Felix Bas­tians, Sie sind bereits mit 16 Jahren nach Eng­land zu Not­tingham Forest gewech­selt. Wie kam es dazu?
Bei den Spielen der West­fa­len­aus­wahl hatte mich Andrew, ein Scout von Not­tingham, gesichtet. Dar­aufhin hat mich der Verein zum Trai­ning ein­ge­laden. Ich war eine Woche dort, habe mir die Bedin­gungen ange­schaut und mit­trai­niert. Dann hat Not­tingham ein Angebot gemacht. Wir haben das in der Familie bespro­chen, dabei war die Schule das Haupt­thema. Mein Vater hat gesagt: Wenn das mit der Schule klappt, dann kannst du das auch machen.“
 
Und Ihre Mutter?
Für sie war es schwie­riger. Sie hat viel geweint. Mein Vater hat sich das Jugend­in­ternat ange­schaut. Mein Zimmer war sehr spar­ta­nisch ein­ge­richtet: ein Bett, ein Wasch­be­cken und ein Klei­der­schrank. Dazu hatten wir ein Gemein­schaftsbad auf der mitt­leren Etage, das sich acht bis zehn Spieler geteilt haben. Dann hat mein Vater zu meiner Mutter gesagt: Du brauchst dir keine Sorgen machen. Er ist in zwei Wochen wieder hier.“ (Lacht.) Aber es hat dann doch ein biss­chen länger gedauert.
 
Not­tingham war gerade in die 3. Liga abge­stiegen. Warum hat Sie der Schritt trotzdem gereizt?
Das Trai­nings­ge­lände war sehr beein­dru­ckend, eines der besten in Eng­land. In Kom­bi­na­tion mit der Schule, die in den Trai­nings­kom­plex inte­griert war, war das pas­send für mich. Und mit dem Auf­stieg im letzten Jahr in die 2. Liga hat sich das auch noch gelohnt.
 
Sind Sie damals nicht mit dem Vor­haben nach Eng­land gewech­selt, den Sprung in die Pre­mier League zu schaffen?
Ich habe mich nur damit beschäf­tigt, bei Not­tingham in die erste Mann­schaft zu kommen. Selbst in der 3. Liga hatte der Verein einen Schnitt von über 20.000 Zuschauern.
 
Wie waren die ersten Wochen für Sie als 16-Jäh­riger in einem anderen Land?
Viele Pro­bleme hatte ich nicht. In den ersten Wochen blieb nicht viel Zeit zum Nach­denken, es war Vor­be­rei­tung, wir haben viel trai­niert. Aber sicher­lich war es erst einmal unge­wohnt, von zu Hause weg zu sein. Es gab in der Mann­schaft nur drei Spieler, die nicht von der Insel stammten: einen Fran­zosen, einen Bel­gier und mich. Man muss dazu sagen, dass die Deut­schen nicht unbe­dingt das belieb­teste Volk in Eng­land sind. Als ich zum Bei­spiel einmal in der Innen­stadt nach Tri­kots geschaut habe, gab es Tri­kots aus jedem Land, nur nicht aus Deutsch­land.
 
Haben Sie diese Aver­sion auch per­sön­lich zu spüren bekommen?
Man muss ein paar Ein­stiegs­ri­tuale über sich ergehen lassen. Da waren schon ein paar Sachen dabei, bei denen ich gemerkt habe, dass der Deut­sche ein biss­chen mehr aus­halten muss.
 
Ein Bei­spiel?
Es wird unter­teilt in first year, second year und third year. Wenn man im ersten Jahr neu dabei ist, dann macht man alles. Von Kabine putzen bis dahin, am Spieltag den Müll im Sta­dion zusam­men­zu­tragen. Das kom­plette Paket. Als ich ankam, wurden alle Neu­zu­gänge in einer kleinen Kabine ein­ge­schlossen und das Licht aus­ge­macht. Dann haben meine Mit­spieler die Tür einen Spalt auf­ge­macht und Fuß­ball­schuhe rein­ge­pfef­fert. Vorher wurde uns Neuen ver­si­chert, dass auf gar keinen Fall Stol­len­schuhe geworfen würden – bis ich dann den ersten Schuh gehört habe, der mit einem lauten Kla­ckern gegen die Wand flog. Dann wusste ich: Es sind auch Stollen dabei. (Lacht.)
 
Wie haben Sie sich geschützt?
Es gab einen Pfeiler in der Kabine, dahinter habe ich mich gestellt. Da war ich sicher und habe keinen Schuh abbe­kommen. Als das Licht wieder anging, sind alle aus der Kabine gegangen. Der, der als Letzter her­auskam, musste im Sta­dion nackt eine Runde drehen. Ich kam als Dritter von acht aus der Kabine. Dann wurde gefragt: Wer war Letzter?“ Die anderen haben gesagt: Der Deut­sche.“ (Lacht.) Dann habe ich die Runde gemacht. Die Jungs haben sich gefreut. Ich habe noch ein paar Side-Steps an der Gegen­ge­rade gemacht. Und der Sicher­heits­mann hat es auf Kamera fest­ge­halten. Das war schon lustig.
 
Wie war das Zusam­men­leben im Jugend­haus?
Das Jugend­haus war ein ganz nor­males eng­li­sches Rei­hen­haus, einen Block vom Sta­dion ent­fernt. Ich hatte dort mein Zimmer, es gab einen Auf­ent­halts­raum. Am Wochen­ende sind die Jungs nach Hause zu ihren Fami­lien gefahren und wir waren zu dritt da. Der Zeug­wart der ersten Mann­schaft hat auch das Jugend­haus betrieben, er hat sich super um uns geküm­mert. Uns wurde immer etwas ange­boten, damit uns nie so lang­weilig wurde, dass man Heimweh bekam. Wir gingen zum Bei­spiel öfters zum Eis­ho­ckey.