Am Tag nach dem Rausch muss jeder die Puz­zle­teile der Erin­ne­rung zusam­men­setzen. Jeff Mostyn ging es nicht anders, also teilte er über Twitter mit: Bin gerade erst auf­ge­taucht. Kann mir jemand sagen, was ges­tern Abend pas­siert ist…“

Nun, die Kurz­ver­sion der Gescheh­nisse liest sich so: Der AFC Bour­ne­mouth hatte mit einem 3:0 gegen Bolton den Auf­stieg so gut wie per­fekt gemacht. Vor dem letzten Spiel hat das Team drei Punkte und 19 Tore Vor­sprung auf den Tabel­len­dritten. Der 116 Jahre alte Tra­di­ti­ons­verein spielt so gut wie sicher ab August erst­mals in der Ver­eins­ge­schichte in der Pre­mier League.

Inner­halb von sieben Jahren mutierte der Klub damit von einem bank­rotten Viert­li­gisten zum Erst­liga-Auf­steiger. Jeff Mostyn erlebte diese tur­bu­lenten Zeit durch­ge­hend als Vor­sit­zender des AFC.

Der Vor­sit­zende als Fei­er­biest

Doch bei dieser Funk­tion beließ er es nach dem Auf­stieg nicht. Mostyn wurde zum Klub-Mas­kott­chen und unum­strit­tenen Fei­er­biest. In Schlips und Kragen hüpfte er wie ein Glücks­ball durch die Kabine, herzte die Spieler und ließ sich von ihnen hoch­leben. I love these fucking boys“, schrie er. Er war glück­lich, dass seine Jungs ihm den Schampus ins Gesicht spritzten, damit die Beob­achter seine Tränen der Freude nicht sahen. Wenn einer weiß, welch weiten Weg Bour­ne­mouth hinter sich gebracht hat, dann Mostyn. Wir standen am Abgrund und nun sind wir ganz oben“, sagte er in die Kameras.

Von Liga vier in die Pre­mier League

Im Jahr 2006 über­nahm der Broker aus Man­chester das Ruder in Bour­ne­mouth. Ein Artikel aus der dama­ligen Zeit im Bour­ne­mouth Echo“ ver­deut­licht die pre­käre Lage. Mostyn stellt darin zwar sein Enga­ge­ment in Aus­sicht, knüpfte dies aber an einen Struk­tur­wandel. Wir können kein Geld in diesen Klub ste­cken und mit dem bestehenden Manage­ment wei­ter­ma­chen.“ Unter dem Artikel war gar eine E‑Mail-Anschrift hin­ter­legt, unter der sich lokale Spender beim Verein melden konnten.

Der Klub star­tete in die vierte Liga mit 17 Punkten Abzug und einem Trans­fer­em­bargo. Die Fans waren schon zuvor mit Büchsen umher gelaufen, um Geld für den klammen Verein zu sam­meln. Bei der Trai­ner­frage ging der Klub das Risiko ein, mit Eddie Howe einem gerade mal 31 Jahre alten Trainer-Rookie die Ver­ant­wor­tung zu über­tragen.