Heute Abend kämpft Marc Schnat­terer mit dem 1. FC Hei­den­heim gegen Werder Bremen um einen Platz in der Bun­des­liga. Für unser Bun­des­liga-Son­der­heft zur Saison 2017/18 spra­chen wir mit Schnat­terer dar­über, wie es wohl wäre, mal in der Bun­des­liga zu spielen.

Marc Schnat­terer, wer ist der am meisten unter­schätzte Spieler der zweiten Liga?
Puh, das ist schwierig. Ich beschäf­tige mich zwar genau mit meinen Gegen­spie­lern, aber darauf kann ich keine Ant­wort geben.

Sie wissen doch, worauf die Frage abzielt.
(Lacht.) Schon mög­lich.

Seit Jahren sagen die Experten: Der Schnat­terer müsste eigent­lich längst in der Bun­des­liga spielen, der ist viel zu gut für die zweite Liga.
Aber viel­leicht bin ich ja auch ein­fach ein Spie­lertyp für die zweite Liga? Ich bin jemand, der mar­schiert und kämpft, der aber auch tech­nisch ein biss­chen was drauf hat. Ich kann eine Mann­schaft mit­ziehen und mit­reißen. Das alles spie­gelt die zweite Liga ziem­lich gut wider. Viel­leicht komme ich in dieser Liga des­wegen ganz gut zurecht.

Man liest immer mal wieder, Sie hätten kon­krete Ange­bote von Erst­li­gisten gehabt. Stimmt das?
Es gab zwar mehr oder weniger lose Anfragen vor einigen Jahren, aber nichts wirk­lich Kon­kretes. Hätte sich die Chance geboten, direkt in die erste Liga zu wech­seln, dann hätte ich mir das gut über­legt. Ich war damals ja schon nicht mehr der Aller­jüngste, fuß­ball­tech­nisch gesehen. Da hätte ich die Gele­gen­heit viel­leicht ein­fach am Schopfe gepackt und pro­biert, ob es funk­tio­niert. Aber es war nie so weit, dass mir jemand ein Papier vor­legte und sagte: Jetzt kannst du ent­scheiden, ob du dabei bist oder nicht.

Aber es gab in den vielen Jahren, die Sie jetzt in Hei­den­heim sind, schon ernste Ange­bote von anderen Klubs?
Als wir 2013 den Auf­stieg in die zweite Liga ver­passten, gab es kon­krete Anfragen von Zweit­li­gisten. Aber der Verein hat mir auf­ge­zeigt, dass er nächstes Jahr wieder angreifen wollte. Ich fand die Vor­stel­lung ein­fach schöner, mit Hei­den­heim den Auf­stieg in eine Liga zu schaffen, als durch ei­nen Wechsel direkt in diese Liga zu springen.

Sie haben sich selbst mal als Wohl­fühl­fuß­baller“ bezeichnet. Sind Sie viel­leicht ein­fach ein Angst­hase?
Gar nicht. Wohl­fühl­fuß­baller heißt: Wenn das Drum­herum passt, kann ich meine beste Leis­tung bringen und der Mann­schaft helfen. Nehmen wir mal an, ich hätte tat­säch­lich meh­rere Ange­bote aus der Bun­des­liga gehabt. Dann hätte ich sicher nicht ein­fach nur eines davon ange­nommen, um in der ersten Liga zu spielen. Ich hätte schon geschaut, wel­cher Verein mit wel­cher Struktur am besten zu mir passt.

Welche Ver­eine aus der ersten Liga würden denn zu Ihnen passen?
Ver­mut­lich ein Klub wie Frei­burg. Viel­leicht auch Augs­burg oder Mainz. Da ist natür­lich alles etwas größer als in Hei­den­heim, aber es gibt auch Par­al­lelen. Das sind Mann­schaften, bei denen das Mensch­liche und Fami­liäre nicht zu kurz kommt. Ich glaube, dieses Gefühl ist wichtig, um auch mal Teams zu schlagen, die auf dem Papier viel­leicht besser sind, denen aber diese Werte ein biss­chen ver­loren gegangen sind. Ich bin halt so ein Typ, der sich rein­haut und manchmal auch sehr emo­tional sein kann, der aber im End­ef­fekt alles nur für den Erfolg der Mann­schaft macht. Das ver­suche ich jetzt seit neun Jahren in Hei­den­heim, und bisher klappt es ganz gut.

Am Wochen­ende erzielten Sie ihr 100. Tor für Hei­den­heim. Dass sie diese Marke schaffen würden, hätten Sie 2008 wohl selbst nicht erwartet, als Sie von der Reserve des KSC inner­halb der Regio­nal­liga nach Hei­den­heim gewech­selt sind.
Ich hatte sport­lich nicht die beste Zeit beim KSC. Ich habe ver­sucht, mich durch­zu­beißen, aber ich saß meis­tens auf der Bank. Und wenn du nicht regel­mäßig spielst, dann kannst du dir nicht gerade aus­su­chen, wohin du gehen willst. Da bist du darauf ange­wiesen, welche Mann­schaften auf dich zukommen. Hei­den­heim hatte schon länger Inte­resse an mir. Und der Verein hatte die Vision, einen Schritt nach vorne zu machen.