Artur Wich­niarek, Sie sind zwei­ma­liger Tor­schüt­zen­könig der zweiten Bun­des­liga und werden in Bie­le­feld als König Artur ver­ehrt. Warum sind Sie Fuß­baller geworden?

Bei der Welt­meis­ter­schaft in Mexiko 1986 war ich neun Jahre alt und sah Diego Mara­dona im Fern­sehen, der wie ein Künstler durch die geg­ne­ri­schen Abwehr­reihen drib­belte. In diesem Sommer habe ich mich in den Fuß­ball ver­liebt und wollte unbe­dingt auch Fuß­baller werden. In den Jahren danach habe ich mich kom­plett darauf fokus­siert. Ich habe meine Jugend für diesen Traum geop­fert.

Sie sind in Polen in einer wohl­ha­benden Familie auf­ge­wachsen. Ist es schwie­riger den für die Pro­fi­kar­riere nötigen Biss zu ent­wi­ckeln, wenn die Eltern reich sind?

Das sehe ich über­haupt nicht so. Die­je­nigen, die Fuß­ball nur wegen des Geldes spielen, werden nie weit kommen. Nur wenn man dazu bereit ist, alles für den Fuß­ball zu geben, hat man eine Chance. Und das geht nur, wenn man diesen Sport liebt. Des­wegen ist es kom­plett egal, aus wel­chen sozialen Ver­hält­nissen man kommt. Natür­lich musste ich immer dagegen ankämpfen, dass mir die Leute in meinem Umfeld keine Pro­fi­kar­riere zuge­traut haben. Aber diese Sprüche haben mich zusätz­lich ange­spornt.

Inwie­fern?

Ich habe viel mehr trai­niert als alle anderen. Als mir meine Eltern einen Com­mo­dore 64 geschenkt haben, habe ich ihn nicht ange­rührt. Und das, obwohl der damals richtig teuer war. All meine Freunde kamen ins Haus meiner Eltern, um dieses Gerät mal aus­zu­pro­bieren, aber ich war draußen und bin dem Ball hin­ter­her­ge­jagt. Ich habe mich nur auf Fuß­ball kon­zen­triert. In den trai­nings­freien Tagen habe ich indi­vi­du­elles Trai­ning gemacht und wäh­rend meine Team­kol­legen Ferien hatten, bin ich mit ins Trai­nings­lager der Leicht­ath­leten gefahren. Ich wollte allen beweisen, dass der reiche Junge es schaffen kann.

Das haben Sie ja dann auch. Mit 22 Jahren wech­selten Sie zu Arminia Bie­le­feld in die Bun­des­liga. Dabei fing ihre Bun­des­li­ga­kar­riere nicht so an, wie sie es sich vor­ge­stellt hatten.

Das stimmt. Es war die Hölle. Damals waren Spieler wie Bruno Lab­badia, Jörg Böhme und Michael Stern­kopf im Kader von Arminia. Das waren rich­tige Stars, die um den Klas­sen­er­halt kämpften. Und ich als 22-jäh­riger Pole sollte der Mes­sias sein, der die ganze Truppe rettet. Dazu war ich nicht in der Lage.

Wieso nicht?

Ich muss zugeben, dass ich nicht fit genug für die Bun­des­liga war. Das Trai­ning von Her­mann Ger­land war so hart, dass ich nach sechs Wochen nicht mal mehr wusste, wie ich heiße. Nach einem Trai­ning musste ich mich sogar über­geben. Des­wegen bekam ich fast keine Spiel­praxis. Außerdem konnte ich kein Wort Deutsch und hatte es dem­entspre­chend schwer, Teil der Mann­schaft zu werden. Das war eine harte Erfah­rung als 22-jäh­riger. Wie mich der Trainer in dieser kurzen Zeit behan­delt hat, war für mich nicht nach­voll­ziehbar. Ich hatte keine Ein­ge­wöh­nungs­zeit, keine Unter­stüt­zung und der Druck war unmensch­lich. Ich konnte nicht mal mit dem Spie­ler­be­treuer reden, weil der nur Tür­kisch und Deutsch sprach.

Sie schossen in dieser Saison kein ein­ziges Tor.

In dem Jahr sind wir abge­stiegen, ohne dass ich irgend­eine Rolle gespielt habe. In der Som­mer­pause 2001 sagte mir Ger­land, dass selbst sein Zeug­wart näher an der Startelf wäre als ich. Er wollte mich so schnell wie mög­lich los werden. Der dama­lige Manager Heri­bert Bruch­hagen hatte sogar schon einen Deal mit Wisła Krakau aus­ge­han­delt. Doch eine Rück­kehr nach Polen hätte für mich die größte Nie­der­lage meines Lebens bedeutet. Also war ich trotzig und blieb.

Hat es sich gelohnt?
Erstmal nicht. Meine zweite Saison begann, wie die erste auf­ge­hört hatte. Ger­land machte mir klar, dass er nicht mit mir plante und der Verein fragte mich nicht mal, welche Tri­kot­nummer ich haben möchte. Besser hätten sie mir nicht zeigen können, wie wertlos ich für die Mann­schaft war. Sie haben mir dann ein­fach die Nummer 18 gegeben. Aber wissen Sie, wie viele Tore ich in der Saison geschossen habe?

Sagen Sie es uns.

18! (lacht.)