Seite 2: „Hier ist ein Ball – Lasst uns gemeinsam spielen!“

Seit dem Sommer 2015 sind die Flücht­lings­ströme in Rich­tung Europa in den Mit­tel­punkt der öffent­li­chen Dis­kus­sion gerückt. Hat sich Ihre Arbeit im Zuge dessen ver­än­dert?
Eigent­lich nicht. Schließ­lich kommen wir aus der Flücht­lings­ar­beit und das war schon immer eine unserer Auf­gabe. Aber die Arbeit hat sich auf jeden Fall inten­si­viert, wir haben massiv junge Men­schen und Übungs­leiter geworben, die uns helfen, unsere Ange­bote umzu­setzen. Unsere Eigen­ge­wächse“ – also die Jugend­liche aus unserer Liga – haben ein unheim­li­ches Poten­tial und schaffen durch ihre eigene Bio­grafie, sprach­liche und inter­kul­tu­relle Kom­pe­tenz oft einen sehr schnellen und direkten Zugang zu den teil­neh­menden Gel­flüch­teten. Es ist sehr schön zu beob­achten, dass im Gegen­satz zu Flücht­lings­strömen der 90er-Jahre aus dem Balkan- und Jugo­sla­wi­en­kon­flikt heute die Flücht­lings­ströme mit sehr viel offe­neren Armen emp­fangen werden.

Wie stellen Sie Kon­takt zu den Flücht­lingen her?
Da sind wir sehr prag­ma­tisch. Wir gehen in die Unter­künfte, bringen Ball, Trai­nings­leib­chen und ein paar Leih­schuhe mit und rufen laut: Hier ist ein Ball – Lasst uns gemeinsam spielen!“ Dann dauert es meis­tens nicht lange bis man 30 oder 40 Jugend­liche um sich hat. Zuerst schaut man, ob man eine gemein­same Sprache findet und sonst ver­sucht man es eben non­verbal: Teams ein­teilen, ein kurzes Auf­wärm­pro­gramm, ein kleines Trai­ning und danach ein Tur­nier. Wenn sich die Trai­nings­ein­heiten eta­bliert haben, bilden wir Mann­schaften, die an der Liga teil­nehmen können. Dort kommen die Fuß­baller in Kon­takt, sam­meln Erfah­rungen, bauen Vor­ur­teile ab und finden neue Freunde.

Was raten Sie anderen Ver­einen, die ver­su­chen, ein Inte­gra­ti­ons­pro­jekt im Bereich Fuß­ball auf die Beine zu stellen?
Ich glaube, es ist ein­fach wichtig, dass man eine große Por­tion Offen­heit, Men­schen­kenntnis und inter­kul­tu­relles Inter­esse mit­bringt. Wichtig sind kon­ti­nu­ier­liche zuver­läs­sige Ter­mine nach dem Motto: Ab sofort ist hier jeden Don­nerstag Trai­ning. Da könnt ihr euch drauf ver­lassen, ich komm’ immer, bei Wind und Wetter und wir spielen dann gemeinsam Fuß­ball. Damit kann man viel bewegen – und trifft auf ganz viel Dank­bar­keit.

bunt­kickgut ist immer auf der Suche nach Unter­stüt­zern für die Trai­nings­ein­heiten und die anderen Bereiche des Pro­jekts. Meldet euch ein­fach unter: team@​buntkicktgut.​de