Oscar Ortega San­chez, durch Ihre Rolle als Dios“ Di Ospeo im Film Fuß­ball ist unser Leben“ wurden Sie eine Legende auf Schalke, jah­re­lang skan­dierten Fans in der Kurve noch Dios-Mios-Fuball­gott“. Werden Sie auch heute noch erkannt?
Es klingt ver­rückt, aber nach wie vor werde ich fast einmal die Woche darauf ange­spro­chen. Die Leute mur­meln etwa Hömma, dat is doch der Dios“ und schauen mich ungläubig in der Bahn an. Als sei es ein Welt­wunder, dass ich auch mal mit dem Zug fahre.

In der Regel werden Fuß­ball-Mil­lio­näre ja auch vom Chauf­feur her­um­kut­schiert.
Für mich als Schau­spieler ist das natür­lich ein Rie­sen­kom­pli­ment, wenn die Leute mich erkennen. Anschei­nend hat meine Rolle bei ihnen Spuren hin­ter­lassen. Dios“ ist eine Kult­figur auf Schalke. Darauf bin ich stolz.

Was war Ihre skur­rilste Begeg­nung mit Fans?
Es kommt immer auf die Uhr­zeit an. Tags­über ver­halten sich die Leute gemä­ßigt, aber mir ist es auch schon nachts auf dem Kiez in St. Pauli pas­siert, dass ich mit Fan­ge­sängen gefeiert wurde und mich Jungs auf ihren Schul­tern durch die Kneipe getragen haben.

Momentan brau­chen Klub und Fans jede Hilfe, des­wegen muss die Frage erlaubt sein: Sind Sie der letzte Hoff­nungs­träger, der den FC Schalke noch retten kann?
Ich muss Sie leider ent­täu­schen, ich stehe für das Amt des Trai­ners nicht zur Ver­fü­gung! Für diese Rolle sehe ich klar Hans Polak im Vor­teil. Er hat Herz­blut und die Kom­pe­tenz, schließ­lich hat er einst Yves Eigen­rauch geformt.

Hat Horst Heldt denn wenigs­tens bei Ihnen ange­fragt?
Wie heißt es so schön im Fuß­ball­ge­schäft: Dazu möchte ich mich nicht äußern! Nur soviel: Ich kann dem Klub ledig­lich bera­tend zur Seite stehen.

Hans Polak wird im Film von Uwe Och­sen­knecht gespielt, eine wei­tere Rolle besetzt Ralf Richter. Ein Glücks­griff für den erdigen Ruhr­ge­bietsch­arme.
Gerade Ralf ist der Ruhr­pott ins Blut über­ge­gangen. Aber auch Uwe muss man ein großes Kom­pli­ment machen, immerhin hat er sich den Dia­lekt per­fekt erar­beitet.

Wie haben Sie sich auf den Film vor­be­reitet?
Wir waren ein paar Tage vor Dreh­be­ginn bereits in Gel­sen­kir­chen und waren dann viel unter­wegs, haben mit Leuten gespro­chen. Da gibt es halt nur ein Thema, das zählt: Schalke 04.

Waren Sie scho­ckiert über die bestä­tigten Kli­schees?
Über­haupt nicht, ich war total beru­higt. Denn als ich das erste Mal das Dreh­buch gelesen hatte, dachte ich noch, wir würden Kari­ka­turen der Men­schen zeichnen. Aber nach zwei Tagen vor Ort war mir klar: Wir drehen eigent­lich einen Doku­men­tar­film.

Rudi Assauer, Charly Neu­mann, Yves Eigen­rauch, Huub Ste­vens: Im Film tauchten viele Akteure aus dem dama­ligen Profi-Umfeld auf. Wie sind die Stars dem Film­team gegen­über auf­ge­treten?
Wir wurden sehr herz­lich auf­ge­nommen. Charly Neu­mann hat mir sogar eine Uhr geschenkt, die ich bis heute in Ehren in einer Schatz­kiste auf­be­wahre. Yves Eigen­rauch wirkte hin­gegen fast schon schüch­tern. Selbst Huub Ste­vens, der in dieser Zeit sicher wich­ti­gere Dinge zu tun hatte, als uns zu bespaßen, hat uns Dinge ermög­licht, die nicht selbst­ver­ständ­lich waren

Zum Bei­spiel?
Ich durfte unmit­telbar vor dem Anpfiff eines Liga­spiels auf der Ersatz­bank Platz nehmen. Wir haben dann gedreht, dass ich ein­ge­wech­selt wurde, Ste­vens hat voll mit­ge­spielt. Außerdem gibt es eine Szene, in der ich vor 20.000 Fans ein Tor beju­beln kann. Darauf bin ich beson­ders stolz.

Warum?
Weil die Szene so nicht geplant war. Ich hatte mich ein­fach auf meinen Tor­instinkt ver­lassen. Es stand 0:0, als Schalke einen Frei­stoß in Straf­raum­nähe bekam. Ich bin auf­ge­sprungen, habe mir zwei Kom­parsen und einen Kame­ra­mann geschnappt und gesagt: Stellt keine Fragen! Ihr zwei nehmt mich auf die Schul­tern und du drehst ein­fach mit.“ Als wir zwei Meter vor der Kurve standen, ging der Ball rein und die Leute ras­teten aus. Das war zu geil.

