Ebbe Sand, schwimmen Sie im Schwimmbad nur am Rand?
(Lacht.) Nein.

Wir könnten nun auch fragen: Fahren Sie die Lok nach Lum­mer­land? Haben Sie im Knie ein Gum­mi­band? Und vor allem: Essen Sie Ihr Eis meist mit Kro­kant?
Weder noch. Sie spielen auf das Lied an, das die Fans für mich singen. Das ehrt mich sehr. Noch heute rufen sie diese Verse, wenn sie mich am Sta­dion sehen.

Es mag wohl an die 200 ver­schie­dene, meist schräge Stro­phen geben. Welche ist Ihre liebste?
Ich würde sagen: Wer köpft den Nagel in die Wand?“

(Lesen Sie alle Stro­phen unten in der Bil­der­ga­lerie)

Sie werden auf Schalke auch zehn Jahre nach Ihrem Kar­rie­re­ende immer noch besungen. Dabei ver­danken Sie Ihre Kar­riere einem Zufall.
Das stimmt, ich hatte nie das Ziel, Fuß­ball­profi zu werden. In meiner Jugend habe ich nur unter­klassig gespielt, nie bei einem großen Verein. Alles hing eigent­lich davon ab, dass mein Zwil­lings­bruder Peter zum Stu­dieren nach Kopen­hagen gegangen ist. Ich wollte eigent­lich in einer anderen Stadt Bau­in­ge­nieur­wesen stu­dieren, habe ihn aber schließ­lich begleitet. Das war mein Glück: Wir kickten nebenher bei einem Ama­teur­team in der Nähe, wo uns der Boss von Bröndby ent­deckte.

Wie alt waren Sie da?
23. Sehr spät berufen für einen Fuß­baller. Und selbst bei diesem Ver­trag hatte ich immer noch meine Zweifel, ob ich es als Profi schaffe. Ich ging also weiter zur Uni­ver­sität. Das Stu­dium war hart, in jedem Semester mussten wir fünf sehr schwere Prü­fungen bestehen. Der Auf­wand für meinen Beruf als Inge­nieur war so groß, dass ich noch weiter arbei­tete, als ich das Stu­dium schon abge­schlossen und den Pro­fi­ver­trag unter­schrieben hatte.

Wie ging das?
Ich war in einem Inge­nieur­büro ange­stellt, wir küm­merten uns um die Ver­le­gung von Gas­lei­tungen. Ich hetzte von der Arbeit zum Trai­ning und dann zurück zur Bau­stelle oder ins Büro. Bröndbys Manager sagte: Wir bezahlen dich fürs Spielen. Den Rest der Zeit sollst du auf der Couch liegen.“ Aber das konnte ich nicht. Also hat mir Bröndby nur die Hälfte meines Gehalts bezahlt, ich ver­zich­tete auf Geld, um zu arbeiten. Ein Wahn­sinn, wenn ich heute dar­über nach­denke. Nach einem Jahr gab ich dann die Stelle als Inge­nieur auf.

Wie ging es für Ihren Bruder weiter?
Er ist zu einem Verein in der zweiten Liga gewech­selt, später spielte er in Nor­wegen und Eng­land. Er hat eine super Kar­riere hin­ge­legt, doch er selbst und andere haben das natür­lich immer in Ver­hältnis zu meiner Lauf­bahn gesetzt. Für Peter war es nicht leicht, weil er immer auf mich ange­spro­chen wurde. Wir sind ein­eiige Zwil­linge, da kommt es oft zu Ver­wechs­lungen. Einmal war er abends in einer Dis­ko­thek, bis jemand zu ihm kam und schrie: Ebbe, hast du sie noch alle? Ihr habt morgen ein Spiel und du fei­erst hier!“ Eine gewisse Zeit lang war das schon für uns beide eine enorme Belas­tung.

Sie hätten in Ihrer Kar­riere auch feiern gehen und sich als Ihr Bruder aus­geben können.
(Lacht.) Ja, das hätte ich schon machen können. Doch gerade in der Zeit bei Bröndby war ich so fokus­siert, dass an Feiern nicht zu denken war. Ich konnte selbst das Trai­ning kaum erwarten. In den ersten acht Spielen schoss ich 17 Tore. Alles ging schnell, nur ein Jahr später lief ich bereits für die däni­sche Natio­nal­mann­schaft auf und fuhr zur WM 1998 in Frank­reich. Zwei Jahre vorher hatte ich noch stu­diert, nun spielte ich mit Leuten wie Peter Schmei­chel und den Lau­drup-Brü­dern zusammen.

Zu dieser Zeit sollen Sie schon schwer erkrankt gewesen sein.
Kurz vor dem Beginn des Tur­niers erreichte mich die Nach­richt, dass ein guter Freund von mir an Hoden­krebs erkrankt war. Ich dachte: Oh Gott, das kommt ja immer näher. Denn zu dieser Zeit ver­spürte ich bereits starke Schmerzen im Unter­leib. Ich wischte diese Gedanken aber weg und sprach mit nie­mandem über meine Vor­ah­nung. Als ich aus Frank­reich zurück­kehrte, saß ich mit meiner Frau daheim in der Küche. Sie machte eine all­ge­meine, eher harm­lose Bemer­kung über unseren Freund und das Thema Hoden­krebs. Plötz­lich brach ich in Tränen aus.