1.
Mit großen Vor­schuss­lor­beeren kam André Villas-Boas im Sommer 2012 zu Tot­tenham Hot­spur. Was zunächst nach einer erfolg­rei­chen Zusam­men­ar­beit aussah, wurde im zweiten Jahr zur Zer­reiß­probe zwi­schen Klub und Fans. Nach einem 0:5 im Dezember 2013 war das Fass über­ge­laufen. Erhitzte Fan­ge­müter twit­terten sich ihren Ärger von der Seele. Pech nur, dass sie dabei an den fal­schen Account geraten waren. So lan­deten die teil­weise wüsten Beschimp­fungen an @AVB nicht etwa beim Trainer Villas-Boas, son­dern bei einer New Yor­kerin namens Ashley van Buren. Die nahm das Schau­spiel gelassen hin und ant­wor­tete aus­dau­ernd auf jeden ein­zelnen Tweet.

2.
Arse­nals Manager Arsène Wenger hatte sich in diesem Winter auf dem Trans­fer­markt mal wieder merk­lich zurück­ge­halten. Dabei waren die Ver­let­zungs­sorgen der Gun­ners so groß, dass die Fans kol­lektiv nach Ersatz gierten. Am Dead­line-Day reagierte man dann doch noch im Lon­doner Norden und ver­pflich­tete den schwe­di­schen Mit­tel­feld­spieler Kim Käll­ström von Spartak Moskau. Dass der eben­falls ver­letzt war, schmä­lerte die Freude der Arsenal-Fans nur bedingt. Und so twit­terten sie fröh­lich an @KKallstrom, nur um wenig später dar­über auf­ge­klärt zu werden, dass sich hinter dem Twitter-Konto nicht etwa der schwe­di­sche Hoff­nungs­träger, son­dern eine Haus­frau aus Knoxville, Ten­nessee ver­barg. Die immerhin erklärte, dass ihr Sohn ein großer Fan des Fuß­bal­lers Käll­ström sein. So schreibt man Happy-End.

3.
Der Argen­ti­nier Fabio Pie­ters spielte einige Jahre in der hei­mi­schen zweiten Liga und kickte in Israel für Hapoel Tikva. 2011 geriet seine Kar­riere aller­dings ins Sto­cken: Pie­ters bekam ein­fach keine Ange­bote mehr. Selbst ist der Mann, dachte sich der Spieler und bot seine Dienste via Twitter an. Mit Erfolg: Der Zweit­li­gist Sar­mi­ento de Junin hatte Erbarmen und ver­pflich­tete den defen­siven Mit­tel­feld­mann für eine Spiel­zeit. Pie­ters spielte zwar nicht wirk­lich häufig, der Verein stieg am Ende der Saison aber trotzdem in die zweite Liga auf.

4.
Die zwei liebsten Beschäf­ti­gungen von Joey Barton? Ver­steckte Fouls und Twitter. In beiden Fällen über­schreitet Barton gern mal die Grenzen des guten Geschmacks. Man frage nur nach bei Didi Hamann, mit dem sich der Eng­länder einst einen ver­bit­terten Twitter-Dialog lie­ferte, in dessen Ver­lauf er den Deut­schen als Koks­nase“ und sein Leben als Auto­un­fall“ bezeich­nete. Ein wei­terer Tief­schlag war ein Tweet Bar­tons in Rich­tung von Thiago Silva. Den Bra­si­lianer in Diensten von Paris Saint-Ger­main nannte Barton einen über­ge­wich­tigen Ladyboy“. Der fran­zö­si­sche Ver­band sah aller­dings von einer Bestra­fung des dama­ligen Olym­pique-Mar­seille-Spie­lers ab. Die Begrün­dung: Eine objek­tive Über­set­zung des ursprüng­lich in Eng­lisch ver­fassten Tweets schien den Funk­tio­nären unmög­lich.

5.
Weniger glimpf­lich kam Ryan Babel davon. Noch in Diensten des FC Liver­pool twit­terte das eins­tige Jahr­hun­dert-Talent nach einer Nie­der­lage bei Man­chester United seinen Frust in die Welt und bezeich­nete es als Witz, dass der Schieds­richter der Partie, Howard Webb, als einer der besten seines Faches gelte. Doch damit nicht genug. Im glei­chen Ein­trag mon­tierte Babel seinen Intimus Webb zudem in ein United-Trikot. Der eng­li­sche Ver­band fand das wenig komisch und ver­don­nerte den Hol­länder zu einer Geld­strafe von umge­rechnet 11.900 Euro.

