Seite 3: Depression und Fußball bleiben verknüpft

Also trifft Wea­ther­ston die Ent­schei­dung, die ihm unum­gäng­lich scheint und doch schmerzt. Mit der Fuß­ball-Kar­riere ist es vorbei. Ich liebe alles an Fuß­ball, ich rede den ganzen Tag über Fuß­ball, aber ich hasse das Gefühl, dass er in mir aus­löst“, erzählt er. Wenn die Krank­heit nicht wäre, hätte er eigent­lich erfolg­rei­cher und höher­klas­siger spielen können, glaubt Wea­ther­ston. Seine besten Spiele macht er aus­ge­rechnet gegen Celtic, Dundee und die Ran­gers — die renom­mierten Namen des schot­ti­schen Fuß­balls.

Es ist seltsam, kom­plett irra­tional. Du kannst nicht kon­trol­lieren, wie es sich anfühlt“, berichtet er. Die Angst war ein­fach plötz­lich da und wurde größer, wenn er sich ihr hingab. Dann begann er sich zu hin­ter­fragen: Anstatt auf die guten Dinge zu bli­cken, habe ich mich nach den Spielen immer selbst ana­ly­siert: Ich hätte das machen sollen, ich hätte dies machen sollen.“

Fuß­ball hilft nicht

Am Anfang denkt Wea­ther­ston, das sei ein wenig unge­wöhn­lich, aber im Grunde ganz normal. Zumal die Ängste mal größer und mal kleiner sind. Aber als sie auch auf sein Pri­vat­leben über­greifen, merkt er, dass etwas nicht stimmt. Soziale Zusam­men­künfte, selbst der Urlaub mit den besten Freunden beun­ru­higen ihn plötz­lich. Trotzdem bleiben Depres­sion und Fuß­ball für ihn stets ver­knüpft.

Es war nicht auf den Fuß­ball beschränkt, aber dass ich Fuß­ball gespielt habe, hat auch nicht geholfen“, sagt er. Im Gegen­teil: Die Umge­bung hat es schlechter gemacht“. Im Fuß­ball sei doch jeder in erster Linie mit sich selbst beschäf­tigt. Zwar hänge die Mann­schaft tag­täg­lich auf­ein­ander, Freund­schaften seien aber selten. Sobald er den Verein wech­selte, war es, als sei er nie­mals dage­wesen, meint Wea­ther­ston.

Nie mehr wie vorher

Die Härte und Kon­kur­renz des Fuß­ball­ge­schäfts setzen Wea­ther­ston unge­mein zu. Er sieht keine Mög­lich­keit sich zu öffnen oder über seine psy­chi­sche Ver­fasst­heit zu spre­chen, befürchtet gar, aus­ge­lacht zu werden. Seine Ängste frisst er also lieber in sich hinein: Es wurde nie mehr wie es vor dem Fuß­ball war.“

Er hätte viel eher über seine Krank­heit spre­chen sollen, sagt Wea­ther­ston heute. Aber er nimmt es hin, wenn seine Trainer ihn aus­sor­tierten, ohne diese über seine Pro­bleme auf­zu­klären. Lange redet er gar nicht dar­über, auch nicht außer­halb des Sports: Ich dachte, ich sei die ein­zige Person, die sich so fühlt. Es gab nie­manden, dem ich genug ver­traut hätte, um mich zu erklären.“ Des­halb sucht er auch nicht nach Hilfe, von sport­psy­cho­lo­gi­schen Ange­boten erfährt er nicht.