Seite 3: „Die Fans haben mich gehasst“

Trotzdem zahlten sie drei Jahre später 250.000 Euro aus eigener Tasche, um noch mal zu Hertha zu wech­seln. Wollten Sie es allen beweisen?

Ich wollte es den Fans, aber vor allem auch mir selbst beweisen. Ich hegte keinen Groll mehr auf den Verein oder die Fans. Nur die Art und Weise, wie Dieter Hoeneß mit mir umge­gangen ist, war kata­stro­phal. Als er im Sommer 2009 weg war, fragte mich Michael Preetz, ob ich es noch mal bei Hertha ver­su­chen wollte. Ich bewun­dere ihn noch heute für den Mut, mir diese Chance zu geben. Aber ich habe sie leider nicht genutzt. Ich habe genauso schlecht gespielt wie in meiner ersten Zeit in Berlin.

Ein Jour­na­list schrieb nach einem Spiel, er bemit­leide Ihre Tochter dafür, am nächsten Tag in die Schule gehen zu müssen.

Mit dem Voll­idioten, der das geschrieben hat, hatte ich am nächsten Tag eine schöne Aus­ein­an­der­set­zung auf dem Trai­nings­platz. Ich finde, dass man die Kinder von Spie­lern bei aller Kritik her­aus­halten muss. Der Kol­lege hat mich schon öfters in den Dreck gezogen. Er schrieb Schlag­zeilen wie Witz-niarek“ oder Ähn­li­ches. Nach einem Trai­ning bin ich mit den Kin­dern auf dem Rück­sitz an ihm vor­bei­ge­fahren und hab ihn auf­ge­for­dert, meiner Tochter zu erklären, warum ihr Vater ein Witz sei. Der hatte nicht die Eier in der Hose, sich dem Gespräch zu stellen, war aber natür­lich mutig genug, um sich noch am selben Tag beim Verein zu beschweren. Ich musste am nächsten Tag da antanzen, aber das war es mir wert. Später hatten mein Berater und ich noch einen Termin im Axel-Springer-Haus in Berlin, um den Krieg zu beenden. (lacht.)

Nicht nur die Medien haben Sie kri­ti­siert. Auch die Fans waren schwer ent­täuscht von Ihrer Leis­tung.

Sagen Sie es ruhig, wie es war: Ich wurde von den Fans gehasst. Nicht nur die Ost­kurve, son­dern das ganze Sta­dion hat gepfiffen, wenn mein Name auf­ge­rufen wurde. Meine Frau ist nicht mehr ins Sta­dion gegangen, weil ich von den Rängen nur noch belei­digt und aus­ge­pfiffen wurde. Die Fans waren zurecht ent­täuscht von mir. Ich habe Ver­trauen vom Verein geschenkt bekommen, alles wieder gut zu machen und habe statt­dessen einen Mist zusam­men­ge­spielt. Das hat weh getan. Fried­helm Funkel hat mich dann in der Rück­runde kein ein­ziges Mal mehr in die Start­auf­stel­lung gestellt, damit die Pfiffe von den Rängen die anderen Spieler nicht noch mehr ver­un­si­chern. Als ob das über­haupt mög­lich gewesen wäre.

Bereuen sie den zweiten Hertha-Wechsel?

Sport­lich gesehen war die Rück­kehr zu Hertha natür­lich ein Fehler. Ich bin zum zweiten Mal gekommen und habe es zum zweiten Mal ver­kackt. Aber für mein pri­vates Leben war es schön. Wir haben ein Haus gekauft und leben jetzt, neun Jahre später, immer noch hier. Meine Frau, meine Kinder und ich sind in Berlin sehr glück­lich. Das ist die Haupt­sache.

Haben Sie heute das Gefühl, in Berlin gemocht zu werden?

Über­ra­schen­der­weise schon. König Artur bin ich zwar wei­terhin nur in Bie­le­feld, aber die Men­schen, die mich auf der Straße erkennen, haben immer nette Worte für mich übrig. Einige reden sogar davon, was für eine schöne Zeit ich bei Hertha gehabt hätte. Dem ent­gegne ich dann aber immer, dass man mich nicht anlügen muss. (lacht.) Ich weiß selber genau, wie beschissen ich bei Hertha gespielt habe.