6.
Auch Nürn­bergs Robert Mak ließ sich einst zu einer Twitter-Belei­di­gung hin­reißen. Adressat: Sein eigener Trainer Dieter Hecking. Fuß­ball ist so eine ver­schis­sene Politik! Ich hasse es! Ver­dammter Trainer!“, meckerte Mak. Als die ersten Wellen der Empö­rung auf­bran­deten, ver­suchte es der Slo­wake mit einer Not­lüge: I didn’t wrote it. Someone got in my account!!! Sorry!“ Kurze Zeit später jedoch war Mak geständig. Die Strafe folgte den­noch auf dem Fuß: 20.000 Euro und Straf­ver­set­zung zu den Ama­teuren. Seinen Twitter-Account hat Mak inzwi­schen deak­ti­viert.

7.
Der olym­pi­sche Geist beruht auf den hehren Idealen vom fried­li­chen Wett­streit. Davon hielt der Schweizer Michel Mor­ga­nella jedoch herz­lich wenig. Nach einer 1:2‑Niederlage beim olym­pi­schen Fuß­ball­tur­nier von London 2012 ließ sich der junge Profi vom US Palermo zu fol­gendem Tief­schlag hin­reißen: Ich könnte alle Süd­ko­reaner ver­prü­geln. Geht euch alle abfa­ckeln, ihr Bande von geistig Behin­derten!“ Die Schweizer Dele­ga­tion reagierte prompt, schickte Mor­ga­nella nach Hause und kam so einem Aus­schluss des IOC zuvor. Auch der Spieler hatte ein Ein­sehen, ent­schul­digte sich artig und löschte sein Twitter-Konto.

8.
Dass der berühmte eng­li­sche Humor nicht ver­erbt, son­dern lernbar ist, beweist das Twitter-Profil vom deut­schen Ex-Natio­nal­spieler Robert Huth. In der Selbst­be­schrei­bung seines Pro­fils bemerkt er mit einer gehö­rigen Por­tion Selbst­ironie: Ziem­lich kleiner Kopf für so eine mar­kante Kinn­linie.“ Und auch sonst lässt der Wahl-Eng­länder kaum eine Chance auf einen guten Gag aus. So kom­men­tierte er einst die Ver­trags­ver­län­ge­rung seines Team­kol­legen Ryan Shaw­cross: Garan­tierte fünf Eigen­tore pro Saison für die nächsten sechs Jahre!“ Very bri­tish für einen Jungen aus Berlin.

9.
Däne­marks Nicklas Bendtner ist nicht nur ein Wes­ten­ta­schen-Ibra­hi­movic sowie Prä­si­dent seines eigenen Fan­klubs, son­dern auch ein eif­riger Twit­terer. Wen immer es inter­es­siert, infor­miert er über seine Essens­ge­wohn­heiten (Pizza), neu­este Shop­ping-Raub­züge („Har­rod’s“) oder seine Träume (Mar­sh­mal­lows und Milch­shakes). Da schien Ärger vor­pro­gram­miert, als Däne­marks Trainer Morten Olsen wäh­rend der EM in Polen und der Ukraine 2012 für seine Kicker ein abso­lutes Social-Media-Verbot ver­hängte. Fin­dige Buch­ma­cher boten sofort Wetten an, wel­cher Natio­nal­spieler von Danish Dyna­mite“ zuerst gegen die eisernen Regel ver­stoßen würde. Doch Bendtner ließ sich zumin­dest in dieser Hin­sicht zu keiner Dumm­heit hin­reißen. Dafür machte er wäh­rend des Spiels gegen Por­tugal auf seiner Unter­hose Wer­bung für einen Wett­an­bieter.

10.
Cris­tiano Ronaldo hat 24,5 Mil­lionen Twitter-Fol­lower. Wie man diese Macht im besten Sinne für sich nutzt, bewies der Super-Super-Star von Real Madrid 2013 im pri­vaten Duell gegen Fifa-Prä­si­dent Sepp Blatter. Der hatte den Por­tu­giesen auf einer Ver­an­stal­tung als eitel beschrieben und sogar imi­tiert. Ronaldo bewies, dass er nicht nur auf dem Spiel­feld eine gute Figur abgibt und kon­terte gelassen: Ich wün­sche Mr. Blatter ein gesundes und langes Leben mit der Gewiss­heit, dass er wei­terhin Zeuge der Erfolge seiner Lieb­lings­mann­schaften und ‑spieler wird.“ Sepp Blatter hat übri­gens 520.000 Twitter-Fol­lower. Cris­tiano Ronaldo ist nicht dar­unter.