Seite 3: „Wir lieben Mertesacker!“

Haben Sie heute noch Fans unter den Fuß­ball­profis?
Ver­mut­lich ist jeder zweite ein Fan von mir.

Sie scherzen.
Gucken Sie sich mal die Fri­suren der heu­tigen Spiel­erge­nera­tion an. Alles Punks, alle mit Mohawk oder gefärbten Haaren – wie ich früher. (Lacht.) Im Ernst: In den Sieb­zi­gern hätten die mit ihren Tat­toos und Haaren Auf­sehen erregt, heute ist das common sense. Es gibt mitt­ler­weile nur wenige Typen, die das nicht mit­ma­chen – Mer­te­sa­cker und Podolski, zum Bei­spiel.

Was halten Sie von den beiden?
Podolski ist ein netter Typ, manchmal erin­nert er mich an einen fre­chen Hoo­ligan-Jungen. Er hat einen guten Abschluss, aber er ist so faul. Er ist nie zurück­ge­laufen – aber dum­mer­weise auch nie nach vorne. Ist er über­ge­wichtig? Viel­leicht sollte er weniger Donuts essen. Aber jetzt ist er ja eh weg.

Und Per Mer­te­sa­cker?
Auch extrem langsam und manchmal behäbig. Wenn er aber gut drauf ist, kann er gefähr­liche Situa­tionen früh­zeitig erkennen und die Mann­schaft mit­reißen. Manchmal brauchst du nicht die besten Spieler, son­dern ein­fach nur die besten Typen. Außerdem hat er den coolsten Spitz­namen, den man haben kann: BFG – Big Fucking German. Jedes Mal, wenn wir ihn mit diesem Namen besingen, lächelt er. Cooler Typ. Wir lieben ihn.

Was ist mit Mesut Özil?
Aus ihm werde ich nicht schlau. Ver­mut­lich ist er bril­lant, und es fehlen ihm schlichtweg die bril­lanten Mit­spieler.

Wenger sieht das anders.
Wenger ist für mich ein reli­giöser Dik­tator. Der Mann macht mich Jahr für Jahr ver­rückter mit seiner arro­ganten fran­zö­si­schen Art.

Sie haben ihn mal mit dem ehe­ma­ligen Sex-Pis­tols-Manager Mal­colm McLaren ver­gli­chen.
Ich mag diesen Ver­gleich. Beide maßen sich an, alles immer besser zu wissen. Es sind Typen, die man mit Vor­sicht genießen muss.

Sie sagen, dass Sie keine Ahnung von Taktik haben. Was werfen Sie Wenger vor?
Er ist ein Theo­re­tiker, ein Pro­fessor, der Theorie vor Mensch­lich­keit stellt. Was ihm aber vor allem fehlt, ist ein Plan. Er stellt die Spieler nicht mal mehr darauf ein, gegen wen sie spielen. Wir ver­lieren plötz­lich 3:6 gegen Man­chester City, 1:5 gegen Liver­pool oder 0:6 gegen Chelsea. Mer­te­sa­cker hat mal etwas sehr Inter­es­santes dazu gesagt: Wir als Spieler müssen gucken, dass wir uns besser auf den Gegner ein­stellen.“ Das impli­ziert für mich, dass sich das Team mitt­ler­weile selbst coacht.

Stimmt es eigent­lich, dass Sie und Mal­colm McLaren mal Ange­bote von Arsenal hatten?
Ich war 14 Jahre alt, als ein Scout an unsere Schule kam. Ich durfte dann einmal vor­spielen, war aber nicht gut genug.

Und McLaren?
Ich kenne das Inter­view, in dem er das behaup­tete. Aber ich bitte Sie! Hätten Sie sich den kleinen Lord auf dem Platz vor­stellen können?

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John Lydon, 59, besser bekannt unter seinem Künst­ler­namen Johnny Rotten, war ab 1975 Sänger der eng­li­schen Punk­band Sex Pis­tols. Mit Public Image Ltd. ver­öf­fent­licht er im Sep­tember sein neues Album What the World Needs Now“. Kürz­lich waren PIL erst­mals nach dreißig Jahren wieder in Deutsch­land auf Tour. Im November spielen sie eine Tour in Nord­ame­rika.