Dieter Eck­stein, bereits in Ihrer ersten Pro­fi­saison erlebten Sie ein Stück deut­scher Fuß­ball­ge­schichte: die Nürn­berger Spiel­er­re­volte.
Ich kam von den Ama­teuren zu den Profis, die gerade abge­stiegen waren. Unser Ziel war der Wie­der­auf­stieg, aber nach ein paar Spielen waren wir Vor­letzter. Nach einem 1:1 gegen Ober­hausen rief mich Trainer Heinz Höher an und fragte, ob ich davon wüsste, dass das Team nicht mehr mit ihm zusam­men­ar­beiten wolle. Ich ver­neinte, aber im Fern­sehen lief da schon ein Bericht über die Revolte.

Wollten Sie nicht revol­tieren?
Nach Höhers Anruf fuhr ich zum Trai­ning. Dort fragte mich Udo Hors­mann, ob ich mich am Auf­stand betei­ligen wolle. Aber ich hatte meinen ersten Pro­fi­ver­trag in der Tasche und mein Sohn war gerade geboren. Das Risiko, raus­ge­schmissen zu werden, war mir zu groß. Wäh­rend ich mit den anderen jungen Spie­lern trai­nierte, dis­ku­tierte der Rest des Kaders am Sta­dion mit der Presse.

Gab es keinen Gegen­wind von den anderen Spie­lern?
Sicher. Freitag nach dem Trai­ning war ein Termin im Sit­zungs­saal anbe­raumt. Ich war sicher, dass Höher ent­lassen werden würde. Wir jungen Spieler saßen schon im Saal, da ging die Tür auf und die Revo­luzzer kamen rein. Sie haben uns als Ver­räter beschimpft und sich demons­trativ woan­ders hin­ge­setzt.

Wie lief die Sit­zung ab?
Der Saal war bre­chend voll. Vorne saß der Vor­stand mit zwei Poli­zisten und zwei Anwälten. Prä­si­dent Gerd Schmelzer nahm die erste Akte und las vor: Mit sofor­tiger Wir­kung ist der Spieler Rudi Kargus ent­lassen. Bitte ver­lassen Sie das Gelände.“ Kargus wurde von der Secu­rity abge­führt und bekam ein Jahr Sta­di­on­verbot. Dann kam die nächste Akte. Schmelzer ließ die Rädels­führer abführen, alle anderen Betei­ligten wurden abge­mahnt. Beim nächsten Spiel waren wir noch 13 Mann. Aber obwohl wir die Partie mit 1:2 ver­loren, war es die Geburts­stunde der jungen Mann­schaft, mit der wir noch auf­stiegen. Als die Stinker weg waren, lief es.

Hatten Sie nie Pro­bleme mit Höher? Sie waren eher kein Mus­ter­profi.
Nein, Höher hat mich gewähren lassen. Willi Enten­mann hat mich später mal gebeten, vor Spielen nicht mehr zu rau­chen. Habe ich dann auf dem Klo trotzdem gemacht. Ich habe sogar im Bus geraucht.

Im Mann­schaftsbus?
Klar. Als junger Spieler heim­lich auf dem Busklo, später auch auf meinem Sitz­platz. Unser Fahrer stellte mir sogar einen Aschen­be­cher hin. Sport­lich hat das nie Aus­wir­kungen gehabt. Mit dem Club qua­li­fi­zierten wir uns 1988 sogar für den UEFA-Cup. Wenn dieses Team zusam­men­ge­blieben wäre, hätten wir um die Meis­ter­schaft gespielt. Aber dann kauften die Bayern Roland Gra­hammer und Stefan Reuter weg.

1986 machten Sie Ihre ersten Län­der­spiele. Hat Sie Franz Becken­bauer per­sön­lich ange­rufen?
Nein. Ich war mit der U21 in der Schweiz. Im Hotel klopfte Trainer Berti Vogts an die Tür und sagte: Beckes hat ange­rufen, Allofs und Völler sind ver­letzt, er will dich nach­no­mi­nieren.“

Beckes“?
So haben wir Becken­bauer hinter seinem Rücken genannt. (Lacht.) Ich setzte mich direkt ins Flug­zeug und spielte bei der Natio­nalelf sogar von Beginn an.