Andreas Hinkel, wenn Sie an Ihren Ex-Klub Celtic denken, was fällt Ihnen dazu als Erstes ein?
Dass der Klub ein­fach ein­malig ist – wegen seiner Geschichte und seiner Fans, die für diesen Klub alles geben. Der Verein ist ja von einem Priester gegründet worden, um für die armen iri­schen Leute in Glasgow Geld ein­zu­nehmen und damit ihre Not zu lin­dern. Trotz aller Kom­mer­zia­li­sie­rung, die natür­lich auch vor Celtic nicht halt gemacht, ist diese Tra­di­tion immer noch zu spüren.

Haben Sie bei Ihrer Ankunft als neuer Celtic-Spieler eine Art Ein­füh­rung in die Klub-Geschichte bekommen?
Nein, ich hatte mich vorher selbst infor­miert, weil mich das ein­fach inter­es­siert hat. Das war auch schon bei meinem Wechsel zum FC Sevilla so. Ich könnte Ihnen jede Menge über Sevilla erzählen. Man­ches habe ich aber auch erst vor Ort erfahren. Zum Bei­spiel, dass Celtic 1967 als erster bri­ti­scher Verein über­haupt den Euro­pa­pokal der Lan­des­meister gewonnen hat – das war nicht Man­chester United, der FC Liver­pool oder Arsenal, son­dern eben Celtic. Die Lisbon Lions haben in Lis­sabon Inter Mai­land geschlagen und werden heute noch von den Celtic-Anhän­gern als Helden ver­ehrt. Auch wenn sich mit der Ein­füh­rung der Cham­pions League die Macht­ver­hält­nisse im euro­päi­schen Fuß­ball längst ver­än­dert haben, diesen Tri­umph kann den Celtic-Fans nie­mand mehr nehmen. 

Sie hatten mit dem VfB-Stutt­gart im UEFA-Cup schon einmal die Atmo­sphäre im Celtic-Park genießen können. War das mit ein Grund für den Wechsel nach Glasgow?
Auf jeden Fall. Das war damals Gän­se­haut pur. Und das ging nur nicht mir als jungem Spieler so. Ich weiß noch, wie Kras­simir Balakov und Zvonimir Soldo nach dem Spiel im Celtic Park meinten, dass sie noch nie etwas Bes­seres in einem Fuß­ball­sta­dion erlebt hätten. Ich dachte mir, wenn solch erfah­rene Spieler wie die beiden das sagen, dann muss das wirk­lich ein­zig­artig sein.

Auch von Paolo Mal­dini ist die Aus­sage über­lie­fert, dass jeder Fuß­baller einmal im Celtic-Park gespielt haben müsse. Was ist das Beson­dere daran?
Puh, ich kann das nicht in Worte fassen, man muss das ein­fach selbst erlebt haben. Es ist nicht die Laut­stärke allein – sie kommt von überall, nicht nur aus den Kurven, wie in vielen anderen Sta­dien. Im Celtic Park singen alle Zuschauer mit. So eine Stim­mung macht mit dir als Spieler was. Du bist brutal ange­spannt, ganz beson­ders beim Old Firm.

Das Glas­gower Stadt­derby und die Mutter aller Fuß­ball­schlachten…
Eine so auf­ge­la­dene Atmo­sphäre erlebt man nicht oft. Jeder Spieler, der sagt, das würde ihn nicht berühren, der lügt. Die Zuschauer pushen einen per­ma­nent. Man muss sich da als Spieler run­ter­holen, darf sich nicht von der Hektik anste­cken lassen.

Nach dem Zwangs­ab­stieg der hoch­ver­schul­deten Ran­gers in die 4. Liga gab es für ein paar Jahre kein Old Firm.
Und das hatte auch nega­tive Folgen für Celtic. Ich habe mit Celtic-Ver­ant­wort­li­chen mal dar­über gespro­chen. Die haben mir erklärt, dass mit dem Abstieg der Ran­gers richtig viel Geld weg­ge­bro­chen ist. Die Old Firms waren die ein­zigen Spiele der Saison, die über die Grenzen Schott­lands hinaus Beach­tung fanden, mit denen man im Aus­land Geld machen konnte. Die Fern­seh­rechte für dieses Spiel bringen Mil­lionen. Und dieses Geld war auf einmal weg. Aber auch in sport­li­cher Hin­sicht waren die Ran­gers für Celtic wichtig. Es war der ein­zige Gegner in der Liga, mit dem man sich wirk­lich auf Augen­höhe messen konnte. Inzwi­schen spielen die Ran­gers wieder in der Pre­miership, aber sie sind noch ein gutes Stück weg.