11FREUNDE wird 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März erschien​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Skan­dal­ki­cker Ansgar Brink­mann.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Ansgar Brink­mann, waren Sie ein Skan­dal­profi?
(Über­legt lange.) Nö.

Son­dern?
Ich bevor­zuge den Begriff Frei­geist“. Ich bin der deut­schen Sprache mächtig, auch sonst ganz in Ord­nung, aber ich war kein Vor­zei­ge­profi. Abmah­nungen pflas­tern meinen Weg. In einigen Fällen war ich kurz vor den 20-Uhr-Nach­richten. Wenn Sie das skan­dalös nennen wollen, ist das Ihre Sache.

Was ist für Sie ein Fuß­ball­skandal?
Wenn Vlado Kasalo vom 1. FC Nürn­berg absicht­lich Eigen­tore schießt. Schie­bung. Wenn Leute sich vor einen Karren spannen lassen und andere drunter leiden. Meine Mutter hat gesagt: Ansgar, solange du nur dir scha­dest und nicht andere mit rein­ziehst, okay.“ Ich habe Spaß gehabt, hatte keine Lust, zwanzig Jahre nur Salat zu fressen, und habe die Kon­se­quenzen getragen.

Das heißt?
Ich hatte 39 Trainer und mit allen Krieg.

Wie schafft man es, mit 39 Trai­nern in den Krieg zu ziehen?
Es war auch Krieg im posi­tiven Sinne. Einige wussten genau, wie sie mich nehmen müssen.

Wer?
Hannes Linßen, Benno Möhl­mann. Die wussten, dass sie sich, wenn’s drauf ankommt, auf mich ver­lassen können.

Was zeich­nete Hannes Linßen aus?
Abso­luter Fach­mann, sehr empa­thisch. Einmal war Dirk van der Ven ver­schwunden, weil er drei Tage durchs Ruhr­ge­biet schlen­derte und ein Bier nach dem anderen trank. Als er wieder auf­tauchte, war­tete schon die Presse beim Trai­ning. Und was sagt der Coach? (Imi­tiert Lin­ßens hohe Stimme.) Vanny, ich weiß nicht, wo du warst und was du gemacht hast. Aber schön, dass du wieder da bist.“ Dann lässt er uns pau­senlos Sprints machen, bis der Vanny fast zusam­men­klappt. Und was sagt Linßen? Vanny, geh nach Hause, schlaf dich aus. Egal, was du dir geleistet hast: Samstag nehme ich dich mit, denn ich hab’ keinen Bes­seren.“ Das ist ein Trainer.

Mit wem war es schwer­gän­giger?
Dieter Brei, Rolf Schaf­stall. Mit der alten Schule. Da sollten alle im Gleich­schritt mar­schieren. Aber Para­graf eins – alles meins“, das ging mit mir nicht.

Diese Trainer hatten mit Ihrer Her­an­ge­hens­weise aber auch Erfolg.
Aber ein gutes Team ist eins, in dem Indi­vi­dua­listen als Kol­lektiv funk­tio­nieren. Den Schlüssel zu dem Prinzip aber muss der Trainer finden. Es macht mich kaputt, wenn Jogi Löw Leroy Sané bei der WM zu Hause lässt, weil der schwierig“ sei. Ein Zwan­zig­jäh­riger, der gerade in Eng­land zum besten Nach­wuchs­spieler gewählt wurde. Als Dieter Brei mal wieder was nicht passte, wollte er mich Kurz­sprints machen lassen. Da habe ich den Ball genommen und gesagt: Trainer, ich gehe jetzt ins Kino, und wenn du Glück hast, komm’ ich morgen wieder.“ Da hat er mich sus­pen­diert. Aber als wir gegen Ale­mannia Aachen spielten, hat er mich wieder auf­ge­stellt. Weil er wusste, dass ich es mit Leis­tung zurück­zahle.

In Ihrer Auto­bio­grafie schreiben Sie: Ein Skandal braucht fol­gende Zutaten: zu viel Alkohol, Übermut, häufig gekenn­zeichnet durch einen freien Ober­körper und in man­chen Fällen ein Stirn­band.“
Wo ist das Pro­blem, wenn ich so leben will?

Aber ein Profi mit Ihrem Talent, der sich so benimmt, schadet auch der Mann­schaft.
Ich habe mich nie als Egoist emp­funden, denn im Spiel habe ich immer alles rein­ge­knallt. Aber zum Paket Ansgar“ gehörte eben, dass ich unter der Woche auch mal einen halben Tag rück­wärts lief. Hätte ich das nicht aus­ge­lebt, hätte ich der Mann­schaft mehr geschadet als genutzt.

Ein Spieler, der ständig Fünfe gerade sein lässt, kann nicht sein Optimum abrufen.
Unter Druck funk­tio­nierte ich am Besten. Ich brauchte das Anlegen mit dem Trainer, um heiß zu laufen. Vor einem Spiel auf St. Pauli bin ich mit einem Kol­legen mal nachts auf den Kiez. Wir ließen die Korken knallen, der Mit­spieler ver­lief sich am Ende im Lauf­haus. Tags drauf gewannen wir am Mill­erntor – ich schoss ein Tor nach Allein­gang von der Mit­tel­linie.