Daniel Cali­giuri, Glück­wunsch zur Sah­ne­saison des SC Frei­burg. Das war so nicht zu erwarten, oder?
Nein. Dass wir nach 22 Spiel­tagen so weit oben stehen und am Freitag auf den vierten Platz springen können, hätte vor der Saison wohl nie­mand geglaubt.

Ver­gan­gene Saison sah Frei­burg lange Zeit wie ein sicherer Absteiger aus, mitt­ler­weile läuft es wie geschmiert. Woher kommt der Erfolg?
Das Team hat sich unglaub­lich gut ent­wi­ckelt und wir ver­su­chen, die Dinge auf dem Platz gemeinsam zu lösen. Wenn es bei dem einen nicht klappt, ist der andere zur Stelle. Der Trainer hält das Team zusammen, auch wenn es mal nicht gut läuft. Und wenn es gut läuft, so wie zur Zeit, sorgt er dafür, dass wir auf dem Boden bleiben.

Ist Trainer Chris­tian Streich der zen­trale Bau­stein in Frei­burg?
Chris­tian Streich bringt die Dinge gut rüber und wir setzen sie gut um.

Mal was anderes: Spielen Sie eigent­lich Online-Fuß­ball­ma­nager?
Ein paar Kol­legen spielen das, ich selbst aber nicht. Warum?

Ich habe Sie vorhin ver­pflichtet. Eine loh­nens­werte Inves­ti­tion?
Na klar. Wenn bei mir das Selbst­ver­trauen stimmt, lohnt sich das.

Ihren Bruder Marco hätte ich auch ver­pflichten können. Der spielt mit Mainz 05 eine ähn­lich gute Saison. Wie ist denn zur Zeit die Stim­mung im Hause Cali­giuri?
Die Stim­mung ist natür­lich per­fekt. Unsere Eltern freuen sich, und für uns beide ist die Ent­wick­lung auch über­ra­gend. Es hätte zuhause nie­mand gedacht, dass wir mit unseren Teams so weit oben stehen.

Tau­schen Sie sich regel­mäßig mit Ihrem Bruder aus?
Natür­lich. Wir spre­chen nach jeder Partie, um zu hören, wie es bei dem anderen gelaufen ist. Auch unter der Woche haben wir ständig Kon­takt. Wir tele­fo­nieren nicht jeden Tag, aber eine SMS ist schon drin.

In der Tabelle trennen Mainz und Frei­burg nur zwei Plätze, es geht auch um den Einzug ins inter­na­tio­nale Geschäft. Wird da am Telefon ordent­lich gesti­chelt?
Das ist eigent­lich kein Thema. Wir schauen beide nur auf den jewei­ligen Verein. Streit oder Riva­lität gibt es da nicht.

Und wie war das früher? Sie haben ja sicher­lich ordent­lich Zeit auf dem Bolz­platz ver­bracht.
Klar, wir haben als Kinder immer bei uns im Garten gegen­ein­ander gespielt. Ich habe leider meist ver­loren, weil ich vier Jahre jünger bin. Das war nicht immer ein­fach. Ich bin ein sehr emo­tio­naler Mensch und habe mich über Nie­der­lagen gegen ihn fürch­ter­lich auf­ge­regt. Und oft auch den Frust bei ihm raus­ge­lassen. (lacht)

Mit Revan­che­fouls nach Gegen­toren?
Nein, das natür­lich nicht. Eher verbal. Ab und zu konnte ich ja auch gewinnen. Meis­tens, nachdem mein Vater meinem Bruder sagte, dass er mich gewinnen lassen soll (lacht).

Von den Allofs-Brü­dern heißt es, sie hätten sich geschont, wenn sie gegen­ein­ander spielen mussten. Wie ist das bei den Cali­gi­uris? Könnten Sie Ihren Bruder über­haupt umgrät­schen?
Wenn ich ehr­lich bin schon. Wäh­rend des Spiels kon­zen­triere ich mich auf mein Spiel. Natür­lich denkt man drüber nach, wenn man den Bruder auf der anderen Seite sieht, aber das darf im Zwei­kampf keine Rolle spielen. Wenn es sein müsste, würde ich ihn auch foulen. Im Hin­spiel gegen Mainz ist das sogar pas­siert. Da habe ich ihm das Bein gestellt. Schöner wäre es natür­lich, ihn zu tun­neln oder aus­zu­tricksen.

Zu wem halten denn die Eltern, wenn Sie auf Ihren Bruder treffen?
Meine Mutter ist immer für ein Unent­schieden, bei dem wir beide ein Tor schießen. Mein Vater will wahr­schein­lich ein­fach, dass es schnell vorbei ist. Es ist für beide immer sehr emo­tional, wenn ihre beiden Buben auf dem Platz stehen. Da ist schon das ein oder andere Trän­chen geflossen.

Würden sich die Eltern freuen, wenn ihre beiden Buben irgend­wann in der selben Mann­schaft spielen?
Nicht nur unsere Eltern, wir würden uns auch freuen. Aller­dings kann das auch schwierig sein, wenn du im selben Team bist und viel­leicht in direkter Kon­kur­renz um einen Platz in der ersten Mann­schaft stehst. Trotzdem wäre es ein Traum, mit­ein­ander zu spielen.

Heute Abend kommt Ein­tracht Frank­furt ins Drei­sam­sta­dion, mit einem Sieg würden Sie auf die Cham­pions-League-Plätze springen. Sollte Frei­burg nächste Saison tat­säch­lich inter­na­tional spielen, wel­chen Gegner würden Sie am liebsten emp­fangen?
So weit habe ich wirk­lich noch nicht gedacht. Es ist auch nicht gerade rea­lis­tisch, dass wir in die Cham­pions League kommen, die Saison ist noch lange nicht vorbei, und der fünfte Platz ist nicht leicht zu ver­tei­digen. Aber wenn es ums Träumen geht: Mein Vater ist Ita­liener und ich bin von klein auf Fan des AC Mai­land. Das darf man ja sagen.