Man sagt immer, Tor­hüter und Links­außen hätten ne Macke.

Den klas­si­schen Links­außen gibt’s ja nicht mehr.

Das heißt, alle die eine Macke haben, müssen jetzt Tor­wart werden?


(lacht) So unge­fähr. Das Pro­blem als Tor­wart ist: Du trai­nierst wie ein Bekloppter, hast aber meist nicht viele Aktionen im Spiel, und wenn dir ein Fehler unter­läuft, anschlie­ßend zu viel Zeit, dar­über nach­zu­denken.



Neu­lich haben Sie mit dem HSV 2:0 in Bremen gewonnen und konnten sich dabei kaum einmal aus­zeichnen. Sind das die Spiele, die einen Keeper ver­rückt machen?

Es ist nach­ge­wiesen, dass du auch in so einem Spiel zwei, drei Kilo ver­lierst. Weil du ange­spannt bist, deine Abwehr coa­chen, den einen oder anderen auf­we­cken oder bei Span­nung halten musst.

Müssen Tor­hüter heute ein anderes Auf­ga­ben­feld abde­cken als vor 20 Jahren?

Im Grunde ist es das­selbe. Außer, dass es 15 Kame­ra­ein­stel­lungen mehr gibt als früher und man über alles dis­ku­tieren kann.

Die mediale Prä­senz erhöht die Anfor­de­rungen?


In erster Linie willst du als Tor­wart das Spiel gewinnen und nicht über Sachen reden, die Bei­werk sind. Man muss sich da eine gewisse Indif­fe­renz aneignen. Heute prallt so etwas an mir ab, früher ist mir das schwerer gefallen.

Was zeichnet einen guten Tor­wart aus?

Es gibt viele Leute, die Talent haben. Um aber zehn, 15 Jahre auf hohem Niveau zu spielen, brauchst du noch andere Eigen­schaften. Am Anfang Geduld, später Aus­dauer, außerdem die rich­tige Mischung aus Biss und Gelas­sen­heit.

Fehlt es jün­geren Profis an Wil­lens­stärke?

Was man oft beob­achten kann, ist, dass es steil bergauf und dann relativ schnell wieder bergab geht. Es ist aber nicht die Schuld der jungen Leute, wenn sie schon nach drei guten Spielen mit der Natio­nal­mann­schaft in Ver­bin­dung gebracht werden. Das hat oft mit wirt­schaft­li­chen Inter­essen zu tun, von Seiten der Medien, die etwas Neues berichten wollen, oder der Ver­eine und Berater, die sich eine Wert­stei­ge­rung ihrer Spieler erhoffen. In diesem System fallen dann viele hinten runter. Der Fuß­ball ist kälter geworden. Wo gibt es das noch, dass eine Mann­schaft über fünf oder sechs Jahre zusam­men­spielt?

Daran sind die Spieler, denen das Bosman-Urteil neue Mög­lich­keiten eröffnet hat, nicht ganz unschuldig.


Wenn einer unbe­dingt zum FC Bayern will, kann ihn natür­lich keiner daran hin­dern. Aber in den meisten Fällen haben die Ver­eine durchaus Mög­lich­keiten, ihre Leute zu halten. Werder Bremen macht es doch seit Jahren vor.

Warum sind Sie selbst nicht in Bremen geblieben?

Ob Sie es mir glauben oder nicht: Schalke war ein Verein, bei dem ich schon immer mal spielen wollte.

Aber das Angebot der Schalker wird auch finan­ziell nicht das Schlech­teste gewesen sein…

Es war ein sehr gutes Angebot, aber nicht der Grund für den Wechsel. Über Schalke wird ja immer erzählt, dass Fuß­ball dort Reli­gion sei. Das ist schon etwas anderes als in Bremen. Ich glaube, es ist nicht ver­werf­lich, einmal im Leben den Verein zu wech­seln. Eigent­lich sollte es dabei bleiben, aber nun hat das Leben noch etwas anderes mit mir vor­ge­habt.

Meinen Sie Schalke, wenn Sie davon reden, dass das Geschäft kälter geworden sei?

