Herr, Eder wie kommt ein ehe­ma­liger Fuß­ball­profi ins Blu­men­ge­schäft?

Meine Frau stammt aus einem Gärt­ne­rei­be­trieb und führt unseren Laden bereits seit gut 15 Jahren. So wie meine Lei­den­schaft immer der Fuß­ball war, hing ihr Herz an den Blumen. Weil die Kinder damals schon alt genug waren, haben wir uns ent­schlossen, auch in diesem Bereich etwas auf­zu­bauen. Meine Frau küm­mert sich um Ein­kauf und Ver­kauf, für alles andere wie Lie­fe­rungen, Admi­nis­tra­tion und Büro­ar­beit bin ich zuständig. 



Wie groß ist Ihr Betrieb?

Wir haben außer meiner Frau im Laden noch vier Fest­an­ge­stellte und drei Aus­hilfen. Es ist ein rich­tiger Fami­li­en­be­trieb. So wie Uli Hoeneß seine Wurst­fa­brik hat, haben wir unseren Blu­men­laden. 

Sind Sie denn dem Fuß­ball in irgend­einer Funk­tion erhalten geblieben?

Nur als Trainer in der Bezirks­liga, bei der TuS Holz­kir­chen in unserer Gegend. Es war nach der aktiven Kar­riere eine bewusste Ent­schei­dung, nicht weiter im Pro­fi­ge­schäft tätig zu sein, weil das dann doch wieder Stress und viele Orts­wechsel bedeutet hätte. Jupp Heynckes hat mir aber immer gesagt, dass ich mal Trainer werden würde. 

Sie haben ins­ge­samt nur neun Län­der­spiele absol­viert, davon aber sieben bei der WM 1986 – eine beein­dru­ckende Bilanz! Wie kam es zu dieser Kon­stel­la­tion?

Ich bin erst 1984 mit 28 Jahren von Nürn­berg zum FC Bayern gewech­selt. Mit Uli Hoeneß hatte ich noch ein halbes Jahr beim Club“ zusam­men­ge­spielt. Der Transfer war für mich ein wirk­li­ches Geschenk! Was ich in den vier Jahren in Mün­chen erreicht habe, war unglaub­lich. Obwohl ich nicht als Star ver­pflichtet wurde, spielte ich Stamm und saß im Mann­schaftsrat, wir gewannen bis 1986 zwei Mal die Meis­ter­schaft und den DFB-Pokal. Wir hatten eine Super­truppe mit Sören Lerby, Dieter Hoeneß, Lothar Mat­thäus, Andy Brehme und Klaus Augen­thaler. Und ich war mit­ten­drin. 

Erst unmit­telbar vor der WM in Mexiko debü­tierten Sie in der Natio­nalelf.

Franz Becken­bauer rief an und sagte: Nor­bert, ich will dich mit zur WM nehmen.“ Ich hatte kein ein­ziges Län­der­spiel und fragte ihn, wie er das der Presse erklären wolle. Er sagte mir, dass ihm die Presse egal sei: Ich habe dich jetzt zwei Jahre bei den Bayern gesehen. Ich brauche Spieler wie dich, rich­tige Kerle, die genug Erfah­rung und keine Angst haben!“ Drei Wochen vor der WM bin ich dann zum ersten Mal zur Mann­schaft gestoßen. 

Welche Posi­tion spielten Sie in Becken­bauers System?

Die Sechs. Bei Bayern hatte ich mit Klaus Augen­thaler die Innen­ver­tei­di­gung gebildet. Im Test­spiel gegen Jugo­sla­wien spielte ich vor der Abwehr, und in der Halb­zeit kam Becken­bauer auf mich zu und sagte: Deinen Urlaub ver­bringst du in Mexiko!“

Welche Erin­ne­rungen haben Sie an die Welt­meis­ter­schaft in Mexiko?

Wir sind über­haupt nicht gut gestartet, haben uns dann aber extrem gestei­gert. Der Knack­punkt und unser bestes Spiel war das Halb­fi­nale gegen Frank­reich mit Pla­tini und Tigana. Wir gewannen 2:0, ein Wahn­sinns­spiel. 

Im Finale gegen Argen­ti­nien standen Sie 90 Minuten auf dem Platz. Wer war Ihr Gegen­spieler?

Einen direkten Gegen­spieler hatte ich nicht, ich spielte im Raum und nahm alle, die kamen. Das konnte auch Mara­dona sein, um den sich aber haupt­säch­lich Lothar Mat­thäus küm­merte. Das Finale war trotz der Nie­der­lage das abso­lute High­light meiner Kar­riere und wohl auch mein bestes Spiel bei dem Tur­nier. 

Nach der WM machten Sie dann kein Spiel mehr für den DFB.

Das war vorher so abge­spro­chen. Ich war ja schon 30. Außerdem hatte ich mit der WM-Teil­nahme den Höhe­punkt erreicht, was hätte da noch kommen sollen? 

Die meisten Spiele absol­vierten Sie für den 1. FC Nürn­berg. Am Samstag trifft der Club“ auf den Ham­burger SV. Wie liefen die Duelle mit den Ham­bur­gern in den Acht­zi­gern?

Der HSV hatte damals eine unglaub­lich starke Mann­schaft mit Manni Kaltz, Horst Hru­besch, gegen den ich in der Regel gespielt habe. Dazu Ernst Happel als Trainer, Günter Netzer war Manager. 

Das Pokal­halb­fi­nale 1982 gewannen Sie gegen die HSV-Stars mit 2:0.

Stimmt, wobei mir das Finale in Frank­furt natür­lich ein­drück­li­cher in Erin­ne­rung geblieben ist, alleine schon wegen Dieter Hoeneß und seinem Turban. Wir führten 2:0 und ver­loren dann noch. Das Tor von Hoeneß war aber nur der Schluss­punkt, den Aus­gleich machte Wolf­gang Kraus. Das hat uns das Genick gebro­chen damals. 

Aktuell ste­cken die Nürn­berger in der Krise, am ver­gan­genen Wochen­ende setzte es eine 0:4‑Klatsche in Dort­mund.

Das Spiel gegen Bremen habe ich im Sta­dion gesehen, da war die Mann­schaft extrem stark. Man merkt aber, dass den Jungs die Erfah­rung fehlt. Kon­stante Leis­tungen können sie nicht abrufen. Und wird der Druck ja erst richtig hoch, weil sie unten stehen. Ich kenne das aus meiner Zeit, bin zwei Mal auf- und abge­stiegen mit dem Club“. Die Mann­schaft braucht ein Erfolgs­er­lebnis wie die Bayern am Dienstag in Turin.