Daniel Baier, die Foot­baller der San Fran­cisco 49ers stehen am Sonntag im Super Bowl gegen die Bal­ti­more Ravens. Sie sind beken­nender Foot­ball-Fan. Sind Sie mit dieser Lei­den­schaft alleine in der Bun­des­liga?
Ich habe mich schon immer für US-Sport inter­es­siert. NBA, NFL, die ganze Show drum herum, das schaue ich mir ein­fach gerne an. Zusammen mit Marcel Schäfer und Chris­tian Gentner haben wir dann in Wolfs­burg unser Inter­esse inten­si­viert. Wir haben uns über Sta­tis­tiken aus­ge­tauscht und abends zusammen Spiele geguckt. Das machen wir bis heute. Wenn Foot­ball läuft, schaut jeder allein zuhause und wir fach­sim­peln ein biss­chen per SMS oder im Chat. Das macht richtig Spaß.

Wie wurden Sie 49ers-Fan?
Meine Tante lebt in den USA und einmal hat sie mir zum Geburtstag eine Jacke der 49ers geschenkt. Das war mein erster Bezug zum Foot­ball.

Die dicken Dau­nen­ja­cken von der Marke Starter sind heute fast aus­ge­storben…
Aber damals war es das Coolste, damit rum­zu­laufen. Es war die Zeit von Jerry Rice und Steve Young, die großen Jahre des Klubs also. Ich war der König des Schul­hofs und von da an natür­lich 49ers-Fan.

Das hat bis heute gehalten.
Das ist wie im Fuß­ball: einmal Fan, immer Fan. Ich war auch mit Marcel und Chris­tian einige Male in den USA, zum Bei­spiel in Miami oder in Los Angeles. Dort haben wir NBA-Spiele besucht, waren sogar beim Base­ball. Nur an Karten für die NFL sind wir nicht gekommen. Also haben wir alles im Fern­sehen ange­schaut, was es gab.

Für wen halten die Kol­legen die Daumen.
Marcel ist Fan der New York Giants. Der ist richtig ver­rückt und hat vom Trai­nings­anzug bis zu den Haus­schuhen alles von den Giants. Chris­tian ist für die New York Jets. Aber er ist da wie ich etwas gemä­ßigter.

Und wie wird Ihr Super-Bowl-Abend aus­sehen? Haben Sie den Nacho-Hut schon geor­dert?
Im ver­gan­genen Jahr standen die Giants im Finale und Marcel hat mit seiner Familie eine rich­tige Party gegeben. Er hat mir Bilder gezeigt und ich muss sagen: Da hat es an nichts gefehlt. Ich bin da nicht so ver­rückt und werde mir das Spiel ganz relaxt zuhause ansehen.

Aber wenigs­tens im 49ers-Pyjama.
Nein, ich habe kaum Mer­chan­dise. Mir bleibt nur die Erin­ne­rung an meine alte Jacke. Aber das reicht ja auch.

Aber Sie rasten trotzdem aus, wenn Frank Busch­mann den ersten Touch­down ver­kündet?
Ich gucke das Spiel natür­lich im Ori­ginal auf ESPN. Das gehört für mich ein­fach dazu. Aber so oder so wird es wohl ein langer Abend werden, allein schon wegen der ganzen Wer­bung zwi­schen­durch. Glück­li­cher­weise haben wir meis­tens mon­tags trai­nings­frei. Das würde mir auf jeden Fall sehr gut passen.

Wenn man sich die Bericht­erstat­tung zum Super Bowl ansieht, hat man das Gefühl, dass es mitt­ler­weile mehr um das Drum­herum geht als um den Sport.
Die ganz große Show gehört in Ame­rika immer dazu. Das finde ich total fas­zi­nie­rend. Und dass sich jetzt zwei Brüder als Chef­trainer gegen­über­stehen (John Harbaugh trai­niert Bal­ti­more, sein Bruder Jim die 49ers Anm. d. Red), ist doch echt der Wahn­sinn.

Berichte über das anste­hende Kar­rie­re­ende des großen Ravens-Ver­tei­di­gers Ray Lewis sehen aus, als hätte halb Hol­ly­wood daran mit­ge­ar­beitet.
Das ist ganz großes Kino. Außerdem stehen die Jour­na­listen vor und nach dem Spiel in der Kabine und die Spieler geben ver­schwitzt und nur mit dem Hand­tuch bekleidet ihre ersten Inter­views. Das ist dort drüben voll­kommen selbst­ver­ständ­lich. Des­wegen ist der Sport in den USA auch so populär. Den Fans wird sug­ge­riert, dass es keine Grenze zwi­schen Fans und Spie­lern gibt.

Mit Rollo Fuhr­mann unter der Dusche: Ist das auch im Fuß­ball denkbar?
Das kann ich mir über­haupt nicht vor­stellen. Viel­leicht zerren wir ja einen Jour­na­listen unter die Dusche, wenn wir am Ende der Saison auf einem Nicht-Abstiegs­platz stehen. Ansonsten bleibt die Kabine Sperr­ge­biet.

Sonn­tag­nacht steigt der Super Bowl. Auch wenn ich Ihre Ant­wort schon erahne: Wer gewinnt?
Zual­ler­erst hoffe ich, dass wir am Samstag in Wolfs­burg punkten. Und wenn am Ende die 49ers auch noch die Lom­bardi-Trophy in die Luft recken, wäre es für mich ein per­fektes Wochen­ende.

Auch weil Sie Ihren Kum­pels Marcel Schäfer und Chris­tian Gentner ein Jahr lang zeigen können, wer mehr Ahnung vom Foot­ball hat?
Glauben Sie mir, diese Karte spiele ich jetzt schon bei jeder Gele­gen­heit aus. (lacht)