Es ist müßig, dar­über zu reden. Zu vielen Schalker Fans und Spie­lern habe ich noch engen Kon­takt. Was ich meine, ist eine grund­sätz­liche Ent­wick­lung bei den Ver­einen: aus den Augen, aus dem Sinn. Ist ein­fach so. Natür­lich gibt es immer noch Aus­nahmen. Wenn ich in dem Zusam­men­hang etwa Otto Reh­hagel nennen darf, der seit 15 Jahren immer mal wieder anruft.

Er ruft Sie an? Auch heute noch?

Gerade jetzt wieder, als es für mich nicht so gut lief, war er einer der ersten, der sich gemeldet hat. Und das macht er ja nicht nur bei mir, son­dern auch bei vielen anderen Spie­lern.

Sie sagten, Sie wollten ihre Lauf­bahn auf Schalke beenden.

Es ist halt anders gekommen. Und die Mann­schaft hier in Ham­burg ist spie­le­risch und cha­rak­ter­lich in Ord­nung.

Wobei man ihr gerade letz­teres in der Hin­runde oft abge­spro­chen hat.

Das sehe ich anders. Es haben zwar viele zu mir gesagt: »Mach das nicht, du bist blöd.« Aber mir war klar, dass die Spieler auch vorher alles gegeben haben. Nur viel­leicht jeder für sich und nicht alle zusammen.

Was hat die Wende zum Bes­seren gebracht?

Viele kleine Sachen. Der Trainer hat seinen Anteil, hinzu kommt die eine oder andere per­so­nelle Ver­än­de­rung. Außerdem musste sich die Mann­schaft erst an den Abstiegs­kampf gewöhnen. Bei uns spielen drei Leute von nie­der­län­di­schen Spit­zen­teams, woher sollen die so etwas kennen? In Hol­land abzu­steigen ist ja fast unmög­lich.

Sie haben die Arbeit von Huub Ste­vens gelobt. Hat der Verein zu lange an Thomas Doll fest­ge­halten?


Der Klub hat dadurch viele Sym­pa­thien gewonnen, das muss man auch mal sagen.

Finden Sie es schade, dass diese Treue nicht belohnt worden ist?

Der Thomas wird wieder Erfolg haben, da bin ich mir sicher. Und er wird seine Lehren aus dieser Zeit ziehen. Es macht doch den Men­schen aus, dass er nicht nur Höhen, son­dern auch Tiefen erlebt.

Sie möchten also nicht mit Franz Becken­bauer tau­schen?

Nein, möchte ich nicht. Sind mir auch zu viele Frauen, die er gehabt hat (lacht).



Huub Ste­vens und Sie haben fast zeit­gleich in Ham­burg ange­fangen. Hat man da zwangs­läufig ein beson­deres Ver­hältnis?

Ste­vens hat mich ja schon damals zu Schalke geholt. Nur hat er mich nicht mehr erlebt, weil er dann nach Berlin gegangen ist. Als wir uns hier getroffen haben, hat er gesagt: »So schließt sich der Kreis.« Ich bin davon über­zeugt, dass Ste­vens hier etwas auf­bauen wird. Er hat den Punch und die Qua­lität dazu.

Welche Rolle hat Oliver Reck, der einst in Bremen ihr Kon­kur­rent war und dann Co-Trainer in Schalke, in ihrer Kar­riere gespielt?

Der Olli hat bei meiner Ver­pflich­tung durch Schalke bestimmt eine Rolle gespielt. Wir haben immer ein freund­schaft­li­ches Ver­hältnis gehabt und haben es übri­gens auch heute noch.

Hat es durch Ihre Degra­die­rung auf Schalke nicht gelitten?

Nein. Ich kenne ja Ollis Mei­nung zu dem, was pas­siert ist. Das reicht mir.

Der ehe­ma­lige Ham­burger Trainer Ernst Happel hat mal gesagt: »Ein faules Ei ver­giftet das ganze Nest.«

Heute wird bei den Trans­fers sehr auf die fuß­bal­le­ri­sche Qua­lität geachtet. Es gibt Scou­ting und Daten­banken mit den Stärken und Schwä­chen der Spieler, aber was zu selten hin­ter­fragt wird, ist, um was für einen Men­schen es sich han­delt. Ein Reh­hagel, Schaaf oder Ste­vens achtet auch auf cha­rak­ter­liche Eigen­schaften. Wie ist jemand als Person? Wie reagiert er, wenn es eng wird? Aus wel­chem Eltern­haus kommt er? Fuß­ball spielen können viele, aber leider gehört auch der Kopf mit dazu.

