Bildschirmfoto 2021 04 01 um 17 28 29

Das Inter­view ist erst­mals im Februar in 11FREUNDE #232 erschienen. Das Heft findet ihr bei uns im Shop.

Wout Weg­horst, seit knapp zehn Jahren schießen Sie Tor um Tor, egal in wel­cher Liga, egal für wel­chen Verein. Haben Sie die ein­zelnen Treffer im Kopf abge­spei­chert? Die Ent­ste­hung, den Abschluss, den Jubel?
Ja. Würde ich zumin­dest behaupten.

Das lässt sich ja ganz leicht testen: Februar 2019, Hertha gegen Wolfs­burg, das Tor zum 1:0
für den VfL – wie lief das ab?
Angriff über links, wir spielen ein biss­chen klein-klein, Roussi (Jerome Rouss­illon, d. Red.) startet in die Tiefe, bekommt den Ball, ich komme kurz, er bringt den Ball flach, ich lege ihn mit dem rechten Außen­rist ins lange Eck. Danach bin ich auf den Knien in Rich­tung Eck­fahne gerutscht. Ein schönes Tor.

Erin­nern Sie sich an schöne Tore lieber als an häss­liche?
Es ist geil, ein schönes Tor zu machen. Einen Flug­kopf­ball ins lange Eck wie gegen Leipzig, einen Chip wie neu­lich in Mainz. Das fühlt sich gut an, das schaue ich mir gerne später noch mal an. Aber das Gefühl, ein dre­ckiges Tor zu schießen, ist nicht schlechter. Inso­fern ist es mir egal, ob ein Tor schön ist oder nicht.

Gibt es ein ver­gleich­bares Gefühl zu dem nach einem eigenen Tor?
Nein. Also zumin­dest auf den Fuß­ball bezogen auf gar keinen Fall. Ein Tor zu schießen, ist das High­light, etwas, auf das ich jede Woche hin­ar­beite. Des­wegen laufe ich nach Toren auch immer ganz langsam zurück zum Mit­tel­kreis. Weil ich dieses Gefühl zumin­dest für ein paar Sekunden genießen möchte. Diesen kurzen Moment, in dem alles top ist. Denn sobald der Schieds­richter wieder anpfeift, ist dieser Moment vorbei.

Nach ihrem zweiten Tor gegen Bremen liefen Sie nicht langsam zur Mit­tel­linie, son­dern schnell zur Kamera und schrien: Ich hab es doch gesagt, Mann!“ Was hatten Sie wem gesagt?
Da muss ich ein biss­chen aus­holen. Seit dieser Saison arbeite ich mit einem Men­tal­trainer zusammen. Es geht um mein Selbst­ver­trauen, um die Art, wie ich im Spiel auf schlechte Aktionen reagiere. Jeden­falls will ich, egal was pas­siert, in jedem Spiel mein Tor machen. Vor dem Bremen-Spiel hatte ich einen guten Lauf, in den vier oder fünf Par­tien davor hatte ich getroffen. Aller­dings immer nur einmal, und das hat mich genervt. In der Woche vor dem Spiel habe ich zu meinem Men­tal­trainer immer wieder gesagt: Gegen Werder mache ich zwei, gegen Werder mache ich zwei!“ Vor dem Anpfiff sagte mein Mit­spieler Tim Siers­leben dann: Wout, ich habe ein gutes Gefühl, du machst heute wieder eins.“ Darauf ant­wor­tete ich nur: Nein. Ich mache zwei.“ Des­wegen der Spruch.

Bei Steffen weiß ich, dass er vor dem Flanken den Kopf hoch­nimmt und kurz schaut“

Wout Weghorst

Seit dieser Saison treffen Sie auch deut­lich häu­figer per Kopf. Zufall?
Bestimmt auch, aber nicht nur. Ich schaue nach jeder Saison, in wel­chen Berei­chen ich mich ver­bes­sern kann, welche Aspekte meines Spiels für meine wei­tere Kar­riere noch wichtig sein könnten. Diesen Sommer habe ich mir vor­ge­nommen, mein Kopf­ball­spiel zu ver­bes­sern. Mehr Tore mit dem Kopf zu machen, war das klare Ziel.

