Roger Schmidt, die Tra­di­tio­na­listen sorgen sich, dass der SC Pader­born auf­steigen könnte. Was ant­worten Sie ihnen? 
Roger Schmidt: Ich kann diese Leute ja zum Teil ver­stehen. Der SC Pader­born ist schließ­lich nicht der Nabel der Fuß­ball­welt. Wir haben keine große Geschichte und der Klub hat etliche Fusionen hinter sich. Attraktiv klingt das nicht. Und den­noch: Wir wissen, dass wir in dieser Saison kon­stant guten Fuß­ball gespielt haben und des­wegen zurecht dort stehen, wo wir stehen.

Müssen Sie sich denn manchmal kneifen?
Roger Schmidt: Es ist ja nicht so, dass der Erfolg vom Himmel gefallen wäre. Wir haben uns diesen Platz über 31 Spiele erar­beitet.

Der SC Pader­born star­tete mit dem nied­rigsten Etat aller Zweit­li­ga­klubs in die Saison. Als Ziel wurde der Klas­sen­er­halt aus­ge­geben. Wann haben Sie denn gemerkt, dass da mehr gehen kann?
Roger Schmidt: Natür­lich war das alles so nicht vor­her­sehbar. Doch schon in der Hin­runde haben wir gesehen, dass wir mehr als nur mit­halten können. Erstaunt hat viele Außen­ste­hende, dass die Mann­schaft einen sehr sta­bilen Ein­ruck machte. Mir war jeden­falls relativ bald klar, dass wir zumin­dest mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.

Seit wann geben Sie denn in der Kabine den Auf­stieg als Ziel aus?
Roger Schmidt: Gar nicht. Wie lautet die gute alte Weis­heit: Fuß­ball ist ein Tages­ge­schäft. Was nützt es mir, wenn ich solche Ziele aus­gebe und ein oder zwei Wochen später stellt sich die Situa­tion schon ganz anders dar? Wir wissen, dass wir momentan die beste Saison der Ver­eins­ge­schichte spielen. Und wir wollen diese Saison auf dem Niveau zu Ende bringen, auf dem wir sie bis­lang spielen.

Sie waren in den neun­ziger Jahren bereits als Spieler für einen Vor­gän­ger­verein des SC Pader­born, TuS Pader­born-Neu­haus, aktiv. Später spielten Sie auch für den SC Pader­born. An eine Zun­kunft als Trainer dachten Sie aller­dings nicht. Wie sind Sie trotzdem wieder in Pader­born gelandet?
Roger Schmidt: Tat­säch­lich war es nie mein Plan, als Trainer einer Pro­fi­mann­schaft zu arbeiten. Ich habe Maschi­nenbau stu­diert und mir mit dem Fuß­ball ein biss­chen was dazu­ver­dient. Danach war ich zunächst acht Jahre als Inge­nieur tätig. Doch der Fuß­ball ließ mich nie ganz los, nebenher trai­nierte ich bald die Her­ren­mann­schaft des Ver­bands­li­ga­klubs Del­brü­cker SC. Zunächst nur für ein Jahr, dann wurden daraus drei, dann vier.

War das nicht sehr zeit­in­tensiv?
Durchaus. Des­wegen ent­schloss ich mich eines Tages, diese Trai­ner­tä­tig­keit aus auf­zu­geben. Doch just in dieser Zeit rief mich der Manager von Preußen Münster an. Er bat mich, doch noch einmal zu Gesprä­chen vor­bei­zu­kommen. Also fuhr ich nach Münster und ent­schied aus dem Bauch heraus: Von nun an will ich haupt­be­ruf­lich Fuß­ball­trainer sein. 

Was haben Sie denn aus Ihrer Inge­nieur­s­tä­tig­keit mit in den Fuß­ball genommen?
Roger Schmidt: Viel­leicht die Arbeit im Team. Wie bei der Pro­jekt­ar­beit als Inge­nieur hat man es im Fuß­ball eben­falls stets mit Gruppen zu tun, die aus vielen ver­schie­denen Cha­rak­teren bestehen. Eine große Auf­gabe des Trai­ners ist es, diese hete­ro­gene Gruppe zu einer Ein­heit zu formen, in der jeder Ein­zelne seine Eigen­in­ter­essen zurück­stellen muss.

