Seite 4: „Ich musste raus aus dieser Welt.“

Viele Fuß­baller weinen bei ihrem Kar­rie­re­ende. Waren Sie traurig, als es vorbei war?

Nein, das kann ich nicht sagen. Am Ende war ich erleich­tert, dass das alles zu Ende war. Ich hatte erstmal genug vom Fuß­ball und habe es genossen, nicht mehr im Mit­tel­punkt zu stehen. Ich musste raus aus dieser Welt.

Sie zogen sich acht Jahre aus dem Fuß­ball zurück.

Ich hatte ein­fach die Nase voll von diesem Geschäft. Das waren die Jahre direkt nach Robert Enkes Suizid. Alle heulten auf der Beer­di­gung und sagten, es müsse sich etwas ändern. Aber daran, dass Spieler von ein­zelnen Mana­gern schlecht behan­delt oder von den Medien in den Dreck gezogen werden, hat sich nichts geän­dert. Das wird sich nie ändern. Ich wollte kein Teil dieser ganzen Scheiße sein. Ich wollte was Neues machen. Zumin­dest da habe ich die rich­tige Ent­schei­dung getroffen.

Viele Ex-Profis haben es schwer, sich nach der aktiven Kar­riere ein Leben außer­halb des Fuß­balls auf­zu­bauen. Wie erging es Ihnen?

Früher habe ich mir vor­ge­stellt, dass ich nach der Kar­riere jeden Tag aus­schlafen und erstmal in Ruhe früh­stü­cken werde, bevor ich dann tags­über meine Frei­zeit genieße. Aber das konnte ich ein­fach nicht. Das ist nicht der Sinn des Lebens. Vor allem wenn du Kinder hast, kannst du ihnen nicht vor­leben, wie du den ganzen Tag zuhause hockst. Des­wegen ist es wichtig, egal ob du Geld hast oder nicht, jeden Morgen beim Auf­stehen ein Ziel vor Augen zu haben. Und das heißt nicht, dass man das Leben nicht genießen kann.

Was machen Sie denn?

Ich bin Unter­nehmer. Ich bin Geschäfts­führer einer Per­so­nal­ver­mitt­lung, inves­tiere in Möbel­läden in Berlin und Düs­sel­dorf und bin Berater einer Bäcke­rei­kette. Dabei habe ich viel zu tun und kann trotzdem das Wochen­ende, das ich 25 Jahre lang nicht hatte, mit meiner Familie genießen. Außerdem habe ich nach acht Jahren Absti­nenz wieder was mit Fuß­ball zutun. Ich bin Berater von ein paar jungen, pol­ni­schen Spie­lern und kom­men­tiere die Cham­pions League für das pol­ni­schen Fern­sehen. Das ist eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit.

Fast jeder Kom­men­tator wird, gerade in Zeiten von Twitter, öffent­lich hart kri­ti­siert. Wie gehen Sie damit um?

Die ganze Kritik, der ich als Fuß­baller aus­ge­setzt war, hat mich geerdet. Und gerade nach meinen Jahren in Berlin kann mich nichts mehr scho­ckieren. Aber es stimmt schon – in Zeiten von Social Media bekomme ich viele Nach­richten an meinen Twitter und Insta­gram Account. Und die sind natür­lich nicht nur positiv. Neu­lich schrieb jemand auf Twitter, ich sei ein so schlechter Kom­men­tator, dass er mich schon in der 60. Minute nicht mehr habe aus­halten können und aus­ge­schaltet habe. Ich ant­wor­tete, dass ich ab der 65. Minute einen super Job gemacht und er das leider ver­passt hätte. (lacht.) Wenn man humor­voll mit Kritik umgeht, lässt man sich nicht davon nicht so ein­fach unter­kriegen. So kann ich jetzt auch mit Druck besser umgehen.

Hätte Ihnen das als Spieler geholfen?

Ja, natür­lich. Aber dafür ist der Trainer ver­ant­wort­lich. Auf die Spieler hagelt so viel von außen ein, dass der Trainer ver­su­chen muss, den Druck von der Mann­schaft zu nehmen. Das ist im Pro­fi­be­reich manchmal sogar die wich­tigste Auf­gabe. Einer, der das wie kein Zweiter kann, ist Jürgen Klopp. Ich war beim ent­schei­denden Spiel in der Cham­pions League gegen Neapel als Kom­men­tator dabei und habe gesehen, wie unglaub­lich befreit seine Spieler gespielt haben. Selbst bei Feh­lern wurde gelacht und sich gegen­seitig ermu­tigt. Da hat Jürgen einen wun­der­baren Job gemacht und ist ver­dient wei­ter­ge­kommen.

Wann beginnt Ihre Trai­ner­kar­riere?

Nie­mals. Als Trainer muss man sich 365 Tage im Jahr nur auf Fuß­ball kon­zen­trieren. Da genieße ich lieber meine Wochen­enden mit der Familie. Denn auf Fuß­ball habe ich mich in meinem Leben schon lange genug kon­zen­triert.