Und dann? Haben Sie sich stun­den­lang am Kopf­ball­pendel gequält?
Nein, damit habe ich es nicht pro­biert. Ich habe mich zu Hause gequält, in vielen Extra­schichten und mit der Hilfe eines Vol­ley­ball­trai­ners. Mit ihm zusammen habe ich an meinem Timing und an meiner Sprung­kraft gear­beitet. Die ersten drei, vier Ein­heiten waren kom­plett ohne Ball, nur Tro­cken­übungen. Um zu sehen, wie ich über­haupt springe. Das Ding bei mir war näm­lich: Der Kopf­ball iso­liert, also wie ich den Ball treffe und wohin ich ihn köpfe, das war nie das Pro­blem. Aus dem Stand war ich schon vor dem Sommer sauber und genau. Im Wett­kampf ent­schei­dend ist aber nun mal das, was in der Luft pas­siert. Daran habe ich gear­beitet.

Die Arbeit hat sich offen­sicht­lich gelohnt. Sie haben schon jetzt, Mitte der Saison, genauso viele Kopf­ball­toren erzielt wie in beiden Jahren vorher zusammen.
Trotzdem ist auch ein biss­chen Glück dabei. In dieser Saison kommen zum Bei­spiel extrem gute Flanken, das macht die Sache deut­lich ein­fa­cher – aber darauf habe ich über­haupt keinen Ein­fluss.

Han­deln Sie im Straf­raum vor allem intuitiv? Oder haben Sie mit Ihren Mit­spie­lern feste Abspra­chen?
Mit man­chen Kol­legen spreche ich mich vorher ab. Neu­lich, vor einem Spiel gegen Frei­burg, habe ich zum Bei­spiel zu Paolo Otavio gesagt: Ich komme kurz, und du jagst das Ding flach auf den ersten Pfosten.“ Bei Renato Steffen weiß ich dagegen, dass er vor dem Flanken den Kopf hoch­nimmt und kurz schaut, was ich im Straf­raum mache. Der ori­en­tiert sich also eher an mir und ich bewege mich dann intuitiv. Oft geht aber auch alles so schnell, dass ich gar nicht erst über Pläne und Abspra­chen nach­denken kann, son­dern intuitiv han­deln muss.

Fast alle Gegen­spieler sind kleiner als Sie. Wie wehren die sich?
Da gibt es unter­schied­liche Typen. Manche lassen mir etwas Raum und schauen eher auf den Ball, andere suchen von Anfang an den Kör­per­kon­takt. Aber ich weiß mich zu wehren.

-

Haben Sie schon eine Idee, an was Sie im kom­menden Sommer arbeiten werden?
Hm.

Wie wäre es mit Distanz­schüssen? Laut Internet haben Sie in ihrer Pro­fi­kar­riere noch nie aus der Distanz getroffen.
Das stimmt nicht!

Nein?
Ist ein kniff­liges Thema. (Lacht.) Für Deutsch­land und die Bun­des­liga stimmt es auf jeden Fall. Aber ich habe mal eine Sta­tistik gesehen, laut der ich in Hol­land irgend­wann ein Tor aus der Distanz gemacht haben soll. Das Dumme daran ist nur, dass ich keine Ahnung habe, wann das gewesen sein soll. Und ich habe in der Hin­sicht ja eigent­lich ein ganz gutes Gedächtnis. Aber im End­ef­fekt ist mir das auch total egal, ganz ehr­lich. Ich bin ein Straf­raum­stürmer, ich gehöre in die Box, da bin ich am gefähr­lichsten. Da kann ich für meine Tore ackern.

