In unserer neuen Aus­gabe 11FREUNDE #170 erzählen wir in einer langen Repor­tage das irre Ab und Auf der Borussia in dieser Saison. Das Heft ist ab sofort erhält­lich: am Kiosk eures Ver­trauens, im App-Store und natür­lich auch im 11FREUNDE-Shop.

Herr Eberl, im Sommer trafen wir Lucien Favre für ein Inter­view. Er wirkte sehr ent­spannt, wollte der Mann­schaft sogar aus dem Buch Darm mit Charme“ vor­lesen. Wie war Ihr Ein­druck von ihm?
Wir haben Lucien Favre über vier Jahre lang intensiv kennen lernen dürfen. Es war immer so, dass er die Zeit im Sommer zur Ent­span­nung nutzen musste, weil er ein unglaub­lich arbeits­in­ten­siver Trainer ist. Des­wegen sind diese Wochen für ihn eine unfassbar wich­tige Zeit. Danach kam er immer mit neuem Elan zurück.

Wie passt es zusammen, dass er gerade in dieser Zeit angeb­lich zurück­treten wollte?
Es ist Ihr gutes Recht, dass sie alles erfragen wollen. Ich habe bestä­tigt, dass es Phasen gab, in denen er diese Gedanken hatte. Aber wie und wann, das werde ich nicht erzählen.

Die Vor­be­rei­tung lief sehr gut für die Borussia, auch im Pokal­spiel auf St. Pauli gewann die Mann­schaft mit 4:1. Wie kam dann diese Klat­sche beim ersten Spiel in Dort­mund zustande?
Ich gebe Ihnen Recht, die Vor­be­rei­tung lief sehr gut. Die eine oder andere Ent­wick­lung der Jungen war gut, auch die Neu­zu­gänge Drmic und Stindl führten sich gut ein. Auf St. Pauli gewannen wir hoch­ver­dient. Es war bemer­kens­wert, dass wir nach dem Errei­chen der Cham­pions League und den Abgängen im Sommer zunächst so gut den Über­gang schafften. Aber das hat auch dem einen oder anderen die Klar­heit genommen.

Also ver­lief die Vor­be­rei­tung fast zu gut?
Es gibt nicht zu gut oder zu schlecht. Doch wir befanden uns in einer Situa­tion, in der man viel­leicht gesagt hat: Es läuft alles. Und das kann in der Bun­des­liga gefähr­lich sein. Nach dem 0:4 in Dort­mund haben es sehr viele Kri­tiker auf unsere junge Innen­ver­tei­di­gung abge­sehen, doch auch unsere gestan­denen Spieler waren da nicht bei 100 Pro­zent. Hinzu kam, dass mit Kruse und Kramer zwei A‑Nationalspieler weg gegangen waren und mit Stranzl und Dom­in­guez zwei Arri­vierte ver­letzt fehlten.

Es folgten durchaus ver­meid­bare Nie­der­lagen gegen Mainz und in Bremen.
Das war ein Auf­prall, keine Frage. Wir lie­ferten iden­ti­sche Spiele gegen die Mann­schaften wie in der ver­gan­genen Rück­runde, nur mit dem kom­plett gegen­tei­ligen Ergebnis. In Bremen waren wir sogar noch domi­nanter als einige Monate zuvor – und ver­loren trotzdem. Da weißt du bis heute nicht, warum du diese Spiele ver­loren hast.

Wie erklären Sie sich, dass die Mann­schaft schon nach drei Spielen das kom­plette Selbst­ver­trauen ein­ge­büßt hatte?
Wir haben eine cha­rak­ter­lich super Truppe, die sich auch mit der Situa­tion aus­ein­an­der­setzt. Die Spieler begannen zum ersten Mal zu über­legen und zu zwei­feln. Da war der Gedanke: Hof­fent­lich machen wir keine Fehler. Doch genau dann pas­siert es.

An wel­chem Punkt haben Sie gemerkt, dass die Mann­schaft abrutscht?
Nach dem 0:3 gegen Ham­burg war mir klar: Es wird eine schwere Zeit. Wir werden oft als starke Rea­listen ein­ge­schätzt, als Leute mit Under­state­ment. Doch die letzten Jahre haben uns Demut gelehrt. Uns war immer klar, dass Platz drei etwas Außer­ge­wöhn­li­ches dar­stellt. Wir sind nur unter den Top Fünf, wenn wir über uns hin­aus­wachsen, alles für uns läuft und gleich­zeitig andere Mann­schaften schwä­cheln.

Haben Sie nach dem Spiel gegen Ham­burg mit dem Trainer gespro­chen, wie sie die Blo­ckaden der Spieler lösen können?
Das geht nur mit Arbeit auf dem Platz, indem sich die Spieler die Auto­ma­tismen zurück­holen. Doch gerade in dieser Phase mussten wir ver­let­zungs­be­dingt viel wech­seln. In so einer Phase brauchst du ein starkes Gerüst. Wir haben uns gesagt, dass wir wieder gut ver­tei­digen, gut stehen müssen. Zurück zu den Basics also, die uns in der Ver­gan­gen­heit auch immer stark gemacht haben.

Sie haben nach dem sechsten ver­lo­renen Pflicht­spiel in Köln mit Favre zusammen gesessen. Wor­über haben sie gespro­chen?
Wir saßen in der Kabine und haben das Spiel ana­ly­siert. Zum einen hatten wir wenig Tor­chancen gegen Köln, zum anderen standen wir hinten aber seit langem wieder ordent­lich. Der Tenor war: Jetzt kommt ein Pflänz­lein Hoff­nung, die Ver­letzten kehren zurück: Herr­mann, Johnson, Dom­in­guez. Dazu fanden sich die Jungen wie Chris­tensen immer besser zurecht.

Den­noch rief Sie Favres Berater um 7.20 Uhr am nächsten Tag an und sprach von den Rück­tritts­plänen des Trai­ners. Warum nicht Favre selbst?
Lucien wollte im Sta­dion mit mir spre­chen, der Berater sollte mich nur vor­warnen.