Wenn man mitten in der Saison zu einer Mann­schaft stößt – über­nimmt man dann sofort Ver­ant­wor­tung und prä­sen­tiert sich als Leit­wolf?


Ich habe es zunächst mal ver­mieden, zu weit vor­zu­pre­schen. Nicht, dass die neuen Mit­spieler sagen: »Was ist das denn für einer?« Wenn es schlecht läuft, musst du ohnehin deine Worte abwägen, weil jeder ziem­lich emp­find­lich ist. Mir ging es in erster Linie darum, Gemein­sam­keiten zu ent­wi­ckeln. Es kann viel bringen, wenn man nach dem Spiel mal gemeinsam Karten spielt oder Bier trinkt.

Und das findet jetzt statt?


Es geht um Klei­nig­keiten. Dass einer, der sein Bun­des­li­ga­debüt feiert, ein­fach mal einen aus­gibt. Wir haben jetzt eine ganz andere Stim­mung, das ist etwas, was Außen­ste­henden nicht leicht zu ver­mit­teln ist. Auf einmal erfährst du Dinge über deinen Mit­spieler, die du vorher nie wuss­test. Dass zum Bei­spiel jemand bedrückt ist, weil seine Kinder in Frank­reich sind und er sie nie sieht. Oder dass es der Mutter schlecht geht. So etwas erfahre ich nicht auf dem Platz. Natür­lich sind Fuß­ball­mann­schaften Zweck­ge­mein­schaften, aber je näher du an das Ideal von den elf Freunden heran kommst, desto posi­tiver wirkt sich das auf die Leis­tung aus.

Warum wird diesem Aspekt dann so wenig Wert bei­gemessen?


Es liegt doch auf der Hand, dass ein Team mehr errei­chen kann, wenn die Chemie stimmt. Wir reden hier über ein Busi­ness. Das finde ich etwa an Rafael van der Vaart so toll, dass er trotz seiner Popu­la­rität und der Tat­sache, dass er in den Medien immer den Auf­ma­cher bekommt, die anderen respekt­voll behan­delt. Er ist viel mehr ein Team­spieler als der Super­star, als der er in der Öffent­lich­keit ver­kauft wird.

Wird heute im Fuß­ball zu sehr das Indi­vi­duum geschätzt und zu wenig das Kol­lektiv?

Das sehe ich so. Die Medien feiern die Indi­vi­duen, es hängt ein Markt­wert daran, da kommt eines zum anderen. Es ist die Kunst des Trai­ners und des Manage­ments, dem ent­ge­gen­zu­wirken. Du musst auch den Leuten, die im Keller die Kohlen schippen, das Gefühl geben, ein wich­tiger Teil der Mann­schaft zu sein.



Nervt es Sie, dass Ihr Ex-Klub Schalke in diesem Jahr mög­li­cher­weise Meister wird?

Gar nicht, außerdem sind sie es ja noch nicht. Das wird noch ein langer Weg, die Presse spricht ja schon wieder von »Schlotter 04«. Wenn sie ihren Vor­sprung, den sie zwi­schen­zeit­lich hatten, noch her­geben, sind sie natür­lich der Depp der Nation, das ist ein­fach so. Und wenn du das als Spieler jeden Tag hörst und im Hin­ter­kopf hast, kann es irgend­wann mal Klick machen und du glaubst es selbst. Zumal bei Schalke die Emo­tionen extremer sind als bei anderen Klubs.

Ist es nicht bitter, die Mecha­nismen auf Schalke zu kennen und jetzt nicht mehr helfen zu können?

Ich habe das Thema abge­hakt.

Ehr­lich?

Ganz ehr­lich. Ich freue mich für meine Freunde dort und den Verein, wenn sie es am Ende schaffen, aber ich beschäf­tige mich nicht mehr damit, welche Pro­bleme es gibt. Man tele­fo­niert mit dem einen oder anderen, aber um mich intensiv damit aus­ein­an­der­zu­setzen, ist dann doch zu viel hän­gen­ge­blieben.

Haben Sie zwi­schen­zeit­lich gehofft, dass sich Ihre Situa­tion noch positiv wendet, oder war Ihnen rasch klar, dass die Stunde geschlagen hat?

Für mich war das eigent­lich schon zu Sai­son­be­ginn klar.

