Axel Kruse, der ZDF-Reporter Thomas Wark hat im März 1993 wäh­rend der Live-Über­tra­gung des DFB-Pokal­halb­fi­nales zwi­schen Ihrem Klub Ein­tracht Frank­furt und Bayer Lever­kusen gesagt: Der Kruse hat in Ros­tock meh­rere Pferd­chen laufen.“ Am Wochen­ende danach ver­höhnte Sie das Publikum in Saar­brü­cken als Zuhälter“.
Eine sau­däm­liche Geschichte. Seit meiner Kind­heit bin ich ein großer Boxfan und zu dieser Zeit habe ich nie einen wich­tigen Kampf ver­passt. Damals tum­melte sich am Ring vom rei­chen Geschäfts­mann bis zum Zuhälter eben alles, was Rang, Namen oder Geld hatte. Und ich saß eben gerne in den vor­deren Reihen. Des­halb hatte ich auch Kon­takt zu der einen oder anderen Kiez­größe. Aber wie Wark auf die Idee kam, ich würde selbst Geschäfte im Milieu durch­ziehen, weiß ich bis heute nicht. Später hat er sich dafür im Sport­studio“ ent­schul­digt. Aber mein Ruf war trotzdem hin­über.

Sie sind im Juli 1989 aus der DDR nach West­deutsch­land geflohen. Mussten Sie – was das Ver­hältnis zwi­schen Jour­na­listen und Fuß­bal­lern betrifft – erst noch auf­ge­klärt werden?
Viel­leicht. Als ich 1989 in den Westen kam, war ich ein junger Typ mit großer Klappe. Und fol­ge­richtig bin ich in jedes Fett­näpf­chen getreten, das mir vor die Füße geschoben wurde.

Und wann haben Sie das Spiel­chen mit den Medien durch­schaut?
Wäh­rend meiner Zeit in Frank­furt stritt ich mich regel­mäßig mit Trainer Dra­goslav Ste­pa­novic. Und jedes Mal stand einen Tag später die Geschichte vom lieben Stepi und dem bösen Kruse in der Bild“- Zei­tung. Irgend­wann habe ich den Reporter zur Rede gestellt: Du bist jeden Tag beim Trai­ning und weißt genau, wel­chen Mist der hier ver­zapft – und trotzdem schreibst du für den. Warum?“ Was hat er geant­wortet? Er sagte: Ich muss jeden Tag eine Seite füllen. Und nach jedem Trai­ning darf ich zu Stepi in die Kabine. Der erzählt mir alles, was ich wissen will, und noch ein biss­chen mehr. Warum soll ich ihn also in die Pfanne hauen?“

Welche Erkenntnis zogen Sie daraus?
Dass es in der Bezie­hung zwi­schen Fuß­bal­lern und Medien nicht um die Wahr­heit geht, son­dern ledig­lich ums Geschäft. Das Ganze ist ein Zirkus. Ent­weder spielt man mit oder eben nicht.

Haben Sie mit­ge­spielt?
Ich denke nicht.

Die Zei­tungen tauften Sie wegen Ihrer Aus­brüche auf dem Platz Amok-Kruse“, Sie galten als Bad Boy.
Ulf Kirsten hat mal gesagt: Wenn keiner ruft: Kirsten, du Arsch­loch, weiß ich genau, dass ich schlecht gespielt habe.“ So sehe ich das auch. Ich habe kein Pro­blem damit, wenn mich das ganze Sta­dion beschimpft, das emp­finde ich eher als eine Form der Aner­ken­nung: Immerhin wirst du wahr­ge­nommen, scheinbar stellst du für die Fans des Geg­ners eine Bedro­hung dar. Das ist doch eine wun­der­bare Moti­va­tion!

Der Höhe­punkt der Kruse-Anti­pa­thie?
Nach dem Schubser gegen Schieds­richter Hans-Joa­chim Osmers.