Herr Eigler, welche Erin­ne­rungen haben Sie an den 23. November 2008?
(Lacht) An diesen Tag habe ich natür­lich sehr gute Erin­ne­rungen, weil ich im Fran­ken­derby“ das Siegtor für den Club“ geschossen habe. Das war für mich als Ex-Für­ther schon ziem­lich beson­ders. Der Stel­len­wert dieses Tores ist auf jeden Fall ziem­lich hoch.

Können Sie sich denn noch genau an den Moment erin­nern, als der Ball ins Tor ging?
Sowas ver­gisst man nicht. Der Ball ging richtig schön in den Winkel. So trifft man den ja auch nicht alle Tage. Außerdem werde ich jedes Jahr aufs Neue von den Jour­na­listen kon­tak­tiert und so mit der Geschichte kon­fron­tiert (lacht).

Viele Spieler ver­meiden es heut­zu­tage, Treffer gegen ihre alten Clubs zu beju­beln. Sie hin­gegen sprangen unmit­telbar nach ihrem Tor über die Bande und stellten sich jubelnd vor die Nürn­berger Kurve.
Ich bin da nicht so, weil mein Herz immer nur für den Verein schlägt, für den ich spiele. Da ist es mir eigent­lich relativ egal, ob es ein Ex-Verein ist oder nicht, des­wegen habe ich auch so geju­belt. Ich glaube, man kann auch nur wirk­lich 100 Pro­zent bringen, wenn man in dem Moment keine Rück­sicht nimmt. Fuß­ball spielt sich viel im Kopf ab und wenn man sich dann wäh­rend des Spiels Gedanken um den alten Verein macht, hemmt das. Auch wenn mir das wahr­schein­lich viele Für­ther Fans übel­nahmen. Ich habe den Moment vor der Kurve genossen – ohne schlechtes Gewissen.

Kam es danach zu Anfein­dungen von Für­ther Fans – im Sta­dion oder auf den Straßen? Immerhin spielten sie drei Jahre für Fürth.
Nein. Das habe ich eigent­lich nie so erlebt. Für mich war das Tor inso­fern positiv, weil ich den Nürn­berger Fans zeigen konnte, dass ich mit vollem Herzen im Nürn­berger Trikot spiele. Ich bin 30 Kilo­meter süd­lich von Nürn­berg auf­ge­wachsen und hatte gene­rell nicht so viel zu befürchten, weil die ganze Region es eigent­lich mehr mit dem Club“ hält. Außerdem habe ich durch das Tor nix ver­bro­chen – für mich gehört das Jubeln ein­fach dazu.

Sie scheinen ein Mann der wich­tigen Tore zu sein. In vier Rele­ga­ti­ons­spielen mit dem Club schossen sie drei Tore. Was macht für Sie den Reiz solch packender Duelle aus?
Die Druck­si­tua­tion und die Bri­sanz in solch spe­zi­ellen Begeg­nungen hat mir immer gut getan. Ich konnte mich in diesen Spielen immer gut fokus­sieren und noch ein Stück besser auf das eigene Spiel kon­zen­trieren. Im End­ef­fekt wäre es mir aber auch recht gewesen, ich hätte in dem ein oder anderen unwich­ti­geren“ Spiel ein paar Tore geschossen.

Sie spielten in Ihrer Kar­riere vier Mal gegen Nürn­berg. Wissen Sie noch, wie die Spiele aus­gingen?
(über­legt) Ich kann mich noch an ein Derby mit Fürth erin­nern – da war ich noch recht jung – das müsste Unent­schieden aus­ge­gangen sein. Und an ein Spiel mit Arminia Bie­le­feld, weil ich so schlecht gespielt habe, dass ich in der Halb­zeit aus­ge­wech­selt worden bin (lacht). Bei den anderen zwei Par­tien hakt’s gerade.

In vier Duellen gegen Nürn­berg spielten Sie immer Unent­schieden. Tore von Ihnen: Fehl­an­zeige. Wollten Sie nicht gegen den Club“ gewinnen?
Nein. Das war Zufall. Wobei ich mich an das besagte Spiel für Bie­le­feld noch gut erin­nere. Meine Club-Ver­gan­gen­heit und Gerüchte über einen bal­digen Wechsel nach Nürn­berg waren in den Bie­le­felder Medien kurz vor dem Spiel ein großes Thema. Der Rummel hat mich in der Situa­tion viel­leicht doch ein biss­chen gehemmt. Im End­ef­fekt war ein Punkt dann ja doch gar nicht schlecht. 

In Ihrer wei­teren Kar­riere spielten Sie noch für Bie­le­feld und Ingol­stadt. Von Ingol­stadt aus hatten Sie es nicht weit nach Hause“, von Bie­le­feld aus schon. War es ein komi­sches Gefühl, fern der Heimat zu spielen?
Die Heimat habe ich natür­lich ver­misst, aber mir haben die zwei Jahre in Ost­west­falen auch gefallen. Trotzdem gab es immer irgendwie den Drang, zurück nach Franken zu kehren. Als dann das Angebot von Nürn­berg kam, musste ich nicht lange über­legen.

Gucken wir aufs aktu­elle Tages­ge­schehen. Heute Abend findet das 260. Fran­ken­derby statt. Für wen schlägt ihr Herz?
Zu 100 Pro­zent für den Club“. Ich bin zwar nicht wie ein Fan, der irgend­etwas gegen Fürth hat, zumal ich dort ja auch eine schöne Zeit hatte, aber Nürn­berg war meine inten­sivste Sta­tion. Ich glaube auch, dass sie das Derby gewinnen werden.

Ihr Tipp?
4:0 für Nürn­berg – der Knoten platzt. Wird Zeit, dass sie das Derby nach so langer Zeit mal wieder gewinnen. Und die Chancen stünden dann ja auch nicht schlecht, dass der Club“ am Ende end­lich wieder auf­steigt.