Waren diese Monate die schlimmsten Ihrer Kar­riere?


Schön war es nicht. Des­halb habe ich mich ja letzt­lich ent­schlossen, den Schnitt zu machen. Zumal es auch für Manuel Neuer besser ist, dass er die Nummer 1 sicher hat und nicht gleich bei jedem Fehler eine neue Dis­kus­sion beginnt.

Hans-Jörg Butt hat in Lever­kusen das gleiche Schicksal erlebt wie Sie. Fühlen Sie mit ihm?


Das liegt im Moment halt im Trend. Wahr­schein­lich müssen dem­nächst noch drei Natio­nal­mann­schaften auf­ge­macht werden, um all die künf­tigen Natio­nal­tor­hüter unter­bringen zu können.

Wie haben Sie die Sache ver­ar­beitet?

Man muss los­lassen können. Wenn du nicht los­lassen kannst, gehst du kaputt. Das kann man schon von den Samurai oder den Shaolin-Mön­chen lernen.

Beschäf­tigen Sie sich mit deren Phi­lo­so­phie?

Hin und wieder. Ich beschäf­tige mich all­ge­mein mit Psy­cho­logie. Man muss lernen, Dinge los­zu­lassen, die man nicht ändern kann. Ich bin der Typ, der dazu neigt, sich auf etwas zu ver­steifen.

Wie lange wollen Sie noch im Tor stehen?


Keine Ahnung. Im Moment fühle ich mich ganz gut.

Spüren Sie kör­per­liche Abnut­zungs­er­schei­nungen?

Dass du heute anders auf­stehst als mit 21, ist normal.

Lässt sich nach­las­sende Reak­ti­ons­schnel­lig­keit durch Erfah­rung wett­ma­chen?

Ich bin ohnehin nicht der spek­ta­ku­läre Typ, der ständig durch die Gegend fliegt, son­dern eher jemand, der ver­sucht, Situa­tionen im Voraus zu erahnen. Ich halte nichts davon, mich fünfmal abzu­rollen, um zu zeigen, dass ein Ball unhaltbar war. Als erfah­rener Tor­wart weiß ich meist sowieso, welche Bälle ich kriegen kann und welche nicht. Da bewun­dere ich einen wie Uli Stein, der viel­leicht der Tor­wart mit dem besten Auge über­haupt war.



Sie enga­gieren sich mit dem Bündnis Aktiver Fuß­ball­fans bei einem Fonds für Leute, die gegen zu Unrecht ver­hängte Sta­di­on­ver­bote klagen (fan​rechte​.de, Anm. d. Red.). Warum?

Um eines klar­zu­stellen: Es geht nicht darum, Gewalt­tä­tern zu helfen. Heut­zu­tage gibt es auch Sta­di­on­ver­bote für Fans, die bei Aus­schrei­tungen ein­fach nur in der Nähe waren, da muss man dif­fe­ren­zieren. Im Fuß­ball wird oft pau­scha­li­siert, nach dem Motto: Wenn wir die alle weg­sperren, haben wir Ruhe. Aber wir leben in einem Rechts­staat, wo man auch Men­schen, gegen die Sta­di­on­ver­bote ver­hängt werden, ihre Schuld erst beweisen muss.

Ein sol­ches Enga­ge­ment ist für einen Pro­fi­ki­cker eher unge­wöhn­lich, ebenso wie ein Zitat, das wir von Ihnen gefunden haben: »Die Gefahr ist groß, dass man sich immer mehr von der Basis ent­fernt, weil man selbst im Gol­denen Käfig sitzt.«

So emp­finde ich es. Es gibt für mich nichts Schö­neres, als in einem Sta­dion zu spielen, wo eine tolle Atmo­sphäre herrscht. Und dafür braucht es Fans, die dem Ganzen den ent­spre­chenden Rahmen geben. Es wäre furchtbar, nur noch vor Cham­pa­gner­trin­kern zu spielen.

Ein gewisser Fana­tismus gehört also zum Fuß­ball dazu?

Ich finde das nicht so wild. Wer einen Spreng­satz bei Poli­zisten ins Auto schmeißt, gehört weg­ge­sperrt, da wird kaum ein Fan wider­spre­chen. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass Anhänger von Poli­zisten, die ja auch ihren Job recht­fer­tigen müssen, pro­vo­ziert werden. Alles über­spitzt – aber nicht falsch.

