Dieses Inter­view erschien erst­mals in 11FREUNDE #218. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhält­lich.

Schorsch Vol­kert, an diesem Kli­schee kommen wir ohnehin nicht vorbei: Alle Links­außen haben eine Macke. Kor­rekt?
Die Macke würde ich mir nicht anheften. Aber richtig ist: Je nach Posi­tion musst du als Mann­schafts­spieler auch mal ein biss­chen ego­is­tisch sein. Als Links­außen musst du zum Bei­spiel auf­passen, dass du da draußen nicht ver­hun­gerst.

Max Merkel, Ihr Trainer beim 1. FC Nürn­berg, hat mal gesagt: Ein guter Links­außen landet ent­weder in der Natio­nal­mann­schaft oder in der Klaps­mühle.“
Da habe ich ja Glück gehabt, dass ich in der Natio­nal­mann­schaft gelandet bin. Aber der Max Merkel hat so einiges gesagt. Einmal hat er nach einem schwa­chen Spiel von mir zur Presse gemeint: Der Schorsch Vol­kert trifft nicht einmal einen Möbel­wagen.“ Danach herrschte eine Woche Eis­zeit zwi­schen uns. Doch er wusste schon, wie er mich kit­zeln konnte, denn ich habe natür­lich gedacht: Dem werde ich es zeigen!

Sie stammen aus Ans­bach in der Nähe von Nürn­berg. Wollten Sie schon als Kind zum Club?
Der ent­schei­dende Anlass war die WM 1954. Als der Nürn­berger Max Mor­lock im Finale gegen Ungarn das 1:2‑Anschlusstor geschossen hat, habe ich als Neun­jäh­riger zu meinem Vater gesagt: Ich spiele später mal mit dem Max!“ Mit­ein­ander gespielt haben wir zwar nicht mehr, aber immerhin durfte ich noch mit ihm zusammen trai­nieren.

Georg Vol­kert

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gewann mit dem 1. FC Nürn­berg 1968 die Deut­sche Meis­ter­schaft und mit dem Ham­burger SV 1976 den DFB-Pokal und 1977 den Euro­pa­pokal der Pokal­sieger. Er bestritt 1968 sechs Län­der­spiele und 1977 noch einmal sechs. Nach der aktiven Kar­riere arbei­tete er als Manager, unter anderem beim FC St. Pauli und beim HSV. Am 16. August ver­starb Georg Vol­kert im Alter von 74 Jahren.

Ab 1965 standen Sie im Pro­fi­kader der Nürn­berger. Mussten Sie sich da zuerst hinten anstellen?
Damals war die Hier­ar­chie zwi­schen den älteren und jün­geren Spie­lern extrem. Wenn du dich als Jung­spund auf die Mas­sa­ge­bank gelegt hast und einer von den Großen kam rein, zum Bei­spiel der Heinz Strehl, dann musste der gar nichts sagen. Der hat sich ein­fach vor die Bank gestellt und dich ange­schaut. Am Anfang habe ich das gar nicht begriffen und gesagt: Ja, was ist denn los?“ Als Ant­wort kam nur: In dem Alter wird man noch nicht mas­siert.“

Wie kann man diese Hier­ar­chie auf­bre­chen?
Nur durch spie­le­ri­sche Leis­tung. Und ich war keiner, der vor den eta­blierten Spie­lern Hem­mungen hatte. Egal, ob Rou­ti­nier oder nicht, ich habe sie alle getun­nelt. Oder wie wir im Frän­ki­schen sagen: geschwanzt. Dann wirst du irgend­wann aner­kannt und in den erlauchten Kreis auf­ge­nommen.

Anfang 1967 ist Max Merkel zum Club gekommen. Hat man danach sofort gemerkt, dass ein neuer Wind weht?
Da war Zug drin, ande­rer­seits wurde Merkel nie laut. Und ich muss zugeben, dass ich per­sön­lich von ihm pro­fi­tierte. Du hast alles“, hat er zu mir gesagt, aber du musst auch mal einen Zwei­kampf gewinnen.“ Das haben wir dann trai­niert, mit meinem Abwehr­kol­legen Fritz Popp. Er trug Stollen, ich Nocken. Max Merkel hat mir bei­gebracht, dass nicht nur Ele­ganz und Technik zum Spiel gehören, son­dern auch eine gewisse Härte.

Wie äußerte sich das noch?
Ein Bei­spiel: Am Dienstag war immer Zir­kel­trai­ning, Tag des Herrn“ haben wir dazu gesagt. 400 Meter auf der Aschen­bahn mit zwei Medi­zin­bällen unterm Arm. Solche Übungen waren natür­lich töd­lich für mich, dabei kriegst du Arme wie ein Lang­ar­maffe. Einmal habe ich die Bälle ein­fach weg­ge­schmissen und bin direkt in die Kabine gelaufen.