Es heißt, Sie hätten auch als Kind schon extrem viel geackert. Sie selber haben mal gesagt: Ich war besessen.“
Wenn es ange­fangen hat zu regnen und alle anderen Kinder schnell nach Hause gerannt sind, dann bin ich draußen geblieben. Selbst bei rich­tigem Sau­wetter. Ich fand es geil, im Regen, alleine mit einem Ball. Mein Vater sagte nur: Der Junge ist ver­rückt.“ Aber ich habe ein­fach schon immer sehr viel und sehr gerne Fuß­ball gespielt. Außerdem gab es als Kind auch ein paar Jahre, in denen es nicht ganz so leicht war für meine Brüder und mich. Meine Eltern trennten sich, ließen sich scheiden, wir mussten irgend­wann ent­scheiden, bei wem wir leben wollten. Wenn ich draußen kicken war, konnte ich all das für ein paar Stunden ver­gessen, hatte Spaß und musste nicht nach­denken.

Sie sind der zweit­jüngste von vier Brü­dern. Haben die anderen auch Fuß­ball gespielt?
Ja. Alle drei haben bei uns im Dorf gespielt, mein jün­gerer Bruder später auch für die erste Mann­schaft. Der konnte ordent­lich kicken. Aber keiner von denen wollte Fuß­baller werden.

Weghorst 210201 11 Freunde VFL Wolfsburg Wout Weghorst 0331 Bearbeitet WEB
Jonas Holt­haus

Wout Weg­horst, 28,

Wuchs im nie­der­län­di­schen Borne auf und kämpfte sich über klei­nere Ver­eine erst hoch zum AZ Alk­maar und dann weiter zum VfL Wolfs­burg. In 92 Bun­des­li­ga­spielen kommt er auf genau 50 Treffer. Eine Quote, die auch Ver­eine in Eng­land hell­hörig macht. Schon im Sommer sei es recht kon­kret gewesen mit Tot­tenham, sagt Weg­horst.

Son­dern?
Einer wollte Pilot werden, mitt­ler­weile fliegt er durch die Welt. Einer wollte Unter­nehmer werden, mitt­ler­weile arbeitet er für die Firma unserer Familie. Und der dritte wollte Archi­tekt werden und arbeitet mitt­ler­weile eben­falls im Fami­li­en­un­ter­nehmen. Alle drei machen das, was sie sich als Kind in den Kopf gesetzt haben. Und genau so lief es bei mir mit dem Fuß­ball. Das Spiel hat mir schon immer Spaß gemacht – aber es war für mich auch schon immer mehr als nur das.

Wie hat sich das gezeigt?
Wenn wir mit meinem Dorf­klub ein Spiel ver­loren, hatten die anderen Kinder das ein paar Minuten später schon wieder ver­gessen. Ich dagegen weinte bit­ter­lich. Oder wurde teil­weise sogar richtig wütend. Es stimmt schon, ich war besessen.

Wo kommt dieser Ehr­geiz her?
Gefühlt hatte ich den schon immer tief in mir drin, ich wurde damit geboren. Ich habe schon als Kind gedacht: Ich bin anders als ihr.“ So zu sein, so zu leben, das war nicht immer leicht, spe­ziell als Jugend­li­cher und junger Erwach­sener, als ich noch im Ama­teur­fuß­ball war. Ich habe kein Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum besucht, ich wurde nicht in einem großen Verein aus­ge­bildet, als 18-Jäh­riger spielte ich in der neunten oder zehnten Liga. Trotzdem wollte ich es nach oben schaffen. Und wenn die anderen am Wochen­ende feiern gingen, dann blieb ich zu Hause und ging früh ins Bett. Ich spielte Kreis­liga, lebte aber wie ein Profi.