Ist der aus­ge­prägte Team­geist das Erfolgs­ge­heimnis des SC Pader­born?
Roger Schmidt: Dieses Wort hört sich im Fuß­ball immer toll an: Team­geist. Natür­lich ist der Team­geist wichtig. Doch nur mit Team­geist gewinnst du keine Spiele. Wichtig ist doch die Qua­lität der Spieler. Letzt­end­lich ist es ein großes Mosaik, das man zusam­men­setzen muss.

Lassen Sie sich von anderen Trai­nern oder Mann­schaften inspie­reren?
Roger Schmidt: Da halte ich es wie die meisten anderen Trai­nern: Ich bewun­dere momentan den Pep Guar­diolas FC Bar­ce­lona und Jürgen Klopps Borussia Dort­mund.

Wieso?
Roger Schmidt: Ich mag Trainer mit klaren Spiel­ideen. Und ich mag Spieler, die Ent­schei­dungen treffen können, die selbst­ständig kreativ agieren, die immer darauf aus sind, Tore schießen zu wollen. Genau das sehe ich bei diesen beiden Mann­schaften.

Herr Schmidt, der SC Pader­born hat momentan einen Zuschau­er­schnitt von 9969. Ist die Stadt über­haupt bereit für den mög­li­chen Auf­stieg?
Roger Schmidt: Für Sie klingen 10.000 wenig. Und klar, bei anderen Klubs kämen in einer ver­gleich­baren Situa­tion sicher­lich mehr Zuschauer zu den Spielen. Doch man muss wissen, wo man her­kommt. Momentan steht die Region jeden­falls hinter uns. Und einen Schnitt von 10.000 Zuschauern hat es in Pader­born zuvor noch nie gegeben. Inso­fern ist das ist eine sehr gute Ent­wick­lung.

Der SC Pader­born hat kein eigenes Trai­nings­ge­lände. Klingt auch nicht gerade erst­li­ga­reif?
Roger Schmidt: Ganz unab­hängig vom Auf­stieg muss man natür­lich über die schlechten wirt­schaft­liche und sport­li­chen Rah­me­ne­din­gungen spre­chen. Letzt­end­lich müssen wir uns für die Zukunft anders auf­stellen, sonst wird es schwer, so ein Niveau auf Dauer zu halten. Diese Saison waren wir auf anderen Ebenen besser, wir hatten viel­leicht ein wacheres Auge bei Spie­ler­ver­pflich­tungen. Doch das kann auch mal anders laufen. 

Denken Sie eigent­lich nur an Pader­born?
Roger Schmidt: Ich habe keine Lebens­pla­nung, wenn Sie das meinen.

Sie könnten sich aber vor­stellen, eines Tages auch mal bei einem Klub mit sehr guten sport­li­chen und wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gungen zu arbeiten?
Roger Schmidt: Ich lasse die Dinge auf mich zukommen, und damit habe ich in der Ver­gan­gen­heit gute Erfah­rung gehabt. In Pader­obrn will ich das Best­mög­liche errei­chen – und klar, ich würde mir auch zutrauen, auch höher­klassig zu arbeiten.

Es sind noch drei Spiele, dann könnten Sie dieses Ziel errei­chen. Sie denken wirk­lich nur von Spiel zu Spiel?
Roger Schmidt: Jetzt wollen wir erst einmal ver­su­chen, besser als der Karls­ruher SC zu sein…

…und am 34. Spieltag kommt es zu einem End­spiel auf St. Pauli?
Roger Schmidt: Das kann schon sein. Wir sind jeden­falls die ein­zige Mann­schaft, die den Rele­ga­ti­ons­platz aus eigener Kraft errei­chen kann.