Herr Nie­de­cken, der 1. FC Köln erlebt tur­bu­lente Zeiten. Was denken Sie über das Ende von Jörg Schmadtke?

Ich kann den Schritt von Jörg Schmadtke total nach­voll­ziehen. Man sollte langsam wissen, dass er sich nicht zum Spiel­ball machen lässt. Ein kon­se­quenter Schritt, der meinen Respekt ver­dient, auch wenn ich ihn sehr ver­missen werde.

Dabei haben Sie schon viele Höhen und Tiefen mit­er­lebt. Wann wurde Ihre Liebe zum FC ent­flammt?

Da war ich noch ein kleiner Junge. Wäh­rend die Spiele im Radio liefen, habe ich mit meinen Matchbox-Autos gespielt. Wich­tigster Name schon damals: Hans Schäfer. Umso schöner war es dann ihn selbst ken­nen­zu­lernen.

Wie kamen Sie zu der Ehre?

Ich habe dieses Stück FC Jeff Jas“ geschrieben. Dafür haben wir ein Musik­video gedreht. Hans Schäfer hat eben­falls mit­ge­spielt. Bei einer Szene sitzen wir gemeinsam auf der Tri­büne. Das war unglaub­lich. Er hat mir erklärt was die da unten machen und wie das geht. Das wäre so, als ob Chuck Berry mir bei einem Stones-Kon­zert erklärt, was der Keith da auf der Gitarre macht.

Warum haben Sie FC Jeff Jas“ geschrieben?

Das war nach unserem ersten Abstieg. Der hat ver­dammt weh getan. Ich hatte Angst, dass die Fans den Verein ver­lassen. Das Lied sollte zum Zusam­men­halten moti­vieren. Nicht dass die Leute auf einmal nach Lever­kusen wech­seln.

Hat Köln aus all den Ab- und Auf­stiegen gelernt?

Ja, vor allem seit dem letzten Auf­stieg geht es bergauf. Dabei war ich nach diesem Abstieg wirk­lich sauer. Am letzten Spieltag haben wir gegen Bayern gespielt und die Wilde Horde“ hat meh­rere Rauch­bomben gezündet. Schlechte Ver­lierer halte ich nicht aus. Es geht ja nicht nur um sen­ti­men­tale Gefühle für seinen Verein. Es geht ja auch um Sport. Und wenn man ver­dienter Weise absteigt, dann nimmt man das hin. Ende.

Dabei sind Sie immer wieder gerne im Sta­dion. Was bedeutet der Sta­di­on­be­such für Sie?

Das ist ein ästhe­ti­sches Gefühl. Ich fühle mich wohl, wenn ich schöne Spiel­züge und anti­zi­pierte Lauf­wege sehe. Manche Leute gehen für die Kunst ins Bal­lett. Ich gehe ins Sta­dion.

Der­zeit wird aller­dings über einen Sta­di­on­neubau dis­ku­tiert. Sind die finan­zi­ellen Aus­sichten zu ver­lo­ckend?

Die werden noch ein paarmal geistig um den Block gehen, ehe eine Ent­schei­dung getroffen wird. Doch sich den Mecha­nismen kom­plett zu ent­ziehen ist schwer. Das schaffen nur wenige Ver­eine. Ob das in Köln klappt, wenn viel Geld im Spiel ist, halte ich für schwierig. Der Kölner selbst sagt: Lasst den Scheiß und spielt weiter in Mün­gers­dorf“. Daher ist es viel­leicht gar nicht so schlecht, dass wir der­zeit ein paar Dämpfer abkriegen. Wir sollten mit den Füßen auf dem Boden bleiben und uns mehr an Frei­burg als an Real Madrid ori­en­tieren.