Ver­missen Sie Felix Magath?
(über­legt) Ob ich ihn ver­misse?
 
Ja.
Ich habe mit Felix viele Jahre ver­trau­ens­voll und erfolg­reich zusam­men­ge­ar­beitet. Jetzt geht er seine Wege, und ich gehe meine. Ich bin Felix sehr dankbar für die Zeit.
 
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen?
Nein. Ich beschäf­tige mich jetzt mehr mit der Gegen­wart als mit der Ver­gan­gen­heit.
 
Wie sehr hat Magath Sie in Ham­burg geprägt, als Sie sein Spieler waren?
Ich hatte viele Trainer. Felix hat mich aus Kai­sers­lau­tern geholt und geför­dert. Er ist ein abso­luter Profi, ich habe viel von ihm gelernt: Dis­zi­plin, Ord­nung und Dinge über die kör­per­liche Fit­ness. Aber ich ver­suche natür­lich, meinen eigenen Weg zu gehen. Es macht keinen Sinn, irgend­je­manden zu kopieren, man muss authen­tisch bleiben. Jeder ist eine eigene Person.
 
Ihre Kar­riere begann bei den Würz­burger Kickers. Wie kam es zum Wechsel zum FC St. Pauli?
Es gab in Bam­berg eine Kneipe namens Maisel-Keller, in die ich häufig gegangen bin. Die Kneipe gehörte Bubi Blum, der ein großer För­derer des Ama­teur­fuß­balls war, ein Fuß­ball­ver­rückter. Bubi kannte wie­derum Her­bert Liedtke (Ex-Manager von St. Pauli, d. Red.) und hat mich gefragt, ob ich Inter­esse an einem Wechsel habe.
 
Sie ver­danken Ihren Pro­fi­ver­trag beim FC St. Pauli also einer Knei­pen­be­kannt­schaft?
Gewis­ser­maßen. Ich fuhr hoch nach Ham­burg und absol­vierte ein Pro­be­trai­ning. Schließ­lich sagte der dama­lige Trainer Helmut Schulte: Du bleibst sofort hier.“ Also wech­selte ich in der Win­ter­pause 1991 zum FC St. Pauli.
 
Da waren Sie schon 22 Jahre alt. Warum sind Sie so spät in den Pro­fi­fuß­ball gewech­selt?
Ich hatte schon früher die Mög­lich­keit, zu einem Profi-Klub zu gehen, aber meine Familie hatte eine Firma zu Hause. Es war eigent­lich vor­ge­sehen, dass ich in den Betrieb ein­steige. Des­wegen habe ich erst meine Metzger-Lehre gemacht. Danach war ich noch bei der Bun­des­wehr.

Sie haben in einem Inter­view mal gestanden, dass Sie ihre Jugend zu Genüge aus­ge­kostet haben“. Wie können wir uns das vor­stellen?
Wenn man jung ist, muss man so leben, wie man im Ama­teur­fuß­ball leben muss.
 
Was heißt das?
Ich war schon immer ein lus­tiger Vogel, war viel unter­wegs, habe viel gefeiert. Aber ich war auch immer einer, der nach Partys viel gear­beitet hat. Ich konnte meinen inneren Schwei­ne­hund ganz gut über­winden.
 
Hin und wieder erschienen Sie also mit Kater beim Trai­ning?
Ja, ich habe halt kein Fest aus­ge­lassen, als ich jung war – die Wein­feste in Würz­burg zum Bei­spiel. Des­wegen kam das Pro­fes­sio­nelle erst später. Es ist eben auch ein Unter­schied, ob man Fuß­ball als Hobby spielt oder zu seinem Beruf macht.

Aus­ge­rechnet in Ham­burg, beim FC St. Pauli, sind Sie ruhiger geworden.
Wir haben auch da schöne Feste gefeiert. Wir waren schließ­lich eine junge Mann­schaft. und da ist es klar, dass man nach dem Spiel auch mal weg­geht und Spaß hat. Aber natür­lich nicht mehr in dem Maße, wie es im Ama­teur­fuß­ball üblich war.

Hat da auch mal einer über die Stränge geschlagen?
(grinst) Wir waren immer geschlossen unter­wegs, wir waren ein ein­ge­schwo­rener Haufen.