Seite 4: „Ich unterschätze die Krankheit absolut nicht. Corona ist schlimm.“

Was haben Sie mit ihm gemacht, wenn Sie zu Besuch waren?
Wir sind raus an die fri­sche Luft, ich habe ihn im Roll­stuhl geschoben. Oder wir haben was gespielt. Oder ein­fach gequatscht. Oft war es so, dass er zu Beginn eines Besuchs ein biss­chen grum­melig war. Aber wenn ich ging, dann hat er gelä­chelt. Gleich­zeitig hat er auch mir geholfen; zu vielen Themen, die mich damals beschäf­tigt haben, hat er mir eine völlig neue Per­spek­tive gegeben. An dem Tag, als ich in der Live-Show zum ersten Mal nach ihm gefragt wurde, ist er gestorben. Sein Tod hat mich sehr mit­ge­nommen.

Haben Sie auch in Wolfs­burg mal ein Alten­heim besucht?
Ich hatte es über­legt. Aber ich bin mitt­ler­weile zwei­fa­cher Fami­li­en­vater, aktuell habe ich nicht mehr die Zeit, um so eine enge Bin­dung auf­zu­bauen. Nach dem Trai­ning mache ich nichts lieber, als schnell nach Hause zu meinen zwei kleinen Töch­tern zu fahren.

Gerade vor dem Hin­ter­grund, dass Ihnen alte Men­schen ganz offen­sicht­lich nicht egal sind, wirkte ein Insta­gram-Post von Ihnen im Dezember beson­ders irri­tie­rend. Sie teilten einen Link zu einem impf­kri­ti­schen Video. Und einen Text, in dem es unter anderem hieß: Stellen Sie sich einen Impf­stoff vor, der so sicher ist, dass sie bedroht werden müssen, um ihn zu nehmen.“ Wie denken Sie drei Monate später über den Post?
So wie ich es auch schon in meiner Ent­schul­di­gung kurz danach gesagt habe: Es tut mir leid, wenn ich damit Men­schen ver­letzt habe. Das wollte ich nicht. Ich wollte die Men­schen dazu auf­rufen, sich über dieses wich­tige Thema zu infor­mieren. Und, bevor das miss­ver­standen wird: Mir ist bewusst, dass es Wis­sen­schaftler gibt, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäf­tigen, die das stu­diert haben, die sich damit besser aus­kennen als ich und auch als Sie. Und die hof­fent­lich dabei helfen werden, dass wir die Situa­tion wieder in den Griff bekommen.

„Ich wollte meine Fol­lower damals dazu anregen, sich mit dem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen“

Wann haben Sie gemerkt, dass der Post nicht ein­fach so in den Untiefen des Inter­nets ver­schwinden würde?
Sofort, die Reak­tionen waren schon krass. Da waren direkt in den ersten Minuten drei, vier Nach­richten dabei, in denen mir Leute gedroht haben, bei mir zu Hause vor­bei­zu­kommen. Es ist eben ein Thema, das die Leute extrem emo­tio­na­li­siert.

Können Sie denn nach­voll­ziehen, warum so viele Leute den Post als pro­ble­ma­tisch emp­funden haben? Als impf­kri­tisch und Corona ver­harm­lo­send?
Ich wollte meine Fol­lower damals dazu anregen, sich mit dem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen. Das habe ich aber nicht klar und deut­lich so for­mu­liert, und das war ein Fehler. Aber: Ich unter­schätze die Krank­heit absolut nicht. Corona ist schlimm. Und ich hoffe, dass es schon in ein paar Monaten allen Men­schen besser geht.

In ein paar Monaten: Würden Sie da lieber mit Wolfs­burg Cham­pions League spielen? Oder in der Pre­mier League?
Cham­pions League mit Wolfs­burg. Das ist das Ein­zige, wor­über ich selber zumin­dest etwas Kon­trolle habe. Die Cham­pions League ist das höchste Niveau, und auf dem will ich irgend­wann spielen.

Apropos höchstes Niveau: Sie haben Darts-Legende Michael van Gerwen mal ein Leg abge­nommen.
Ja, das war schon sehr stark von mir. (Lacht.) Er hat uns bei der Natio­nal­mann­schaft besucht und dann gegen mich und Donny van de Beek gespielt. Wir spielten runter von 301, ich habe direkt mit einer 140 los­ge­legt, danach eine 100 geworfen und dann mit der ersten Chance aus­ge­checkt. Sagen wir mal so: Er war nicht begeis­tert. Im Gegen­teil, er war total ange­sta­chelt und wollte direkt noch eins spielen: Diesmal aber 501“, hat er gesagt. Clever von ihm, denn da hatten wir dann keine Chance mehr. Aber er ist ein cooler Typ, wir haben seitdem Kon­takt. Wenn er bei der WM spielt, schreibe ich ihm. Wenn ich drei Tore mache, schreibt er mir.

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Jonas Holt­haus

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