Stefan Rei­singer, können Sie sich noch an Ihre sport­liche Situa­tion vor genau einem Jahr erin­nern?
Ja, da spielte ich noch mit For­tuna Düs­sel­dorf in der 1. Fuß­ball-Bun­des­liga.

Genauer gesagt, waren Sie Dop­pel­tor­schütze beim 2:3 gegen den FC Augs­burg. Nach Ihrem Wechsel zum 1. FC Saar­brü­cken kämpfen Sie nun gegen den Abstieg in Liga 3. Wir fragen uns: Warum tun Sie sich das an?
Keine Frage, ich wäre auch lieber noch in der Bun­des­liga. Ich habe mich jetzt für einen län­ger­fris­tigen Weg in Saar­brü­cken ent­schieden. Der Klas­sen­er­halt ist die wich­tigste und schwie­rigste Auf­gabe meiner Kar­riere.

Sie besitzen bereits den A‑Trainerschein. Auf den Trai­ner­stuhl in Saar­brü­cken haben Sie aber noch keinen Anspruch erhoben, oder?
Nein, ganz und gar nicht (lacht). In den kom­menden zwei­ein­halb Jahren möchte ich als aktiver Fuß­ball­profi auf dem Platz stehen. Davon abge­sehen, macht unser Coach Milan Sasic einen sehr guten Job.

Ganz und gar nicht zufrieden sollen Sie von der Trai­nings­ar­beit in Düs­sel­dorf gewesen sein. Lag es an Ihrer Kritik des Trai­nings, dass Sie im November 2013 durch Mike Büs­kens sus­pen­diert wurden?
Es ist sicher­lich richtig, dass ich als erfah­rener Spieler früh­zeitig Lösungs­vor­schläge gegen unseren Nega­tiv­trend vor­ge­tragen habe. Ich denke, dass man seine ehr­liche und kri­ti­sche Mei­nung auch kundtun soll. Wäh­rend andere dies lieber im Geheimen und hinter dem Rücken tun, habe ich mich immer direkt geäu­ßert.

Bis dato liefen Sie in jedem Spiel auf, schossen zwei Tore. Fühlten Sie sich als Bau­ern­opfer im Medi­en­zen­trum Düs­sel­dorf?
Ich muss schon zugeben, dass mich die Situa­tion sehr belastet hat. Gerade auch, weil die Ver­ant­wort­li­chen kon­krete Gründe für meine Sus­pen­die­rung nie genannt haben. Und wenn man zurück­blickt, muss man fest­halten, dass es ohne mich auch nicht besser lief.

Ganz im Gegen­teil. Mike Büs­kens wurde wäh­rend Ihrer ein­mo­na­tigen Zwangs­pause ent­lassen.
Ver­stehen Sie mich bitte nicht falsch! Mir ging es nie um den Trainer. In meinem Alter ist es mir eigent­lich egal, wer dort auf dem Stuhl sitzt. Ich wollte ein­fach nur zurück in die Bun­des­liga.

Abge­sehen von Ihrer Per­so­nalie wurden im Früh­jahr 2013 Andrej Voronin und Nando Rafael sus­pen­diert. Am 1. Spieltag der neuen Saison ver­ließ Michael Ren­sing die Umkleide. Ist das noch Zufall?
Ich will jetzt nicht so weit gehen, zu behaupten, dass For­tuna Düs­sel­dorf prä­de­sti­niert für diese Zwi­schen­fälle ist. Vieles wird von der Presse eben auch feh­ler­haft kom­mu­ni­ziert.

Die Presse ist also Schuld?
Wenn ich sage, dass ein Trainer das schwächste Glied der Kette ist, wird mir das negativ aus­ge­legt. Wenn ich nach zwei Siegen auf Nach­frage meine Über­ra­schung über die Nicht­be­rück­sich­ti­gung in der Start­for­ma­tion äußere, wird mir das eben­falls negativ aus­ge­legt. Ich finde das ist die Wahr­heit, meine Denk­weise, und die spreche ich aus.

Das schwächste Glied, Mike Büs­kens, wurde mitt­ler­weile durch Lorenz-Gün­ther Köstner ersetzt. Warum sind Sie also nicht geblieben?
Es stimmt schon, ich hätte meine Chance bekommen. Aber ich kann nicht ewig Fuß­ball spielen. Saar­brü­cken hat sich sehr um mich bemüht, damit wir etwas Lang­fris­tiges auf­bauen. Und so werde ich nicht zum Wan­der­vogel der zweiten Liga!

Sie mussten meh­rere Sta­tionen durch­laufen, ehe Sie im Pro­fi­ge­schäft ankamen. Ihr erstes Jahr im Her­ren­be­reich spielten Sie noch in der Bay­ern­liga bei der SpVgg Landshut.
Stimmt, das Glück eines Fuß­ball­in­ter­nats habe ich nie genießen dürfen. Statt­dessen habe ich eher hob­by­haft trai­niert und meine Aus­bil­dung zum Bank­kauf­mann begonnen.

Hatte der 18-jäh­rige Stefan Rei­singer über­haupt noch diesen Traum des Berufs­fuß­bal­lers?
Mit meinem Wechsel zu den Für­ther Ama­teuren im Sommer 2001 hat sich einiges in meinem Leben ver­än­dert. Um irgend­wann in der Bun­des­liga zu spielen, habe ich Tag und Nacht gear­beitet. Na gut, nachts ist über­trieben (lacht).

Mit dem SC Frei­burg spielten Sie seit 2009 im Fuß­ball-Ober­haus. Ihr erstes Tor erzielten Sie aus­ge­rechnet gegen den FC Bayern. Klingt nach roman­ti­scher Underdog-Story.
Geil war das auf alle Fälle! Gerade da ich ja aus dem bay­ri­schen Umland komme und der FC Bayern immer mein Traum­verein war. Zu dieser Zeit ging es mit mir steil bergauf, trotz meiner 27 Jahre. Robin Dutt, der im Breisgau auf mich gesetzt hatte, habe ich viel zu ver­danken.

Weniger roman­tisch geht es der­zeit in Saar­brü­cken zu. Fünf Punkte vom ret­tenden Ufer ent­fernt. Am Samstag kehren Sie im Derby gegen Elvers­berg aus der Win­ter­pause zurück. Ist diese zusätz­liche Bri­sanz als Vor- oder Nach­teil aus­zu­legen?
Es ist eine Druck­si­tua­tion, die uns aber voll­kommen bewusst ist. Es ist eines von 17 Spielen, die wir mit einem Erfolgs­auf­takt beginnen wollen. Der Abstieg mit Düs­sel­dorf war das schlimmste, was ich bisher erlebt habe. Glauben Sie mir, das brauche ich kein zweites Mal. 

Sehen Sie sich bereits als Füh­rungs­spieler in Saar­brü­cken?
Auf­grund meines fort­ge­schrit­tenen Alters ist das erst einmal anzu­nehmen. Das kann ich aller­dings nur mit Leis­tung unter­mauern.

Stefan Rei­singer, Ihr Ver­trag geht bis 2016. Anschlie­ßend sollen Sie im Verein inte­griert werden. Klingt nach geplantem Kar­rie­re­ende?
Das ist doch logisch. In die Bun­des­liga kehren meine alternden Kno­chen nicht mehr zurück, zumin­dest nicht als Spieler.