Hätte aber auch schief gehen können.
Klar war das auch ein biss­chen pein­lich. Die Leute haben natür­lich gedacht: Was ist das denn für ein Spinner?“ Aber dann war die Freude doch größer als die Ver­wun­de­rung über mich.

Wie emp­fäng­lich waren die Schalke-Stars für Schau­spiel­tipps.
Rudi Assauer brauchte keine Tipps, sein Ego war groß genug. Ich erin­nere mich noch, wie er uns einmal zu einem Ver­ein­sessen ein­ge­laden hat und dabei immer wieder ewige Mono­loge zum Welt­ge­schehen hielt. Irgend­wann stellten wir fest, dass er nur zu stoppen war, indem wir mitten in seinen Vor­trägen auf­standen und den Gesang Steht auf, wenn ihr Schalker seid“ anstimmten. Dann konnte er nicht anders und musste mit­singen.

Wie oft mussten Sie auf­stehen?
Erfah­rungs­gemäß waren es immer sehr lange Abende auf Schalke. Ich schätze, dass wir unter 15 Mal nicht durch­kamen. (lacht)

Seite 2: Ich stehe bereit, aber…“

Trotz der schönen Erfah­rungen in Gel­sen­kir­chen haben Sie sich jedoch kei­nes­falls mit dem königs­blauen Virus infi­ziert. Sie sind Fan von Real Madrid.
Oh ja, aber ich lebe quasi in einer ganz schlimmen Schei­dung, denn meine Liebe liegt seit zwei Jahren auf Eis. José Mour­inho hat mich zu diesem Schritt gezwungen und meine Lei­den­schaft auf Null sinken lassen. Ich schaue zwar noch alle Spiele und beschäf­tige mich rund um die Uhr mit der spa­ni­schen Liga, aber nur unter Schmerzen. Von Real bin ich ein­fach tief ent­täuscht.

Mour­inho spaltet den Verein.
Er macht ihn kaputt! Sein Ver­halten ist men­schen­feind­lich und macht den Klub zu einem Schlacht­feld. Teile der Fans wenden sich ab, die faschis­to­iden Ultras erhalten eine Stimm­ge­walt, die ihrer Anzahl nicht gerecht wird. Zudem werden ihm han­delnde Per­sonen wie Jorge Valdano zum Fraß vor­ge­worfen. Ich finde es ein­fach schreck­lich, welche Macht­fülle diesem Mann zuge­tragen wurde. Er ver­stößt gegen meine mora­li­schen Vor­stel­lungen. Das kann ich ihm nicht ver­zeihen.

Dabei sah es die Ver­bin­dung zwi­schen Mour­inho und Real anfangs aus wie eine Lie­bes­be­zie­hung.
Ich wusste von Mour­inho nicht so viel. Seine Erfolge spre­chen aller­dings für sich und ich konnte mir vor­stellen, dass er Real Madrid wieder an die Spitze führen kann. Aller­dings war ich bei seinem ersten Cla­sico im Camp Nou. Ich war wahr­schein­lich der ein­zige Madri­dista im Sta­dion und Real ging mit 0:5 unter. Ich glaube, dieses Spiel hat ihn der­maßen ver­letzt, davon hat er sich nie erholt. Ich habe selten einen nar­ziss­ti­scheren, macht­be­ses­se­neren Men­schen gesehen. Jetzt regiert er den Verein im Stile eines Dik­ta­tors.

Wie lang kann ein Verein diese Schief­lage aus­halten?
Er ist ein Sek­ten­führer, dem der Rück­halt schwindet. Gegen­wärtig ist er nur noch ein Poli­tikum. Der Prä­si­dent will ihn zumin­dest bis zur nächsten Wahl als Trainer halten, weil bei einer vor­zei­tigen Ent­las­sung Mour­inhos auch sein Pro­jekt geschei­tert wäre. Ich glaube, wenn er im Pokal gegen Barca ver­liert und auch gegen Man­chester aus­scheidet, sind die Tage von Mour­inho end­lich gezählt.

Schaut man da auch mal nei­disch zum Erz­ri­valen nach Bar­ce­lona.
Ich bin nicht nei­disch, ich bin begeis­tert von ihrem Stil. Über aller Liebe für Real steht nach wie vor die Liebe zum Fuß­ball. Und da kann man Bar­ce­lona nur bewun­dern. Sie spielen nicht Fuß­ball, sie schaffen hohe Kunst.

Beim FC Schalke ver­steht man sich ledig­lich in der hohen Kunst des Schei­terns. Des­wegen ein letzter Ver­such: Würde ihr alter Ego Dios“ Di Ospeo denn noch einmal die Schuhe für den FC Schalke schnüren?
Ich stehe bereit, aber ich betone aus­drück­lich: Nur wenn Not am Mann ist und ein wich­tiges Spiel vor der Tür steht – sagen wir das Cham­pions-League-Finale in London – könnte ich mich mit einem aus­ge­klü­gelten Trai­nings­pro­gramm noch einmal in Form bringen.

Alle Schalker können also auf­atmen. Der Fuß­ball­gott hat noch Luft für eine Vier­tel­stunde Vollgas…
Leider reicht es wohl nur für maximal fünf Minuten. (lacht)