Wurden Sie dadurch auto­ma­tisch zum Ein­zel­gänger?
Ob so was auto­ma­tisch pas­siert, kann ich nicht sagen. Aber bei mir war das defi­nitiv der Fall. Das Pro­blem damals war vor allem, dass ich nicht nur auf mich und meine Ein­stel­lung geschaut habe, son­dern auch alle um mich herum ver­än­dern wollte, meine Mit­spieler, meine Trainer. Ich habe mich immer wieder gefragt: Wie könnt ihr nur so sein?“

-

Selbst im Pro­fi­be­reich waren Sie anfangs mit Ihrem Umfeld nicht zufrieden. Als Sie beim FC Emmen in der zweiten hol­län­di­schen Liga spielten, beschwerten Sie sich in der Presse über das Mit­tag­essen: Es gebe immer nur Fri­ka­dellen, Kro­ketten und Chi­cken Nug­gets.
Ich hatte es zuerst intern ange­spro­chen, doch das wurde nicht ernst genommen, es änderte sich nichts. Aber klar, heute würde ich es anders regeln. Ich habe erkannt und akzep­tiert, dass meine Art zu leben nicht für alle funk­tio­niert, dass die Men­schen unter­schied­lich sind und ich meine Mit­spieler machen lassen muss, wie sie es für richtig halten. Ich kann nur mein eigenes Han­deln kon­trol­lieren. Was aller­dings nicht heißt, dass ich mich nicht auch heute noch tie­risch auf­regen kann. Ein ein­fa­cher Fehl­pass, ein lascher Zwei­kampf – und es knallt. (Lacht.)

Erst vor ein paar Monaten wurden Sie von Oliver Glasner beim Trai­ning vor­zeitig unter die Dusche geschickt. Es ging um eine Ent­schei­dung beim Fuß­ball­tennis.
Ich bin eben immer bei hun­dert Pro­zent, das ist bei mir nicht nur ein Spruch. Wenn ich das Gefühl habe, unge­recht behan­delt zu werden, selbst wenn es nur eine unglück­liche Schieds­rich­ter­ent­schei­dung beim Fuß­ball­tennis ist, dann kann ich meine Klappe nicht halten.

Das brockt Ihnen auch außer­halb vom Trai­ning immer wieder Ärger ein. Neu­lich gerieten Sie öffent­lich mit Max Kruse anein­ander.
Das ist so nicht richtig. Ich habe nach dem Spiel gegen Union ledig­lich ein Inter­view gegeben, ein harm­loses, wie ich finde, der Rest kam von der anderen Seite.

Ich habe nach dem Spiel gegen Union ein harm­loses Inter­view gegeben, der Rest kam von der anderen Seite“

Weghorst

Sie sagten, dass Union nur Zwei­kämpfe gewollt“ habe und dass Sie selbst lieber schönen Fuß­ball“ spielen würden. Max Kruse sagte dar­aufhin: Wenn man selber nicht wirk­lich als Fili­gran­tech­niker daher­kommt, sollte man sich viel­leicht auch nicht über die Spiel­weise von uns so äußern.“ Macht Sie so ein Spruch sauer?
Nein, das juckt mich über­haupt nicht. Ich habe mich danach nur gewun­dert, weil ich nicht ver­standen habe, warum er so reagiert. Ich habe extra bei unserer Pres­se­ab­tei­lung nach­ge­fragt, ob ich etwas Schlimmes oder Ver­werf­li­ches gesagt habe. Aber ich finde bis heute: Das habe ich nicht. Unterm Strich ist das sein Pro­blem.

Anders als Max Kruse, anders als fast alle Ihre Kol­legen haben Sie sich nur langsam und Stück für Stück nach oben gekämpft, von der vierten Liga in Hol­land in die zweite, dann in die Ere­di­visie, dann in die Bun­des­liga. Wel­cher Schritt war der größte?
Defi­nitiv der Schritt aus dem Ama­teur­be­reich zu den Profis. Ich hatte eine Halb­serie in der vierten Liga hinter mir, da lud Peter Bosz mich zum Pro­be­trai­ning bei Hera­cles Almelo ein. Ich trai­nierte also mit und dachte nur: Wow: Was ist das denn?“ Das Tempo, die Physis, die Technik, in allen Berei­chen war der qua­li­ta­tive Unter­schied gigan­tisch. Bosz sagte damals auch, dass es noch nicht rei­chen würde. Aller­dings sah er auch schon damals mein Poten­tial. Ein paar Jahre später hat es über Umwege dann ja auch noch geklappt mit der Ere­di­visie und Almelo.

