Paul Verhaegh, sitzen Sie bereits auf gepackten Kof­fern?
Ich wüsste nicht, wes­halb ich das tun sollte. Ich fühle mich in Augs­burg sehr wohl.

Wir meinten eigent­lich Ihre geplante Reise mit der nie­der­län­di­schen Natio­nalelf. Louis van Gaal hat Sie doch nomi­niert.
Das stimmt leider nicht ganz. Das Trai­ner­team hat in der letzten Woche nur den vor­läu­figen Kader für das Test­spiel gegen Por­tugal bekannt gegeben. Ich gehöre dazu, und dar­über freue ich mich natür­lich unge­mein. Momentan befinden sich jedoch 26 Spieler in der engeren Aus­wahl, die in dieser Woche noch einmal dezi­miert wird. Wie viele Akteure schluss­end­lich mit­fahren, weiß ich gar nicht, aber es befinden sich anschei­nend noch wei­tere Spieler auf meiner Posi­tion des Rechts­ver­tei­di­gers im Blick­feld des Trai­ners.

Wir haben Sie von Ihrer vor­läu­figen Nomi­nie­rung erfahren?
Aus dem Internet, so wie die meisten Per­sonen aus meinem Umfeld. Ich habe weder einen Anruf noch sonst eine Nach­richt bekommen. Erst jetzt lan­dete ein Brief des nie­der­län­di­schen Ver­bandes in meinem Brief­kasten.

Vom Abstiegs­kan­di­daten FC Augs­burg zur Welt­meis­ter­schaft 2014 in Bra­si­lien. Erin­nert Sie das an die Tel­ler­wä­scher-Story?
Ganz ruhig! Das geht mir doch ein wenig zu schnell. Ich selbst war ja auch völlig über­rascht, dass ich nomi­niert wurde. Ande­rer­seits spiele ich in der Bun­des­liga, eine der besten Ligen Europas. Ich denke, dass van Gaal und seine Scouts einen beson­deren Wert auf nie­der­län­di­sche Spieler im Aus­land legen.

In der ver­gan­genen Saison mussten Sie auf­grund eines Innen­band­risses fünf Monate pau­sieren, kehrten erst zum Sai­son­fi­nale auf den Platz zurück. Wie haben Sie van Gaal über­zeugt?
Nach meinem Come­back im März traten keine grö­ßeren Beschwerden auf, sodass ich mitten im Abstiegs­kampf einen guten Teil zum Klas­sen­er­halt bei­tragen konnte. Über alles andere lässt sich nur spe­ku­lieren. Für mich wäre es jeden­falls das erste Mal im Oranje-Dress seit meiner Zeit in der U21. Das war 2007 und liegt somit auch schon einige Jahre zurück.

Der Trainer der dama­ligen U21 war Johan Nees­kens. Ist die Spiel­idee des Totaal­voetbal“, den seine Genera­tion mit Johan Cruyff zele­brierte, heute noch in den Nie­der­lande spürbar?
Absolut. Das sind immer noch die großen Namen in unserer Heimat, auch wenn die 74er-Genera­tion gleich zwei auf­ein­an­der­fol­gende WM-Finals ver­loren hat. Ihre Ideen und Mei­nungen haben auch heute noch ein starkes Gewicht im hol­län­di­schen Fuß­ball. Dieses System wird immer noch in den Jugend­aka­de­mien gelehrt. Mit Louis van Gaal besitzt die Natio­nal­mann­schaft einen Trainer, der sehr großen Wert auf ein solides Kon­zept legt.
Sie sind 1983 geboren. Wäh­rend Ihrer fuß­bal­le­ri­schen Sozia­li­sa­tion war das deutsch-nie­der­län­di­sche Fuß­ball­ver­hältnis etwas ange­schlagen…
Die Sport­schau habe ich als kleiner Junge trotzdem immer ver­folgt! (lacht) Ich wollte nach fünf, sechs Pro­fi­jahren in der Heimat, den Schritt ins Aus­land wagen. Deutsch­land war wäh­rend meiner Jugend­zeit viel­leicht nicht mein erster Wunsch, doch die Ent­schei­dung nach Augs­burg zu wech­seln, habe ich auch nach vier Jahren nicht bereut.

Damals holte sich noch Jos Luhukay ins Schwa­ben­land. Ein Nie­der­länder, der wie Sie aus Venlo kommt. Ein Zufall?
Ich komme nur aus einem Nach­bar­dorf. Per­sön­lich kannte ich ihn noch nicht. Es waren eher die inten­siven Bemü­hungen Luhu­kays und des ehe­ma­ligen Sport­di­rek­tors Andreas Rettig, denen ich meinen Ver­trag in Augs­burg zu ver­danken habe.

Mit dem FC Augs­burg geht es am Wochen­ende in eine neue Saison. Befindet sich der FCA schon vor dem Start im Abstiegs­kampf?
Dies­be­züg­lich müssen wir rea­lis­tisch bleiben. Wir haben erneut einen der kleinsten Etats der Liga, das Ziel kann daher nur Klas­sen­er­halt lauten. Wir wollen drei Mann­schaften unter uns wissen, aber ich befürchte, dass es wieder sehr eng wird. Neu ist diese Situa­tion den­noch nicht. Ähn­liche Ein­schät­zungen habe ich auch in den letzten beiden Jahren abge­geben, bisher haben wir so unsere Ziele immer erreicht. Auf Dauer wollen wir ein sta­biler Bun­des­li­gist werden, doch damit können wir uns momentan noch nicht beschäf­tigen.

Zumin­dest im Pokal­spiel gegen RB Leipzig ist der FC Augs­burg, anders als viele andere Bun­des­li­gisten, nicht gestol­pert.
Dabei hatten wir kein leichtes Los erwischt. Das ist ein Dritt­li­gist mit großen Ambi­tionen und einem beacht­li­chen Back­ground. Wir waren als Bun­des­li­gist jedoch ver­pflichtet, dieses Spiel zu gewinnen.

Mit dem 2:0‑Erfolg konnten Sie keinen Kan­ter­sieg landen. Lag das auch an der unge­wöhn­li­chen Hin­fahrt?
Sie meinen unsere zahl­rei­chen Umstiege? Unge­wöhn­lich war das sicher­lich. Wir sind erst mit der Bahn gefahren, die auf­grund von tech­ni­schen Pro­blemen aus­fiel. Danach haben wir einige Taxen geor­dert, ehe uns der Mann­schaftsbus ein­ge­sam­melt hatte. Wir sind aber bereits am Vortag ange­reist, hatten also keinen Zeit­druck und konnten uns noch aus­rei­chend erholen.

Eine Anreise, die Ihnen am Samstag erspart bleiben wird. Was erwarten Sie vom Heim­spiel gegen Borussia Dort­mund?
Wir wissen, dass wir nur der Außen­seiter sind. Mit dem gewonnen Pokal­spiel im Rücken können wir selbst­be­wusst in die Saison gehen und viel­leicht ein erstes Zei­chen setzen. Eine gute Leis­tung würde meine Natio­nal­mann­schafts­chancen schließ­lich auch nicht schaden.