Seite 2: „Der Spitzname hat mich gerührt.“

Wie haben Sie sich gefangen?

Am Anfang der Saison ist Her­mann Ger­land zum SSV Ulm gewech­selt und Benno Möhl­mann wurde neuer Bie­le­feld-Trainer. Er war meine Ret­tung. Ich war zwar nicht mal mehr im 18-Mann-Kader, konnte mich aber zumin­dest wieder im Trai­ning beweisen. Nach ein paar Wochen kam Möhl­mann zu mir und sagte, dass er mich zwar nicht kenne, aber dass ich im Trai­ning der beste Spieler gewesen sei. Das war nach einem Jahr der erste schöne Moment, den ich in Bie­le­feld erlebte. Danach schenkte er mir das nötige Ver­trauen, mich erst zurück in den Kader und schließ­lich in die Startelf zu holen. Er ist ein wun­der­barer Trainer, dem ich viel zu ver­danken habe. Das habe ich ihm dann mit 18 Sai­son­toren zurück­ge­zahlt.

Danach wurden Sie zu König Artur.

Genau. Die Fans fingen 2002 an, mich so zu nennen. Damals bin ich zum zweiten Mal hin­ter­ein­ander Tor­schüt­zen­könig geworden und wir sind in die Bun­des­liga auf­stiegen. Der Spitz­name hat mich gerührt. Gerade als aus­län­di­scher Spieler so einen Titel zu erhalten, ist sehr schön.

Wie kann man nach so einer Tor­quote nicht für die Pol­ni­sche Natio­nal­mann­schaft nomi­niert werden?

Ich war immer ehr­lich. Des­wegen konnte ich ein ganz schönes Arsch­loch auf und neben dem Platz sein. Wenn ich jemanden im Trai­ning gesehen habe, der nicht ein­hun­dert Pro­zent gab, dann hat der von mir auf die Fresse bekommen. Logisch, dass nicht jeder Trainer damit umgehen kann. Ich war zwar Tor­schüt­zen­könig in der zweiten Liga und gehörte zu den besten Stür­mern Polens, aber der Coach sagte, dass die zweite Liga nicht zählen würde. Später ist Jacek Krzynówek mit Nürn­berg abge­stiegen und wurde sogar zum Kapitän benannt. Das mit der zweiten Liga war also nur ein Alibi, um mich nicht mit­zu­nehmen.

In der nächsten Saison schossen Sie 12 Tore in der Bun­des­liga. 2003 lockte Sie Dieter Hoeneß zur Hertha. Warum hatten Sie so eine schlechte Zeit in Berlin?

Das Pro­blem war, dass der dama­lige Trainer Huub Ste­vens mit Fredi Bobic und mir zwar zwei Stürmer hatte, aber nur mit einer Sturm­spitze spielen wollte. Er ent­schied sich für Bobic und stellte mich auf die Außen­bahn. Damit kam ich nicht zurecht. Ich habe totale Scheiße zusam­men­ge­spielt. Ich habe ein­fach nicht zu meiner Form von Bie­le­feld zurück­finden können und war zwei Jahre lang grot­ten­schlecht. In der dritten Saison war Falko Götz Trainer und es schien wieder bergauf zu gehen. Ich habe eine per­fekte Vor­be­rei­tung gespielt und mich damit für die Stammelf qua­li­fi­ziert. Im ersten Spiel traf ich direkt.

Sie waren Stamm­spieler? Daran kann sich in Berlin kaum wer erin­nern.

Das liegt wohl daran, dass diese Phase nur zwei Spiele ange­halten hat. Denn nach dem zweiten Spiel beor­derte Dieter Hoeneß mich zu sich ins Büro. Er teilte mir in der letzten Woche der Trans­fer­phase mit, dass ich keine Minute mehr für Hertha spielen würde. Das hatte nicht der Trainer ent­schieden, son­dern er. In der Som­mer­pause, in einem fairen Gespräch, hätte ich diese Ent­schei­dung noch ver­standen – ich hatte ja wirk­lich schlecht gespielt. Aber zu diesem Zeit­punkt war das eine Kata­strophe für mich. Doch Hoeneß sagte nur, dass es ihn nicht inter­es­siere, ob ich einen neuen Verein fände oder nicht.

Wie ging die Saison für Sie weiter?

So schnell konnte ich natür­lich keinen neuen Verein finden. Ich saß also ein halbes Jahr auf der Tri­bune, bis ich mit Arminia Bie­le­feld einig wurde. Im Januar konnte ich dann end­lich den Ver­trag mit Hertha auf­lösen und hatte mein letztes Gespräch mit Hoeneß. Da sagte er allen Ernstes zu mir, dass ich nie wieder in der Bun­des­liga spielen würde. Er wusste nicht, dass ich schon am Nach­mittag einen neuen Ver­trag bei Bie­le­feld unter­schreiben würde. Des­wegen konnte ich mir später nicht ver­kneifen, ihn anzu­rufen. Ich musste das Handy meines Bera­ters benutzen, weil Hoeneß bei meiner Nummer nicht abge­hoben hätte. (lacht.) Ich sagte ihm nur: Ich habe einen Ver­trag bei Bie­le­feld unter­schrieben. Wir sehen uns in der Bun­des­liga.“

Waren Sie sehr ent­täuscht?

Defi­nitiv. Ich habe in den nächsten Jahren in fast jedem Auf­ein­an­der­treffen gegen die Hertha getroffen. Vor einem Spiel kam sogar Zecke Neu­en­dorf im Spie­ler­tunnel zu mir, um mir von Hoeneß aus­zu­richten, dass ich ein guter Stürmer sei und ein­fach nicht zur Hertha gepasst hätte. Er wollte wohl die Wogen glätten, aber das hat nichts gebracht: In dem Spiel habe ich wieder getroffen. Jetzt, nach so vielen Jahren, kann ich das locker erzählen. Aber damals war ich über diesen Umgang mit mir so scho­ckiert, dass ich es nicht in Worte fassen konnte.