Weghorst 210201 11 Freunde VFL Wolfsburg Wout Weghorst 0096 Bearbeitet WEB
Jonas Holt­haus

Wie groß war der Schritt von Hol­land nach Deutsch­land?
Nicht ansatz­weise so groß. Was aber daran liegt, dass ich meine Schritte später ganz bewusst gemacht und auch vor­be­reitet habe. Als sich mein Wechsel von Alk­maar zu Wolfs­burg abzeich­nete, habe ich mit meinen Berater Simon Czio­mmer gespro­chen, der früher auch Bun­des­liga gespielt hat und die Liga kennt. Wir haben über­legt, was mir für das Niveau in Deutsch­land noch fehlt. Dann habe ich wochen­lang inten­sive Läufe trai­niert und in Extra­schichten nach dem Trai­ning an meiner Kon­di­tion gear­beitet. Als ich in Wolfs­burg ankam, war ich topfit. Dadurch fiel mir alles leichter.

Über die Jahre haben Sie sich nicht nur fuß­bal­le­risch ver­bes­sert, auch ihr Image hat sich grund­le­gend geän­dert. Zu Beginn Ihrer Kar­riere galten Sie als vom Ehr­geiz zer­fressen, als Stö­ren­fried. Dann …
… dann kam die Geschichte mit dem Alters­heim. Darauf spielen Sie doch an, oder? Das machen alle Jour­na­listen. Ich weiß bis heute nicht, wie die Geschichte in die Öffent­lich­keit gesi­ckert ist, aber irgend­wann fragte mich ein Mode­rator in einer Live-Show danach. Seitdem muss ich sie immer wieder erzählen.

Es geht schnell, ver­spro­chen: Als Sie noch in Hol­land spielten, küm­merten Sie sich um einen alten, ein­samen Mann in einem Senio­ren­heim. Den Sie vorher nicht kannten. Und der nicht wusste, dass Sie Fuß­baller sind.
Genau das war ja das Tolle. Selbst wenn er es gewusst hätte, es wäre ihm kom­plett egal gewesen. Wir haben nie über Fuß­ball gespro­chen, nur über andere Dinge. All­ge­mein war er ein beson­derer Kerl. Er zog sich immer sehr fein an, seine äußere Erschei­nung war ihm total wichtig. Er trug stets Kra­watte und Hemd. Erst als es ihm schlechter ging, kurz vor seinem Tod, schaffte er das nicht mehr.

-

Was haben Sie mit ihm gemacht, wenn Sie zu Besuch waren?
Wir sind raus an die fri­sche Luft, ich habe ihn im Roll­stuhl geschoben. Oder wir haben was gespielt. Oder ein­fach gequatscht. Oft war es so, dass er zu Beginn eines Besuchs ein biss­chen grum­melig war. Aber wenn ich ging, dann hat er gelä­chelt. Gleich­zeitig hat er auch mir geholfen; zu vielen Themen, die mich damals beschäf­tigt haben, hat er mir eine völlig neue Per­spek­tive gegeben. An dem Tag, als ich in der Live-Show zum ersten Mal nach ihm gefragt wurde, ist er gestorben. Sein Tod hat mich sehr mit­ge­nommen.

Haben Sie auch in Wolfs­burg mal ein Alten­heim besucht?
Ich hatte es über­legt. Aber ich bin mitt­ler­weile zwei­fa­cher Fami­li­en­vater, aktuell habe ich nicht mehr die Zeit, um so eine enge Bin­dung auf­zu­bauen. Nach dem Trai­ning mache ich nichts lieber, als schnell nach Hause zu meinen zwei kleinen Töch­tern zu fahren.

