Karl-Heinz Körbel, in Ihrem ersten von 602 Bun­des­li­ga­spielen hieß Ihr direkter Gegen­spieler Gerd Müller. Wie kocht man als 17-jäh­riger Bun­des­li­ga­de­bü­tant den besten Stürmer der Welt ab?
Noch kurz zuvor habe ich Gerd Müller zuge­ju­belt und ihm bei der Natio­nal­mann­schaft die Daumen gedrückt – plötz­lich musste ich selber gegen ihn ran. Das war schon ein selt­sames Gefühl. Trainer Erich Rib­beck gab mir mit auf den Weg, dass ich den direkten Kon­takt mit Gerd Müller ver­meiden solle, son­dern ein paar Meter ent­fernt stehen muss, um ihn dann zu atta­ckieren. Müller liebte es, sich mit dem Rücken am Gegner ein­zu­drehen und abzu­schließen. Das habe ich ver­mieden.

Wann haben Sie von Ihrem Debüt erfahren?
Ich war erst kurz bei der Ein­tracht und hätte noch A‑Jugend spielen können. Frei­tags nach dem Trai­ning gab Rib­beck den Kader bekannt. Ich war nicht dabei und fuhr des­wegen nach Hause nach Dos­sen­heim. Friedel Lutz ver­letzt sich aber noch und so wurde ich nach­no­mi­niert. Die Ein­tracht rief bei mir zuhause an, ich war aber gerade mit meinen Kum­pels unter­wegs. Meine Mutter suchte mich und sagte mir, ich müsse direkt ins Trai­nings­lager der Ein­tracht fahren. Aber ich durfte noch gar nicht fahren und so musste ich meinen Vater aus seiner Arbeit holen, damit der mich hin­bringt.

Wussten Sie gleich, dass Sie spielen würden?
Nein. Abends nach dem Essen kam Rib­beck auf mein Zimmer und fragte mich, ob ich mir zutrauen würde, gegen Gerd Müller zu ver­tei­digen. Ich konnte in dem Moment gar nicht richtig dar­über nach­denken. Aller­dings war ich für mein Alter schon ziem­lich erfahren. Ich hatte über 50 Junio­ren­na­tio­nal­spiele gemacht, an einer Euro­pa­meis­ter­schaft teil­ge­nommen und bereits in Wem­bley und vor 80.000 Zuschauern in Berlin gespielt. Erst beim Warm­ma­chen, als die Stars der Bayern auf dem Platz standen, wurde mir bewusst, auf was ich mich ein­ge­lassen hatte. Müller, Becken­bauer, Maier – Das waren Spieler, von denen ich mir ein paar Wochen vorher noch Auto­gramme geholt hätte.

Wie war es wäh­rend des Spiels. Haben Sie mit Müller geredet?
Nein, kein Wort. Das änderte sich aber mit der Zeit, wir haben ja sehr oft gegen­ein­ander gespielt. So blöd sich das anhört, aber Gerd Müller ist immer einer meiner Lieb­lings­ge­gen­spieler gewesen. Er hat sehr wenige Tore gegen mich geschossen und begann schon recht bald zu flu­chen, wenn wir mal wieder auf­ein­ander trafen. So eine Scheisse, schon wieder gegen dich“, hieß es dann.

Ihr Debüt ver­lief super, die Ein­tracht gewann 2:1.
Ja. Aber wir hatten auch eine Menge Glück. Becken­bauer schoss einen Elf­meter mit dem Außen­rist, den unser Tor­hüter ein­fach fangen konnte. Und ich schlug mich zwar gut, aber wissen Sie was?

Was?
Vor einigen Jahren hat mir ein Bekannter einen Zusam­men­schnitt des Spiels gegeben, etwa 20 Minuten lang. Den habe ich mir ange­schaut und war ganz erschro­cken. Ich war gar nicht so gut. Ich habe auch ziem­li­ches Glück gehabt. Zwei oder drei mal stand Gerd Müller frei vor unserem Tor­hüter. Der hatte aber einen super Tag und hielt ein­fach alles. Wenn Müller seine Chancen rein­ge­macht hätte, wäre meine Kar­riere wahr­schein­lich anders gelaufen.