Neville Sout­hall, Sie sind eine Legende beim FC Everton. Doch stimmt es, dass Sie bei­nahe bei For­tuna Düs­sel­dorf gelandet wären? 
Nun ja, bei­nahe“ ist etwas über­trieben. Ich war 14 Jahre alt und wir reisten mit meinem wali­si­schen Hei­mat­verein für ein Freund­schafts­spiel nach Düs­sel­dorf. Danach kam mein Onkel zu mir und sagte: Die wollen dich haben. Willst du bleiben?“ Es war voll­kommen bizarr.

War Ihr Onkel damals der Trainer?
Ja, offi­ziell. Doch er hatte keinen blassen Schimmer von Taktik oder sonst was. Er küm­merte sich nur darum, dass wir zu elft waren. Sie müssen sich die Szene in Düs­sel­dorf mal vor­stellen: Er fragte mich nicht, ob ich irgend­wann dorthin wech­seln wolle. Hätte ich ja“ gesagt, wären die anderen nach Hause gefahren, und ich wäre mit meinem Ruck­sack dage­blieben.

Ihr Wer­de­gang zum Profi war auch so kurios genug. Wäh­rend sich andere Spieler in den Jugend­teams großer Ver­eine ent­wi­ckelten, tin­gelten Sie über die Dörfer
Das kann man wirk­lich so sagen. Ich spielte einmal auf einem Platz, der von der Form her eher wie eine Skate­board-Half­pipe war. Die Mitte des Platzes lag einige Meter tiefer als die beiden Straf­räume. Ein anderes Mal spielten wir auf dem Land und an der Mit­tel­linie stand ein Tele­fon­mast.


Was pas­sierte, wenn der Ball dagegen sprang?
Pech gehabt. Wissen Sie, damals haben sich die Leute nicht dar­über beschwert. Man spielte ein­fach und jam­merte nicht. Auch der Unter­grund war man­ches Mal der reinste Schlamm, doch wenn du in der Pro­vinz spielst, dann erwar­test du auch keinen Wem­bley-Rasen. Ich erin­nere mich noch an ein Spiel auf einem offenen Feld. Der Wind blies so stark, dass ich meine eigenen Abschläge fangen musste.

Haben Sie zu dieser Zeit geglaubt, dass Sie Profi werden? 
Nein, aber ich habe wirk­lich nichts anderes gemacht, als zu spielen. Ich kickte in meiner Mann­schaft und zusätz­lich noch sonn­tags mit den alten Män­nern in einem Pub-Team. Da waren ker­nige Typen dabei und ich stand als Knirps im Tor. Mit 15 Jahren bin ich nur noch zur Schule gegangen, um Fuß­ball zu spielen. Ich habe ein­fach bei jeder Jahr­gangs­stufe nur den Sport­un­ter­richt mit­ge­macht. Das hat damals nie­manden inter­es­siert, ich war eh Schul­ab­gänger.

Was haben Sie danach gemacht?
Ach, alle mög­li­chen Jobs. Ich arbei­tete als Kellner in einem Restau­rant, wo sie die Reste vom Boden wieder in die Frit­teuse gehauen haben. Als ich genug hatte, wurde ich Mau­rer­ge­hilfe. Ein Kno­chenjob, vor allem als ich mir beim Fuß­ball einmal eine Rippe gebro­chen hatte.


Sie arbei­teten weiter?
Natür­lich. Ich hatte doch keine Kohle und war jugend­lich naiv. Ich dachte, dass es schon irgendwie zusam­men­wachse. Was ich gelernt habe: Es ist nicht hilf­reich für die Hei­lung einer Rippe, wenn du den ganzen Tag Eimer mit Schutt her­um­schleppst.

In Eng­land nennen Sie einige Fans immer noch scherz­haft den Müll­mann“.
Ja, auch diesen Job habe ich aus­geübt, aller­dings nur einige Monate lang. Vielen gilt es als uneh­ren­hafter Beruf, sie haben keinen Respekt vor dieser Arbeit. Dabei hat doch jeder Müll, er gehört zum Leben dazu. Und ich sage Ihnen eins: In den schicksten Häu­sern in der Gegend der Rei­chen habe ich die schä­bigsten Zustände gesehen. Die haben ihre Gärten so ver­kommen lassen, dass ich nicht einmal meinen Hund dort hin­ein­ge­lassen hätte.