Roy Präger, am Wochen­ende spielt der HSV gegen den VfL Wolfs­burg. Weckt das alte Erin­ne­rungen in Ihnen?

Roy Präger: Na klar, zu meiner Ham­burger Zeit haben wir zwi­schen 1999 und 2000 inner­halb von einem halben Jahr zwei Mal 4:4 gespielt. Das waren wahn­sin­nige Spiele.

Im zweiten Spiel trafen Sie für den HSV kurz vor Schluss zum 4:3.

Roy Präger: Gereicht hat es trotzdem nicht. In der 90. Minute wühlte Jona­than Akpo­borie den Ball nach einer Ecke irgendwie über die Linie. Das war natür­lich ein geiles Spiel für die Zuschauer. Aber als Spieler ist der Frust groß.

Zumal Sie mit dem HSV 2000 zwei Mal in Wolfs­burg führten.

Roy Präger: Für uns wären die Punkte enorm wichtig gewesen, es ging um die Qua­li­fi­ka­tion zur Cham­pions League. Und am Ende fehlten uns genau diese Zähler.

Als Sie das 4:3 erzielten, bra­chen bei Ihnen alle Dämme. Heute ist der Tor­jubel gegen den Ex-Verein eher ver­pönt.

Roy Präger: Ich wollte dem VfL gegen­über natür­lich nicht respektlos sein, ich hab mich ein­fach nur für mich gefreut, weil ich vorher lange ver­letzt war und ewig nicht getroffen hatte. Das Tor been­dete meine Durst­strecke.

»> Roy Präger im schi­cken Vokuhila-Look in unserer Bil­der­ga­lerie! «<

Ihre Bun­des­li­gakar­riere star­teten sie beim VfL, mit dem Sie bis heute eng ver­bunden sind. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Wolfs­burg?

Roy Präger: Der Auf­stieg war sicher­lich etwas ganz Beson­deres. Aber auch den Nicht-Abstieg in der darauf fol­genden Saison 1997/1998 habe ich noch ganz genau vor Augen. Wir ver­loren mit 0:4 in Kai­sers­lau­tern und konnten am Ende trotzdem feiern, weil Bie­le­feld gegen Köln 2:1 gewann.

Theo­re­tisch hätten Sie damals mit den Lau­te­rern zusammen feiern können, die wurden in dem Jahr immerhin Deut­scher Meister.

Roy Präger: Was glauben Sie, was wir gemacht haben? Die ganze Stadt war im Aus­nah­me­zu­stand, da ging richtig die Post ab. Einige von uns hatten Lau­tern-Tri­kots an, damit wir nicht auf­fielen. Da gab es eine legen­däre Nicht-Abstiegs­feier, im Kaffee am Markt“. Jürgen Rische und Martin Wagner waren später auch mit dabei.

Das volle Pro­gramm?

Roy Präger: Wir haben Gas gegeben ohne Ende, da können Sie jeden fragen. Wir standen auf der Bar und haben mit Sekt rum­ge­spritzt. Ich kann mich noch erin­nern, dass ich Rote Hörner auf dem Kopf hatte (lacht).

Der Nicht-Abstieg in der ver­gan­genen Saison wurde ver­mut­lich nicht so feucht-fröh­lich gefeiert, der Anspruch ist heute ein anderer. Was hat sich in den letzten zehn Jahren beim VfL geän­dert?

Roy Präger: Damals hat keiner damit gerechnet, dass wir uns so lange in der Bun­des­liga halten. Heute ist die Ent­wick­lung klar, Volks­wagen ist bei uns zu hun­dert Pro­zent ein­ge­stiegen, das macht eine Menge aus. 2009 war natür­lich unser Höhe­punkt, Deut­scher Meister“ macht sich schon sehr gut auf dem Brief­kopf.

Was ent­gegnen Sie den Leuten, die Wolfs­burg immer noch als Retor­ten­verein abstem­peln?

Roy Präger: Wir haben jetzt fast 15 Jahre Bun­des­liga durch­ge­zogen ohne abzu­steigen. Es ist doch klar, dass Tra­di­tion wachsen muss. Jeder Verein hat einmal bei Null ange­fangen. Die Erwach­senen, die bei uns zum Auf­stieg gekommen sind, bringen jetzt ihre Kinder mit. Genau diese Men­ta­lität braucht es, um eines Tages ein Tra­di­ti­ons­verein zu sein.

Wären Sie gerne zehn Jahre später für den VfL auf­ge­laufen und hätten an der Seite von Dzeko und Gra­fite gestürmt?

Roy Präger: Nein. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich in meiner Kar­riere erreicht habe. Das Niveau ist stetig gestiegen in den letzten Jahren. Ich war ein guter Fuß­baller, aber die Fähig­keiten, die ich früher hatte, hätten mich in der heu­tigen Zeit nicht so weit gebracht wie damals: Da muss man auch ehr­lich zu sich sein.

Sie sind jemand gewesen, der sich zu hun­dert Pro­zent mit dem VfL iden­ti­fi­ziert hat. Können das die Spieler heute über­haupt noch? Felix Magath ver­pflichtet enorm viele Spieler.

Roy Präger: Spieler kommen und gehen. Für mich war Iden­ti­fi­ka­tion immer sehr wichtig, des­wegen hatte ich auch nur zwei Ver­eine in der Bun­des­liga. Das ist eine Sache von Lei­den­schaft, der HSV ist für mich auch noch eine Her­zens­sache. Die Zeiten haben sich natür­lich geän­dert, vor allem auf Spie­ler­seite. Da fällt die Iden­ti­fi­ka­tion auch schwerer.

Nach einer erfolg­rei­chen Zeit beim VFL gingen Sie 1999 nach Ham­burg. Warum?

Roy Präger: Natür­lich war Wolfs­burg immer meine große Liebe, aber man muss meine Vor­ge­schichte kennen. Dieses Gefühl, wenn man früher in der DDR gelebt hat und nie irgend­wohin konnte, kann man schwer beschreiben. Auf einmal kommt die Wende und man hat die Mög­lich­keit Bun­des­liga zu spielen. Den HSV kannte ich ja nur aus dem Fern­sehen. Zu so einem großen Verein zu gehen, war eine ein­ma­lige Chance für mich.

Ein Jahr nach dem Wechsel spielten Sie gegen Juventus Turin in der Cham­pions League.

Roy Präger: Hätte mir das zu Wen­de­zeiten einer erzählt, hätte ich gesagt: Was ist denn mit dir los? Du kannst mich mal kreuz­weise.“

Was wir abschlie­ßend noch klären müssen: Wer hat Ihnen eigent­lich den Spitz­namen Chan­centod“ ver­passt?

Roy Präger: Den hab ich mir bei meiner Zeit bei For­tuna Köln selber gegeben.

Gehen Sie da nicht ein biss­chen zu hart mit sich selbst ins Gericht?

Roy Präger: Wenn man sieht, wie viele Chancen ich damals ver­geben habe, kam kein anderer Name in Frage. Zum Glück wurde es dann mit dem Tore schießen in der Bun­des­liga besser.