Haben Sie ein kon­kretes Bei­spiel?


Wenn ich mit einer Ultra-Grup­pie­rung mit­fahre, muss ich davon aus­gehen, dass ich einer Lei­bes­vi­si­ta­tion unter­zogen werde. Ich werde auf der Auto­bahn ange­halten und muss mich an den Bus stellen, obwohl ich gar nichts ver­bro­chen habe. Das alles nur, weil viel­leicht ein paar bekannte Gestalten mit­reisen. In jenem Moment habe ich mich stark an die DDR erin­nert gefühlt. Neu­lich in Bremen haben wir gesehen, wie unsere Fans wie eine Rin­der­herde vom Bahnhof zum Sta­dion getrieben wurden. Ich staune über die Leute, die da noch zum Fuß­ball gehen. Ich würde es nicht machen.

In Deutsch­land haben sich die Kra­walle eher in die unteren Ligen ver­la­gert. Wie intensiv haben Sie die jüngsten Ereig­nisse in Ihrer Hei­mat­stadt Leipzig ver­folgt?

Ich kenne mich bei Lok ein biss­chen aus. Man muss dem Prä­si­denten Kubald hoch anrechnen, dass er den Klub nach der Pleite wieder zum Leben erweckt hat und die Tra­di­tion Lok Leipzig wei­ter­leben lässt. Nur: Dass man einige Fans nicht radikal aus­schließt, hin­ter­lässt einen faden Bei­geschmack. Selbst manche Leip­ziger Ultras distan­zieren sich inzwi­schen von diesen Leuten.

Was sind die Ursa­chen der Gewalt?


Um mal beim Bei­spiel Leipzig zu bleiben: Wer kein Geld und keine Arbeit und dann noch das Gefühl hat, dass sein Verein fallen gelassen wird wie eine heiße Kar­toffel, der ent­wi­ckelt ein gewisses Aggres­si­ons­po­ten­tial. Da sollte sich auch die Stadt Leipzig fragen, ob sie alles richtig gemacht hat. Andere Städte würden sich die Finger danach lecken, den ersten Deut­schen Meister zu beher­bergen. Und was macht man in Leipzig? Schickt ihn in den Kon­kurs.

Oft wird auf die soziale Lage der Ran­da­lierer ver­wiesen. Macht man es sich damit nicht zu ein­fach?

Sehen Sie sich die Arbeits­lo­sen­quote in Dresden oder Leipzig an. Ich kenne viele Lok-Fans aus dem Umkreis. Fahren Sie mal nach Grünau. Die Leute dort haben nur ihren Klub und der wird in die 11. Liga geschickt. Davon abge­sehen gibt es natür­lich auch eine Kli­entel, für die Ran­dale ein­fach Spaß und einen Adre­na­lin­kick bedeutet.

Was kann man gegen die unter­nehmen?


Nor­ma­ler­weise musst du als Verein den Arsch in der Hose haben und diese Leute aus­schließen. Aber die Ver­eine leben ja auch von ihnen und ihren Ein­tritts­gel­dern, viel mehr als die Bun­des­li­gisten.

Wie stehen Sie im Rück­blick zur DDR?

Ich würde nicht sagen, dass alles schlecht war. Ins­be­son­dere dem Sport­för­der­system habe ich viel zu ver­danken. Sicher war die Aus­lese hart und es wurde nicht viel Feder­lesen gemacht. Aber es wurde ja keiner gezwungen, Leis­tungs­sport zu betreiben. Ich habe mich dafür ent­schieden und habe es nicht bereut.

War es für Sie schwierig, der Sohn von zwei erfolg­rei­chen Sport­lern zu sein (Chris­tina und Peter Rost waren Hand­baller, Anm. d. Red.)?

Würde ich eben­falls Hand­ball spielen, hätte das zum Pro­blem werden können. Aber da ich eine andere Sportart gewählt habe, sind mir die dau­ernden Ver­gleiche erspart geblieben. Ich finde es sogar gut, dass meine Eltern auch aus dem Sport kommen, weil ich so von ihren Erfah­rungen pro­fi­tieren konnte.

Was haben Ihnen die Eltern im Fall Schalke geraten? Wech­seln?


Wech­seln, ja klar. Die kannten aber auch die ganzen Hin­ter­gründe.