Zlatan Ibra­hi­movic, Sie haben in den letzten zehn Jahren mehr erlebt als andere Men­schen in achtzig. Wie alt fühlen Sie sich eigent­lich?
Jetzt muss ich wohl sagen: Wie 20! Denn sonst sinkt ja mein Mark­wert. Aber Sie haben schon Recht, ich bin ziem­lich reich an Erfah­rungen. Ich habe in fünf Län­dern gelebt, in Schweden, den Nie­der­landen, Ita­lien, Spa­nien und jetzt in Frank­reich, ich habe die Men­schen und die Kultur ken­nen­ge­lernt. Das hat mich geprägt.
 
Was noch fehlt in Ihrer Bio­grafie ist Eng­land – und Deutsch­land!
Sicher, die Bun­des­liga würde mich schon reizen. Eines Tages viel­leicht. Ein biss­chen Zeit bleibt mir ja noch.
 
Wel­cher Klub soll es dann sein?
Ganz klar: Wenn ich nach Deutsch­land gehe, dann zum FC Bayern Mün­chen. Für mich einer besten fünf Ver­eine auf der Welt.
 
Dort würden Sie, wenn er sich denn so lange hält, auf Pep Guar­diola treffen, mit dem Sie in Bar­ce­lona immer wieder anein­ander gerieten. Sie nannten ihn ver­ächt­lich Phi­lo­soph“.
Ach, das ist doch so lange her! Schwamm drüber.
 
Aber seither sind doch erst zwei­ein­halb Jahre ver­gangen.
Eine Ewig­keit im Fuß­ball! Sie sagten doch selbst, dass Fuß­ball­jahre mehr gelten. Ich habe kein Pro­blem mehr mit Guar­diola. Ich habe dazu gelernt seit Bar­ce­lona. 

Was genau haben Sie denn gelernt?
Vor allem Geduld. Geduld, Dinge ent­stehen zu lassen. Geduld, Auf­gaben zu lösen. Früher wollte ich alles sofort.
 
Und wenn Sie es nicht bekamen, wurden Sie auf­brau­send.
Hat etwa jemand schlecht über mich gespro­chen?
 
Man liest so einiges.
Davon sind 95 Pro­zent Lügen oder Folk­lore. Es macht den Leuten Spaß, Geschichten über mich in die Welt zu setzen. Mir aber egal.
 
Und die rest­li­chen fünf Pro­zent?
Sind Ver­gan­gen­heit. Ich bin älter geworden, ich bin ver­hei­ratet, habe zwei wun­der­bare Kinder. Da wird man doch ganz auto­ma­tisch etwas ruhiger.
 
Was geben Sie Ihren Kin­dern mit auf den Lebensweg?
Dass sie Selbst­ver­trauen haben sollen.
 
Wie ent­steht Selbst­ver­trauen?
Indem man sich Her­aus­for­de­rungen stellt, sich durch­beißt, seinen Weg geht. Ich glaube, ich habe meinen Kin­dern das ganz gut vor­ge­lebt.
 
Sie haben erklärt, mit Paris Saint Ger­main die Cham­pions League gewinnen zu wollen. Wie geduldig sind Sie, was das anbe­langt?
Wir sind hier im Begriff, etwas Großes auf­zu­bauen, das braucht schon seine Zeit. Ins Ach­tel­fi­nale haben wir es schon mal geschafft, das ist ein guter Anfang. 
 
Fehlt Ihnen in der doch recht schwach besetzten fran­zö­si­schen Liga nicht die Her­aus­for­de­rung?
Olym­pique Lyon und Olym­pique Mar­seille muss man erst mal schlagen. Das ist dann schon ein Top-Team mehr als in der spa­ni­schen Liga. Und egal, wo ich hin­komme – gegen mich gehen die Ver­tei­diger immer extra hart ran. Je tiefer der Gegner in der Tabelle steht, desto schlimmer.
 
Als Sie im Sommer nach Paris kamen, wurden Sie zuletzt emp­fangen wie der Mes­sias per­sön­lich. Hat Sie das erschreckt?
Nein. Für mich ist das normal. Ich befinde mich jetzt seit fast 20 Jahren auf diesem Highway und bin von Jahr zu Jahr schneller gefahren. So konnte ich mich an das Tempo gewöhnen. Sie sehen doch: Ich bin ganz ruhig.
Ihr großes Vor­bild ist der Box­welt­meister Muhammad Ali. Was hat er Sie gelehrt?
Als ich ein Kind war, zeigte mein Vater mir Videos von Alis Kämpfen. Da war ich zunächst mal beein­druckt von seinen Bewe­gungen – float Ilke a but­terfly, sting Iike a bee. Erst später habe ich mich mit der Person Ali befasst und gelernt, was es heißt, seinen Mann zu stehen, man selbst zu bleiben – auch gegen Wider­stände. Auch das hatte für mich Vor­bild­cha­rakter.
 
Ali war Ein­zel­sportler – sind Sie das in gewisser Weise auch?
Nein, nein. Ich brauche schon zehn andere, um etwas zu errei­chen. Aber auch im Fuß­ball muss es Indi­vi­dua­listen geben, die durch ihre Klasse den Unter­schied aus­ma­chen, den Punch setzen.
 
Wären Sie gern Boxer?
Ich wünschte manchmal, Boxen wäre Teil des Fuß­balls. So aber muss ich mich zusam­men­reißen.
 
Ali sagte: Ich bin der Größte!“ Wo stehen Sie auf der Skala des Welt­sports?
Ich bin auch der Größte. (über­legt) Geht das über­haupt? Zwei Größte? Na, dann so: Ich bin der Größte hinter Ali.
 
Und vor Messi, dem Welt­fuß­baller des Jahres?
Das sollen die Fuß­ball­fans lieber selbst beur­teilen. Wichtig ist doch, dass ich an mich glaube. Immer! Auch das habe ich von Ali gelernt.
 
Hatten Sie eigent­lich auch ein Fuß­ball­idol, als Sie klein waren?
Mara­dona!
 
Ein ganz anderer Spie­lertyp als Sie.
Finden Sie? Ich bin ein biss­chen größer, aber drib­beln kann ich trotzdem ganz gut.
 
Was würden Sie eigent­lich heute machen, wenn Sie nicht solch ein guter Fuß­baller wären?
Keine Ahnung. Da ich immer an mein Können als Fuß­baller geglaubt habe, kann ich das nicht beant­worten. 
 
Nie Selbst­zweifel gehabt?
Ganz klares Nein.
 
Sie fahren längst teure Autos. Aber wenn Sie keine besäßen, würden Sie dann wie in Ihrer Jugend immer noch Fahr­räder klauen, um zum Trai­ning zu kommen?
Ganz klares Ja.