Herr Bähre, wo finden wir Sie am Samstag?
Im Sta­dion, wie immer. Und nicht nur ganz Ham­burg, ich würde sagen: Ab 15.30 Uhr fie­bert ganz Deutsch­land mit, der HSV ist ja eine Insti­tu­tion in der Liga.

Um die es mal wieder nicht gut bestellt ist.
Ein Jeder, mit dem ich rede, leidet da mit. Am meisten aber leidet Uns Uwe. Er ist ja der HSV. Wenn ich im Aus­land bin und das Gespräch fällt auf den HSV, dann sagen alle sofort: Uwe Seeler!

Neben wem werden Sie das Spiel gegen Mön­chen­glad­bach ver­folgen?
Es hat Tra­di­tion, dass wir uns in einer der Logen treffen. Da kommt dann ein Uwe Seeler, ein Manni Kaltz, ein Özcan Arkoç, ein Harry Bähre. Da sitzen wir dann bei Speis und Trank. Uwe und ich machen das dann immer so, dass wir nach einem Sieg ein, zwei, drei Gläser Wein trinken. Aber das haben wir in diesem Jahr eher selten erlebt (lacht).

Werden Sie sitzen oder stehen?
Eigent­lich würde ich ja lieber stehen! Aber jetzt sitze ich meis­tens und stehe nur noch, wenn es mich wirk­lich vom Sitz reißt und ich hoch­springe.

Auch eher selten.
In den letzten Jahren kam das nicht oft vor. Ich sehe ein Spiel ja auch als alter Fuß­baller, als alter Trainer, und Sie müssen sich vor­stellen: Ich bin jetzt im 63. Jahr HSV-Mit­glied, ich habe bis hierhin alles mit­ge­macht! Und die letzten fünf, sechs Jahre sind dann doch unheim­lich an die Sub­stanz gegangen.

Sind Sie ein stiller Beob­achter eines Spiels oder ein lauter Hitz­kopf?
Ich bin ein ganz Stiller! Früher habe ich ein­fach das Spiel genossen, aber heute bin ich still, weil ich inner­lich so fürch­ter­lich nervös bin. Ich leide still vor mich hin, immer mit dem Prinzip Hoff­nung.

Wie gehen Sie mit Ihrer Anspan­nung um? Rau­chen Sie Kette? Kauen Sie an Ihren Fin­ger­nägel?
Ich gebe zu: Ich rauche dann schon mal eine mehr. Ich kaufe mir die aber nicht, ich kriege die dann zuge­steckt. Das ist schon eine enorme Anspan­nung. Wir Fuß­baller von früher kennen diese Situa­tion auf dem Platz ja auch gar nicht.

Wenn es gut läuft, rettet sich der HSV am letzten Spieltag noch zum dritten Mal in den ver­gan­genen fünf Sai­sons in die Rele­ga­tion. Gewöhnt man sich an das Leiden?
Das erste Mal Rele­ga­tion, damals vor vier Jahren gegen Fürth, tat schon fürch­ter­lich weh. Dass wir da über­haupt rein­ge­rutscht sind! Die zweite Rele­ga­tion gegen Karls­ruhe hat dann schon nicht mehr so weh getan. Und letztes Jahr sind wir ja noch ent­lastet worden. Dieses Jahr ist es jetzt wieder schlimmer geworden. Wir sind doch der letzte Dino!

Sie selbst gehörten vor 55 Jahren zum Kader der ersten Bun­des­liga-Mann­schaft des HSV. Wie sehr iden­ti­fi­zieren Sie sich mit dieser unun­ter­bro­chenen Liga­zu­ge­hö­rig­keit?
Ja gut, das ist dann viel­leicht Schnee von ges­tern, die Rea­lität hat uns ein­ge­holt. Aber HSVer bleibe ich natür­lich trotzdem bis an mein Lebens­ende! Dass da jetzt auch noch weniger schöne Erin­ne­rungen hin­zu­kommen, gehört viel­leicht zum Leben dazu. Aber für mich gilt: Einmal HSV, immer HSV.

Haben Sie Nicht­ab­stiegs­ri­tuale?
Ich nicht. Aber meine Frau zum Bei­spiel zieht zu den HSV-Spielen schon seit Monaten immer einen roten Pull­over an. Auch am Sonn­abend.

Gilt es beim HSV mitt­ler­weile als eine erfolg­reiche Saison, wenn man den Abstieg ver­hin­dert hat?
Ne, das kann man nun wirk­lich nicht sagen. Wir haben ja immerhin noch 55 Mil­lionen inves­tiert, wenn ich das richtig nach­voll­ziehe. Mit diesen Aus­gaben liegen wir im Ver­gleich zu den anderen Klubs im Mit­tel­feld. Wolfs­burg hat 90 Mil­lionen inves­tiert! Und schauen Sie, was da bei denen gerade her­aus­kommt. Ich gönne dem VfL ja nichts Schlechtes – nur an diesem Wochen­ende mal (lacht).