Seite 2: „Aber da geht vielleicht noch was in Russland“

Wen müssen Sie denn noch am meisten über­zeugen, den Bun­des­trainer, die Mit­spieler oder sich selbst?
Letzt­lich muss man alle über­zeugen. In erster Linie natür­lich das Trai­ner­team. In deren Hand liegt die Ent­schei­dung. Natür­lich gehen wir als Team zur WM und müssen dort als Team auf­treten, nur gemeinsam können wir unser Ziel errei­chen. Das ver­langt uns allen alles ab. Ich weiß, wo meine Stärken liegen, was ich ein­bringen kann, um das Team zu ver­bes­sern. Das ver­suche ich jeden Tag zu zeigen.

Werden Sie sich gegen Öster­reich noch einmal beweisen können?
Also Hin­weise darauf gab es noch keine. Ich denke aber schon, dass der Bun­des­trainer noch einiges aus­pro­bieren wird und einige Spieler noch einmal sehen möchte. Ich lasse das auf mich zukommen.

Für gewöhn­lich spielt Jonas Hector auf der linken Außen­ver­tei­di­ger­po­si­tion. Sie gelten als Backup. Haben Sie sich nicht mal gefragt, warum nicht Sie als Nummer eins auf dieser Posi­tion ins Tur­nier gehen?
Nein. Wir gehen mit 23 Spie­lern ins Tur­nier, jeder hat seine Auf­gabe und Kon­kur­renz­kampf belebt das Geschäft. Jeder Spieler – die Posi­tion ist jetzt mal zweit­rangig – möchte spielen. Es gibt aber auch Jungs, die noch nicht so lange dabei sind. Letz­tere würden sich schon freuen, wenn sie über­haupt mit­fahren. Ich habe das erlebt beim Confed-Cup, als ich das erste Mal dabei war und auch erst einmal ein wenig zurück­ste­cken musste. Das war damals kein Pro­blem, aber natür­lich bin ich ehr­geizig und möchte spielen.

War der Confed-Cup der Moment, an dem Sie spürten, dass die WM wirk­lich auf Sie zulaufen könnte?
Der Confed-Cup war natür­lich so ein wich­tiger Schritt, die erste Ein­la­dung vom Bun­des­trainer. In den Fol­ge­mo­naten war ich dann eigent­lich immer dabei. Das habe ich schon als Zei­chen für mich gedeutet, dass ich eine echte Chance bekomme, mich für die WM zu emp­fehlen.

2014 musste der gelernte Innen­ver­tei­diger Bene­dikt Höwedes als Links­ver­tei­diger aus­helfen. Was haben Sie da gedacht?
Ich muss schon sagen, er hat es doch ganz ordent­lich gemacht, sonst hätte er nicht alle sieben WM-Spiele ein­schließ­lich des Finals dort bestritten. Aber ich weiß, worauf Sie anspre­chen. Tja, zu diesem Zeit­punkt gab es auf dieser Posi­tion viel­leicht wirk­lich nicht den einen. Ich bin gerade nach Berlin gewech­selt, da war es anfangs für mich auch nicht so pri­ckelnd, ich konnte nicht spielen. Die Suche nach einem Links­ver­tei­diger ist ja fast schon legendär. Aber Gott sei Dank sind wir da heute besser auf­ge­stellt, mit Jonas Hector und mir – zwei gute Kicker, ich glaube, das kann man schon sagen.

Für Deutsch­land spielten schon Rechts­füßler wie Paul Breitner oder Philipp Lahm diese Posi­tion. Wel­chen Vor­teil hat ein Linksfuß?
In der Offen­sive mag das eher gehen, wie Arjen Robben ja zeigt. In der letzten Reihe hinten ist das schwie­riger. Wenn ich jetzt hinten rechts spielte, fehlten ein paar Pro­zent, die man links besser ein­setzen kann. Ich bin Linksfuß, Links­händer – links ist ein­fach meine starke Seite. Und wenn man in die Offen­sive geht, kann man gleich gut flanken, statt noch einmal nach innen abzu­drehen. Aus meiner Sicht sind das klare Argu­mente.

In der End­phase der Saison konnten Sie noch einige Tore vor­be­reiten.
Sie sagen es, davor war unsere Saison ein biss­chen holprig. Zum Schluss hat es wieder gut geklappt. Ich weiß, dass ich gut flanken kann, das sagen mir einige Spieler, auch hier. Ja, das Tor, ein direkt ver­wan­delter Frei­stoß wie sonst, hat in dieser Saison gefehlt. Aber da geht viel­leicht noch was in Russ­land (lacht). Aber mal im Ernst, wenn ich spiele und dann noch ein Tor vor­be­reiten oder selbst machen könnte per Frei­stoß – das wäre über­ra­gend!

Haben Ihre Eltern schon die Reise nach Russ­land geplant?
Ich glaube, sie warten noch die nächste Woche ab. Ich übri­gens auch.

Haben Sie ein gutes Gefühl?
Hm, sagen wir es mal so, ein schlechtes habe ich nicht.