Russ­land spielt gegen Ägypten – und ich bin nicht dabei. Dieser Satz ist immer noch sehr bitter für mich. Ich habe zwei Jahre hart dafür gear­beitet, bei dieser Heim-WM auf­zu­laufen. So etwas kommt nicht wieder! Bei meinem Klub Fener­bahce habe ich in dieser Saison fast alle Spiele über 90 Minuten bestritten. Wir wurden Zweiter und sind ins Pokal­fi­nale gekommen, ich fühlte mich topfit. Doch ich hatte schon ein komi­sches Gefühl, als der Trainer Sta­nislaw Tschertschesow im Vor­feld alles dafür getan hat, um den Ver­tei­diger Sergey Ignach­e­vich zurück­zu­holen. Er ist 38 Jahre alt und hatte seit zwei Jahren kein Spiel mehr bestritten. Ignach­e­vich hat eine außer­ge­wöhn­liche Qua­lität, aber wir anderen Ver­tei­diger haben uns schon gefragt: Wofür haben wir dann zwei Jahre lang Gas gegeben? 

Es lag nicht an meiner Leis­tung!

Der Trainer hat in der ganzen Zeit auch kaum mit mir gespro­chen. In der Vor­be­rei­tung wurde ich dann in sein Zimmer gebeten, wo er mir erklärt hat, dass es für mich nicht reiche. Ich konnte seine Erklä­rungen nicht nach­voll­ziehen, doch gab keine großen Wider­worte. Es war nicht die Zeit für großen Streit, ich habe meine Sachen gepackt und mich von den Jungs ver­ab­schiedet. Drei Stunden später bin ich nach Deutsch­land geflogen. Ich habe schon eine gewisse Selbst­re­fle­xion und sage: Mit meiner Leis­tung hat die Aus­mus­te­rung nichts zu tun gehabt. Wenn ich wieder für Russ­land nomi­niert werde, will ich nur eines: eine faire Chance.

Mit einer Sache muss ich noch auf­räumen: In man­chen Medien hieß es, dass mich die Disco-Affäre“ wohl die WM gekostet habe, als Kon­stantin Rausch und ich angeb­lich nach einem Län­der­spiel um die Häuser gezogen wären. Zunächst einmal hat mir der Trainer gesagt, dass das Ganze für ihn keine Rolle gespielt habe. Zwei­tens waren wir in keiner Disco, son­dern in einem Restau­rant. Das Spiel war erst spät abends zu Ende, wes­wegen wir auch natur­gemäß spät gegessen haben. Irgendein Fan hat daraus eine große Sache gemacht und Han­dy­vi­deos von uns im Restau­rant ver­schickt. Ich frage mich: Was hat er davon? Kon­stantin und ich sind nach dem Essen ins Hotel gegangen. Das nächste Trai­ning sollte um 12 Uhr mit­tags statt­finden. Wir waren um 9 Uhr bereits am Gelände. So viel zur angeb­li­chen Disco-Affäre“!

Ich habe Golovin zum Wechsel geraten

Viel­leicht zeigt auch diese Geschichte die all­ge­meine Auf­ge­regt­heit in Russ­land rund um das Tur­nier. Immer wieder sagten die Jungs wäh­rend der Vor­be­rei­tung: Oh, die Presse zer­stört uns gerade wieder.“ Mich freut es des­wegen umso mehr, dass sie so einen guten Start erwischt haben. Auch wenn es nur“ gegen Saudi-Ara­bien ging – die Jungs können kicken. Schauen Sie sich Alek­sandr Golovin im Mit­tel­feld an, er hat unglaub­li­ches Poten­zial. Ich habe ihm immer wieder gesagt: Junge, du musst nach Europa.“ Juve und Arsenal sollen an ihm inter­es­siert sein, aber er und andere Talente schre­cken noch vor dem Schritt ins Aus­land zurück. 

Nur zwei Spieler aus dem Kader spielen nicht in Russ­land. Einer ist der Ersatz­tor­wart, der andere Denis Che­ryshev. Er wurde ein guter Kumpel von mir, weil er eine ähn­liche Bio­grafie hat. Sein Vater war auch Profi und er lebte ab seinem vierten Lebens­jahr im Aus­land, in Spa­nien. Denis und ich haben im Trai­nings­lager zusammen das Video­spiel Fort­nite“ gezockt und was soll man sagen: Treffen kann der Kerl. Diese beiden Tore im ersten Spiel, eines mit dem Außen­rist, kann man schon so machen.

Wir müssen die Pass­wege zu Salah zustellen

Er wird am Dienstag wohl von Beginn an sein Können zeigen. Gegen die Ägypter kommt es aber vor allem auf die Defen­sive an. Sie haben das erste Spiel ver­loren und werden richtig los­legen. Dazu wird Mo Salah dabei sein, wir müssen die Pass­wege gut zustellen, um ihn abzu­schneiden. In der Vor­be­rei­tung haben wir mit Drei­er­kette ver­tei­digt, aber ich kann mir auch vor­stellen, dass der Trainer die Vie­rer­kette wieder wählt. Beide Sys­teme haben wir im Trai­ning durch­ge­spielt, wir sind da fle­xibel. Ich sage immer noch wir“, auch wenn ich nicht auf dem Platz stehe. So hart es ist. Ich werde die Jungs in Spa­nien vor dem Fern­seher anfeuern. Sie haben jede Unter­stüt­zung ver­dient.