Gerade vor dem Hin­ter­grund, dass Ihnen alte Men­schen ganz offen­sicht­lich nicht egal sind, wirkte ein Insta­gram-Post von Ihnen im Dezember beson­ders irri­tie­rend. Sie teilten einen Link zu einem impf­kri­ti­schen Video. Und einen Text, in dem es unter anderem hieß: Stellen Sie sich einen Impf­stoff vor, der so sicher ist, dass sie bedroht werden müssen, um ihn zu nehmen.“ Wie denken Sie drei Monate später über den Post?
So wie ich es auch schon in meiner Ent­schul­di­gung kurz danach gesagt habe: Es tut mir leid, wenn ich damit Men­schen ver­letzt habe. Das wollte ich nicht. Ich wollte die Men­schen dazu auf­rufen, sich über dieses wich­tige Thema zu infor­mieren. Und, bevor das miss­ver­standen wird: Mir ist bewusst, dass es Wis­sen­schaftler gibt, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäf­tigen, die das stu­diert haben, die sich damit besser aus­kennen als ich und auch als Sie. Und die hof­fent­lich dabei helfen werden, dass wir die Situa­tion wieder in den Griff bekommen.

„Ich wollte meine Fol­lower damals dazu anregen, sich mit dem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen“

Wann haben Sie gemerkt, dass der Post nicht ein­fach so in den Untiefen des Inter­nets ver­schwinden würde?
Sofort, die Reak­tionen waren schon krass. Da waren direkt in den ersten Minuten drei, vier Nach­richten dabei, in denen mir Leute gedroht haben, bei mir zu Hause vor­bei­zu­kommen. Es ist eben ein Thema, das die Leute extrem emo­tio­na­li­siert.

Können Sie denn nach­voll­ziehen, warum so viele Leute den Post als pro­ble­ma­tisch emp­funden haben? Als impf­kri­tisch und Corona ver­harm­lo­send?
Ich wollte meine Fol­lower damals dazu anregen, sich mit dem Thema aus­ein­an­der­zu­setzen. Das habe ich aber nicht klar und deut­lich so for­mu­liert, und das war ein Fehler. Aber: Ich unter­schätze die Krank­heit absolut nicht. Corona ist schlimm. Und ich hoffe, dass es schon in ein paar Monaten allen Men­schen besser geht.

In ein paar Monaten: Würden Sie da lieber mit Wolfs­burg Cham­pions League spielen? Oder in der Pre­mier League?
Cham­pions League mit Wolfs­burg. Das ist das Ein­zige, wor­über ich selber zumin­dest etwas Kon­trolle habe. Die Cham­pions League ist das höchste Niveau, und auf dem will ich irgend­wann spielen.

Apropos höchstes Niveau: Sie haben Darts-Legende Michael van Gerwen mal ein Leg abge­nommen.
Ja, das war schon sehr stark von mir. (Lacht.) Er hat uns bei der Natio­nal­mann­schaft besucht und dann gegen mich und Donny van de Beek gespielt. Wir spielten runter von 301, ich habe direkt mit einer 140 los­ge­legt, danach eine 100 geworfen und dann mit der ersten Chance aus­ge­checkt. Sagen wir mal so: Er war nicht begeis­tert. Im Gegen­teil, er war total ange­sta­chelt und wollte direkt noch eins spielen: Diesmal aber 501“, hat er gesagt. Clever von ihm, denn da hatten wir dann keine Chance mehr. Aber er ist ein cooler Typ, wir haben seitdem Kon­takt. Wenn er bei der WM spielt, schreibe ich ihm. Wenn ich drei Tore mache, schreibt er mir.

Weghorst 210201 11 Freunde VFL Wolfsburg Wout Weghorst 0081 Bearbeitet WEB
Jonas Holt­haus

-