Seite 2: Der HSV ist attraktiv – aber die richtige Wahl?

Zwar hält sich schon länger das Gerücht, das der FC Bayern in ihm den Nach­folger für Pep Guar­diola sieht. Richtig daran ist, dass sie Tuchel das in Mün­chen zutrauen. Falsch ist es aber inso­fern, als die Bayern von Guar­diola so begeis­tert sind, dass sie alles dafür tun, ihn mög­lichst lange zu halten. Und das bedeutet auch, mit Tuchel keine Ver­ab­re­dungen dar­über zu machen, was in ein oder zwei Jahren sein könnte. Bei Borussia Dort­mund war Tuchel (neben Lucien Favre) intern der Top­kan­didat für eine mög­liche Nach­folge von Jürgen Klopp. Nur wird, sollte die Saison des BVB nicht unvor­her­ge­sehen noch völlig implo­dieren, der Nach­folger von Klopp im Sommer Jürgen Klopp heißen. In Lever­kusen, einem Klub, der Tuchel immer sehr inter­es­siert und den sie dort zu seiner Mainzer Zeit stets im Auge hatten, sind sie mit Roger Schmidt aus­ge­spro­chen zufrieden. Und aus der Anbah­nung zwi­schen Schalke und Tuchel war ja letzt­lich nichts geworden, weil Tuchel der Kon­struk­tion mit Über­boss Cle­mens Tön­nies nicht richtig über den Weg traute.

Tuchel bleibt nur die Kate­gorie Schla­fender Riese“

Damit sind aber schon die Großen der Liga durch­de­kli­niert (die bes­tens auf­ge­stellten Glad­ba­cher und Wolfs­burger seien hier nur der Voll­stän­dig­keit halber erwähnt). Also ist man schon bei der Kate­gorie Schla­fender Riese“, zu der Han­nover 96 als hin­kender Mit­tel­ständler eher nicht gehört. Beim VfB Stutt­gart hatten sich viele Fans beschwert, dass ihr Klub sich nicht genug um Tuchel küm­merte, nachdem der Stutt­garter Zei­tung“ ein­ge­fallen war, dass der als Schwabe und ehe­ma­liger Jugend­trainer beim VfB doch ein beson­deres Ver­hältnis zum Verein hätte. Viel­leicht stimmt das, aber für Tuchel ist der HSV trotzdem viel attrak­tiver. Die Ham­burger haben trotz der ver­hee­renden letzten Jahre auf­grund der Wirt­schafts­kraft in der Stadt und inter­na­tio­naler Aus­strah­lung immer noch deut­lich mehr Poten­zial, so komisch diese Fest­stel­lung ange­sichts der aktu­ellen Situa­tion auch erscheint.

Tja, und das ist es dann im Moment auch schon. Denn die Behaup­tung, dass Tuchel zu RB Leipzig gehen würde, hatte nie wirk­liche Sub­stanz und hat sich mit dem Ver­bleib des Klubs in der Zweiten Liga end­gültig erle­digt. Es ist also wohl eine sehr gut nach­voll­zieh­bare Ver­mu­tung, dass Thomas Tuchel sich ange­sichts der Rück­kehr des Laber-HSV schlecht gelaunt fragt, ob er da wirk­lich gut auf­ge­hoben ist. Mal ganz davon abge­sehen, dass der Klub bei aller auf­re­gender Zukunfts­pla­nung irgendwie erst einmal durch die Gegen­wart kommen muss. Und die heißt, man könnte es fast ver­gessen, übri­gens Abstiegs­kampf.