Seite 2: „Durch unsere Fitness haben wir alle niedergewalzt"

Mit wel­cher Vor­gabe sind Sie in die Meis­ter­saison 1967/68 gegangen? War von Anfang an der Titel das Ziel?
Die Bun­des­liga war viel zu aus­ge­gli­chen, als dass man irgendwas Seriöses hätte vor­aus­sagen können. Fest steht, dass wir vor der Saison ein Mörder-Trai­nings­lager gemacht haben. Wahn­sinnig anstren­gend, aber Merkel hat immer nur süf­fi­sant gesagt: Wenn die Saison los­geht, seid ihr topfit.“ Und so war’s, durch unsere Fit­ness haben wir alle nie­der­ge­walzt.

Das war das ganze Geheimnis?
Da kommen meh­rere Kom­po­nenten zusammen. Wir haben den größten Teil der Saison mit nur drei­zehn Spie­lern bestritten und waren ein ver­schwo­rener Haufen. Damals gab es kaum Legio­näre, die meisten waren mit Herz­blut beim Club. Außerdem hatten wir auf der einen oder anderen Posi­tion viel­leicht auch die pfif­fi­geren Typen.

Einmal haben Sie den FC Bayern 7:3 aus dem Sta­dion geschossen, nach einer 6:0‑Führung.
Für die Fans war das das abso­lute High­light. Wir haben die aus­ein­an­der­ge­nommen mit ihrer tollen Mann­schaft, mit Becken­bauer, Müller und Maier.

Bis heute rät­seln die Leute dar­über, wie diese Club-Elf direkt nach dem Titel absteigen konnte.
Zum einen wurde unser Tor­jäger Franz Brungs ver­kauft, zum anderen haben wir die Situa­tion unter­schätzt. In Zeiten der Zwei­punk­te­regel war man nie weit weg vom Klas­sen­er­halt, und wir hätten noch in unserem letzten Heim­spiel gegen Borussia Dort­mund alles klar­machen können, haben dann aber durch ein Kul­lertor von Lothar Emme­rich, das unserem Tor­wart Jürgen Rynio durch die Hosen­träger gerutscht ist, ver­loren. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Ein Abstieg, von dem sich der 1. FC Nürn­berg letzt­lich nie mehr erholt hat.
Was dem Club gefehlt hat, war ein Manager, wie ihn die Bayern mit Robert Schwan hatten. Der Nürn­berger Füh­rung fehlte es leider an sport­li­chem Sach­ver­stand. Mit dieser Mann­schaft, dem Umfeld und dem Fan­po­ten­tial hätte man etwas wirk­lich Großes daraus machen und Nürn­berg zu dem Verein in Süd­deutsch­land werden können. Da wären die Bayern nicht ran­ge­kommen, nur haben es die halt besser gemacht.

Wenn ich nicht so spielen darf wie sonst, bin ich nur ein halber Schorsch Vol­kert“

Welche Rolle hat es gespielt, dass Sie in der Abstiegs­saison zunächst gesperrt waren? Natür­lich war das ein nega­tiver Faktor, aber ich weiß nicht, ob es die ganz große Rolle gespielt hat. Die Sperre war außerdem völlig daneben.

Sie haben sich nach einem Platz­ver­weis gewei­gert, das Spiel­feld zu ver­lassen. Fühlten Sie sich unge­recht behan­delt?
Der Anlass war nichtig. Ein Freund­schafts­spiel im Sommer 1968 in Wien, ein Schar­mützel auf dem Spiel­feld, und plötz­lich sagt der junge Schieds­richter zu mir: Sie gehen jetzt vom Platz.“ Ich habe gesagt: Das bestimme immer noch ich, wann ich gehe.“ Dann ging es hin und her, und Max Merkel hat mit seinem Wiener Schmäh noch ver­sucht, den Schieds­richter umzu­stimmen, aber keine Chance. Und wegen so was kriege ich drei Monate Sperre! Immerhin unter Anrech­nung der Som­mer­pause.

Letzt­lich hat Sie dieser Vor­fall die Kar­riere in der Natio­nal­mann­schaft gekostet.
So ist es. Danach fand in Stutt­gart ein Län­der­spiel gegen Bra­si­lien statt. Max Merkel hat den langen Schön infor­miert (Bun­des­trainer Helmut Schön, d. Red.), und der hat gesagt, ich soll auf jeden Fall hin­kommen. Als der eben­falls nomi­nierte Luggi Müller und ich ein­treffen, hält Schön mir einen kurzen Vor­trag, dass sich so was als Natio­nal­spieler nicht gehört, und schickt mich nach Hause. Ich habe gesagt: Und dafür lassen Sie mich extra mit dem Schlaf­wagen her­fahren?“

Hätten Sie in diesem Moment besser den Mund gehalten?
Im Grunde hat es mit Schön von Anfang an nicht gepasst. Gleich bei meiner ersten Ein­la­dung ein paar Monate zuvor hat er gesagt: Herz­lich will­kommen, aber hier kannst du nicht so spielen wie beim Club.“ Ich ant­wor­tete: Warum haben Sie mich denn dann geholt, Herr Schön? Wenn ich nicht so spielen darf wie sonst, bin ich nur ein halber Schorsch Vol­kert.“