Babels­berg 03 gegen Energie Cottbus – ein Derby mit einem langen Nach­spiel. Denn weil es zu Aus­schrei­tungen abseits des Platzes kam, wurden beide Ver­eine ver­ur­teilt. Ein Skandal, meinen viele, die sich die Erklä­rung des Sport­ge­richts des Nord­ost­deut­schen-Fuß­ball­ver­bandes durch­ge­lesen haben. Dort wurde zwar von dem Ruf Nazi­schweine raus!“ gespro­chen, dass zuvor Nazi-Parolen aus dem Cott­buser Block schallten und Hit­ler­grüße gezeigt wurden, wurde aber ver­schwiegen. »> Wir berich­teten.

Und es ging noch weiter: wäh­rend das Urteil gegen Energie Cottbus in Revi­sion ging und anschlie­ßend massiv abge­mil­dert wurde, lehnte das NOFV-Ver­bands­ge­richt den Babels­berger Antrag aus for­malen Gründen ab. »> Wir berich­teten eben­falls.

Babels­bergs Prä­si­dent Archi­bald Hor­witz hat sich des­halb jetzt in einem offenen Brief an den DFB gewandt. Er droht, not­falls vor ein ordent­li­ches Gericht zu ziehen. Wört­lich heißt es:

Sehr geehrter Herr Grindel,

ich wende mich in Form eines offenen Briefs sowohl an Sie als Prä­si­dent, als auch an den DFB als den obersten Ver­band des deut­schen Fuß­balls.

Es geht um das erst­in­stanz­liche Skan­dal­ur­teil“ des NOFV gegen unseren Verein SV Babels­berg 03. Hier wurde von der Sports­ge­richts­bar­keit des NOFV ein Urteil gefällt, das sämt­li­chen Prin­zi­pien des DFB wider­spricht. Der DFB pro­pa­giert eine ein­deu­tige Hal­tung zum Thema Ras­sismus, Frem­den­feind­lich­keit, Anti­se­mi­tismus und Dis­kri­mi­nie­rung. Diese sind auch für die Lan­des­ver­bände bin­dend. Unter offen­sicht­li­cher Aus­blen­dung des straf­recht­lich rele­vanten Ver­hal­tens von Cott­busser Fans, wie mehr­fa­ches Zeigen des Hit­ler­grußes“ und Schmäh­ge­sängen, wie Arbeit macht frei, Babels­berg 03“ wurde in der Urteils­be­grün­dung, wie folgt aus­ge­führt: Etwa ab der 15. Spiel­mi­nute rief eine Person mit rotem Pun­ker­haar­schnitt aus dem Babels­berger Fan­block in Rich­tung des Cott­busser Fan­blo­ckes: Nazi­schweine raus“.

Diese Reak­tion auf das mas­sive Auf­treten jener Cott­busser Anhänger in die Urteils­be­grün­dung zu nehmen, ohne hin­gegen mit einem Wort die zuvor erfolgten Pro­vo­ka­tionen zu erwähnen, ist für uns nicht hin­nehmbar. Die wei­teren Vor­fälle, wie der Platz­sturm durch Cottbus-Anhänger, Ein­satz von Pyro, auch auf Seiten der Babels­berger Fans, werden von uns als Teil des Urteils aner­kannt und nicht bestritten.

Wir haben Ein­spruch gegen dieses Urteil ein­ge­legt. Bis heute wird uns unter faden­schei­nigen, for­malen Gesichts­punkten die Revi­sion vor der nächsten Instanz ver­wei­gert. Ich will hier bewusst keine juris­ti­sche Dis­kus­sion über die Ableh­nungs­gründe führen. Dies können Sie, sehr geehrter Herr Grindel, als Jurist sicher besser beur­teilen. Es geht uns hier um die gesell­schafts­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung des größten deut­schen Sport­ver­eins mit sieben Mil­lionen Mit­glie­dern.

Wenn sich Liga­kon­kur­renten, wie die BSG Chemie Leipzig, der Ober­bür­ger­meister der Stadt Potsdam, der Par­tei­chef der Linken, das Jüdi­sche Forum, der FC St. Pauli und viele mehr offen auf unsere Seite stellen und wenn unser Aufruf auf Face­book binnen zwei Tagen mehr als 200.000 Auf­rufe ver­zeichnet, dann sollte die Dimen­sion der invol­vierten Öffent­lich­keit und deren klare Sicht mehr als deut­lich sein.

Und hier stellt sich nun die Frage, ob diese Ange­le­gen­heit inner­halb des Sport­ver­bands geklärt werden kann, was wir bevor­zugen würden, oder ob dies vor einem ordent­li­chen Gericht erfolgen muss. Das Prä­si­dium des NOFV hatte diese Woche die Chance, durch eine Ein­gabe von uns hier tätig zu werden und für eine trans­pa­rente Auf­ar­bei­tung zu sorgen. Auf der Tagung am 21.9. wurde unser Fall bespro­chen. Ein Ergebnis kennen wir aktuell leider noch nicht, da uns die Stel­lung­nahme erst im Lauf der nächsten Woche zuge­leitet werden soll. Aber es ist bereits bekannt geworden, dass sich hier nichts bewegen wird und uns wei­terhin ver­wei­gert werden soll, in einer Revi­sion bzw. Wie­der­auf­nahme dieses Skan­dal­ur­teil“ zu kor­ri­gieren.

Daher bitte ich Sie hier um Unter­stüt­zung und würde mich freuen, kurz­fristig von Ihnen zu hören.

Sehr geehrter Herr Grindel, ich wende mich ganz bewusst an Sie, da ich in unserem Fall auch den DFB in der Ver­ant­wor­tung sehe, für seine pro­pa­gierten Werte ein­zu­stehen und all jene zu unter­stützen, die diese Werte und Hal­tungen in Fuß­ball­sta­dien ver­tei­digen. Gern stehe ich für Rück­fragen und ein klä­rendes Gespräch zur Ver­fü­gung.

Mit sport­li­chen Grüßen
Archi­bald Hor­litz
Vor­stands­vor­sit­zender SV Babels­berg 03

Bisher hat Rein­hard Grindel auf den Brief noch nicht reagiert. Ob und wie er es tun wird, dürfte gerade vor dem Hin­ter­grund, dass der DFB nach den Vor­komm­nissen wäh­rend des Län­der­spiels in Tsche­chien erklärte, nie­mals faschis­ti­sche, ras­sis­ti­sche, belei­di­gende und homo­phobe Schlacht­rufe oder Gewalt zu dulden, inter­es­sant sein.