Seite 2: „Ich sah keinen einzigen Ball“

Sie wech­selten später nach Leipzig. Wie ver­lief Ihre erste Zeit dort?
Das war schon schwierig, ohne Frage. Es kam vieles zusammen. Zum einen war ich noch am Scham­bein ver­letzt, zuvor hatte ich mona­te­lang unter Schmerzen trai­niert und gespielt. Diese Ver­let­zung hatte sich ins­ge­samt über drei bis vier Jahre hin­ge­zogen. Selbst das Joggen war schmerz­haft. Dann kommen Gedanke wie, dass ich nie wieder ohne Schmerzen Fuß­ball spielen würde, auf. In Leipzig musste ich mich dann aus­schließ­lich um meine Gesund­heit küm­mern. Mein Motto war immer: Wenn du Pro­bleme hast, musst du mehr machen als alle anderen. Mor­gens bin ich um acht Uhr mit dem Fahrrad zum Trai­nings­ge­lände gefahren, habe in der Gruppe im Wasser trai­niert, dann mit­tags alleine gegessen. Nach­mit­tags bekam ich dann die medi­zi­ni­sche Behand­lung, danach trai­nierte ich wieder indi­vi­duell. Abends um 18 Uhr bin ich dann voll­kommen platt im Hotel ange­kommen. Das ging mona­te­lang so, ohne dass ich nur einmal einen Ball am Fuß hatte.

Was waren die anderen Gründe für Ihre harte Zeit?
Ich hatte noch keinen echten Anschluss und war mehr oder weniger kom­plett auf mich alleine gestellt. Ich war zum ersten Mal in einer fremden Stadt, weit weg von zu Hause, besaß dazu noch keinen Füh­rer­schein. Der dama­lige Ath­le­tik­trainer lieh mir zeit­weise sein Fahrrad, damit ich mobil war, mir Woh­nungen in der Stadt anschauen und zum Trai­ning fahren konnte. In dieser Anfangs­zeit hat mir meine Familie schon stark gefehlt, wir haben aber jeden Tag tele­fo­niert. Heimweh, Ein­sam­keit, die Ver­let­zung – am Anfang kam alles zusammen.

Ich werde mein erstes Trai­ning in Leipzig nie ver­gessen. Vorher hatte ich schon Sprüche zu hören bekommen nach dem Motto Du kommst hier her, kos­test viel Geld und liegst drei Monate nur auf der Mas­sa­ge­bank“. Ich war also ordent­lich moti­viert vor meinem ersten Trai­ning, doch in den ersten 15 Minuten sah ich keinen ein­zigen Ball. Das Spiel lief kom­plett an mir vorbei. Man hatte ja im Vor­feld schon viel über diesen Leip­ziger Stil, dieses Jagen, gehört, aber mit­ten­drin ging ich total unter. Ich dachte mir nur: Wie soll ich das schaffen?“

Wie haben Sie es geschafft?
Im Prinzip war auch diese Ent­täu­schung im Trai­ning ein totaler Segen, weil meine kör­per­liche Schwäche noch mehr her­aus­ge­stellt wurde. Ich habe dar­aufhin mit unserem Ath­le­tik­trainer Tim Lobinger an meiner Bein­kraft, an meinem Ober­körper gear­beitet. Bei der Physis musste ich viel nach­holen, aber fuß­bal­le­risch wusste ich schnell, dass ich es dort packen kann. Nach meinem ersten Spiel haben das auch die anderen Jungs gemerkt.

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