzielt. Haben Sie end­lich das Gefühl, als Pro­fi­fuß­baller ange­kommen zu sein?

In der zweiten Liga bin ich auf jeden Fall ange­kommen. Aber ich bin noch nicht da ange­kommen, wo ich ankommen will.

Wo wollen Sie ankommen?


Ich möchte das errei­chen, was ich schon immer errei­chen wollte. Und zwar, auf einem guten Niveau zu spielen.

Was sind die wei­teren Ziele Ihrer Pro­fi­lauf­bahn?

Für jeden Fuß­baller muss das Ziel sein, erst­klassig zu spielen. Das ist bei mir genau so. Ich möchte meine Leis­tung weiter bestä­tigen und Schritt für Schritt ver­su­chen, so weit zu kommen, wie es geht.

Sie haben ihre Lek­tionen anschei­nend gelernt. Glauben Sie, auch die Ver­ant­wort­li­chen des FC Bayern haben aus den Feh­lern mit Ihnen gelernt? Ein Toni Kroos tritt bei Franz Becken­bauer ja gerade Ihre Nach­folge an, als das Rie­sen­ta­lent hoch­ge­ju­belt zu werden.

Es war den Bayern damals eine Lehre mit mir. Das wird ihnen kein zweites Mal pas­sieren. Der Junge wird seinen Weg dort gehen. Ich habe ihn ein, zwei mal gesehen, und er ist wirk­lich ein sehr, sehr guter Fuß­baller. Links, rechts, gutes Auge, reiner Zehner, guter Spiel­ma­cher. Ich kenne ihn leider nicht per­sön­lich, aber ich denke, er wird vom Kopf her anders ticken als ich. Ich war ein Chaot.

Fühlen Sie sich von den Bayern eigent­lich ein stück­weit ver­arscht?

Nein, im Gegen­teil, ich bin ihnen dankbar. Sie haben mir den Weg geebnet und mir sehr viele Dinge ermög­licht. Ich bin eigent­lich ganz froh über diese Erfah­rung.

Aber es hätte doch ganz anders laufen können?

Ich trage die Schuld daran. Ganz allein ich.